Was kann die Nikon Z 6II, wenn die Z 6 schon rockt?


Als jahrelanger Nikon-Fotograf, mit den Schwerpunkten Menschenfotografie, insbesondere Veranstaltungen und Portraits, verfolge ich natürlich immer aufmerksam die Entwicklung. Mit den Spiegelreflexkameras (DSLRs) aus dem Hause Nikon bin ich bisher immer sehr gut zurecht gekommen. Natürlich gibt es immer ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln. Aber dafür folgt ja konsequent irgendwann die nächst höhere Version eines Modells. 😉

Derzeit bin ich dabei, zumindest teilweise von Spiegel auf spiegellos umzusteigen, also den Schritt zu machen von DSLR nach DSLM. Nikon war bei der DSLM-Entwicklung leider nicht ganz vorne mit dabei, hat durch die aktuellen Modelle Z 6II (24 MP, wie die Z6) und Z 7II (45,7 MP, wie die Z7) erstaunlich gut aufgeholt.

Ich hatte schon haptische Erfahrungen gemacht mit verschiedenen spiegellosen Kameras wie der Fuji X-T2 und der Leica Q2. Beide tolle Kameras. Auf der emotionalen Ebene machten sie mich teils glücklich, doch zu einem Systemwechsel bewegten sie mich nicht. Physiker und ebenso Fotograf, Freund und Mitarbeiter von Calumet Photo Stuttgart, Tomasz Osiadacz (siehe Instagram: imageartworks_de), ermöglichte mir nun für ein paar Tage das Testen der Nikon Z 6, da in Pandemie-Zeiten die Z 6II nicht als Leihgerät zur Verfügung stand. Aber mir ging es ja in erster Linie um die Haptik und die Herausforderung der Unterschiedsgewöhnung von verschiedenen Nikon-DSLRs wie der D780 hin zu einem spiegellosen System. Und da war sie, die sagenumwobene Nikon Z 6!

Die Nikon Z 6 mit dem Nikkor 105 mm f/1.4. Via FTZ-Adapter. Was für eine Fügung!

In der kurzen und ungewöhnlichen Zeit (Corona, ich weiß, Ihr könnt es nicht mehr hören 😉 ) konnte ich unter Einhaltung der AHA-Regeln und an der frischen Luft zwei kleine Fotoshootings (natürliche Portraits) organisieren. Meine beiden Models: Magdalena Grecu, selbst Fotografin (siehe vivafoto.de) und Beyza Hikmet Güler, Studentin der Wirtschaftskommunikation (siehe Instagram: beyhikmet).

An der Nikon Z 6 testete ich eine Reihe von tollen Objektiven. Unter anderem auch mein frisch erworbenes F-Mount Nikkor 24 mm f/1.4. Dieses gibt es schon seit 2010. Erstaunlicherweise habe ich es nach fast 10 Jahren MicialMedia (am 31.3.21) für mich nun entdeckt und tief in mein Fotografenherz geschlossen! Herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal an MPB Deutschland in Berlin für das tolle Angebot. Gebrauchte Ware im Top-Zustand! Ebenso beeindruckt hat mich mein inzwischen schon ein paar Jahre altes Nikkor 105 mm f/1.4. An meinen Nikon-DSLRs (D780, D810 usw.) war es super. Aber an einer (5-Achsen-stabilisierten!) Nikon Z6 erwacht das 105er via FTZ-Adapter (F-Mount der DSLR-Kameras „to“ Z-Mount der DSLMs; damit noch 3-Achsen-stabilisiert) zu wahrer Blüte. Unglaublich, aber wahr und toll!

Eine „Spiegellose“, also DSLM, hat gegenüber der klassischen Spiegelreflexkamera, DSLR, Vor- und Nachteile. Bei Tageslicht sieht man durch den optischen Sucher immer sofort das reale Bild scharf. Bei wenig Licht brilliert dagegen der elektronische Sucher einer DSLM, indem er die Szene oder das Motiv sehr gut aufhellt. Dies in Kombination mit einem ordentlichen ISO-Bereich von 100-51.200 bei der Z 6(II) bzw. 64-25.600 bei der Z 7(II) lässt das Fotografieren zu einem starken Erlebnis selbst bei „very low light“ werden. Dazu kommt bei der Z 6II ein AF-Messbereich, der schon bei -4,5 startet, was der Helligkeit von 1/4 Mond entspricht. Dafür braucht man ein Objektiv, das mindestens eine Lichtstärke von f/2.0 hat. Bei der Nikon Z 7II ist der unterste Lichtwert -3. Das entspricht der Z 6, die ich ja getestet habe. Die Frage, ob man sich als (Profi- oder ambitionierter) Fotograf eine Z 6II oder Z 7II anschaffen sollte, ist nicht ganz trivial. Hängt auf jeden Fall vom Einsatzbereich ab. Denn auch hier gibt es jeweils Stärken und Schwächen. In der Werbe- und Portraitbranche wird man eher zur Z 7II tendieren mit dem großen Sensor oder besser den vielen Megapixeln (Die Sensorgröße ist bei Z6/Z7 und den Nachfolgern identisch). Im Event- oder eher dynamischen Bereich, der oft auch Low-Light-Situationen einschließt, wird man mit Z 6II zufriedener sein. Letztlich werde ich mich für dieses Model entscheiden.

Doch nun möchte ich Euch meinen Fotos überlassen. Dabei ist nur das erste „nativ“ entstanden mit dem Z-Objektiv 24-70 mm f/4 (was bei Tageslicht super performt; für Low Light wäre es mir zu lichtschwach). Bei den weiteren Fotos kamen eine Reihe von „alten“ F-Mount-Objektiven zum Einsatz, natürlich via FTZ-Adapter an der Nikon Z 6. Ich kann nur nochmal unterstreichen, dass dies wunderbar funktioniert hat. Die Stärken und Verbesserung der neuen Nikon Z 6II (erschienen im Herbst 2020) sind mir bewusst, so freue ich mich um so mehr auf den Systemwechsel DSLR nach DSLM, den ich aber wohl noch einige Zeit parallel begleiten werde. Schließlich ist die Nikon D780 auch eine Top-Kamera, wie meine schon vorhandenen F-Mount-Objektiven von Nikon hohen Ansprüchen genügen.

1: 24-70 mm f/4 @ 24 mm f/4 (nativ, ohne FTZ-Adapter, mit Z-Objektiv)

2: 50 mm f/1.4 @ 50 mm f/1.4 (mit FTZ-Adapter)

3: 105 mm f/1.4 @ 105 mm f/1.4 (mit FTZ-Adapter)

4: Nochmal: 105 mm f/1.4 @ 105 mm f/1.4 (mit FTZ-Adapter)

5: Micha by Magda 105 mm f/1.4 @ 105 mm f/2.8 (ihre ersten Fotos mit dieser Cam)

6: 14 mm f/2.8 (Samyang) @ 14 mm f/2.8 (mit FTZ-Adapter)

7: 24 mm f/1.4 @ 24 mm f/1.4 (mit FTZ-Adapter)

8: Nochmal 24 mm f/1.4 @ 24 mm f/1.4 (mit FTZ-Adapter); näher, mehr Bokeh

9: 85 mm f/1.8 @ 85 mm f/1.8 (mit FTZ-Adapter)



Alle Fotos: Michael M. Roth, MicialMedia
Außer dem Foto von mir. Es wurde gemacht von Magdalena Grecu, ebenfalls Karlsruhe.
Alle Objektive: Nikon. Mit Ausnahme des Superweitwinkel 14 mm f/2.8: Samyang

Ein paar der Fotos nutze ich als „black & white“
für mein neues Projekt auf Instagram:
The Coffee Aficionada = Die Kaffeeliebhaberin

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MicialMedia Fotografie 2020 | 101 x Portraits Events Menschen

Overview/Index of my yearly reviews: MicialMedia Fotografie Jahresrückblicke

Attention/Hinweis: NSFW. Partly contains nudity. Enthält teilweise Nacktheit.
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Das Foto eines Menschen zeigt zwei Spiegelbilder. Eins davon ist offensichtlich.
– Michael M. Roth, Fotograf des 21. Jahrhunderts.

Das ist mein fotografischer Jahresrückblick 2020 (Review). Für uns alle war dieses Jahr kein leichtes. Umso mehr bin ich erfreut darüber, dass ich Euch trotzdem ein paar schöne Momente meiner Fotografie zeigen kann. Mein herzlichster Dank geht an alle, die bei den Fotoshootings dabei waren. Da ich auf Menschenfotografie (People Photography), dazu gehören insbesondere Aufnahmen von Begegnungen zwischen Personen bei Veranstaltungen, aber auch Einzelportraits („Natural Portraits“), meinen (Auto) Fokus gelegt habe, wäre meine Fotografie ohne Euch schlichtweg nicht möglich. Ihr seid quasi die Essenz meiner Arbeit! Jeder der, jede die mich schon bei meiner Fotografie erlebt hat, weiß, dass ich für sie brenne und dass ich es liebe, Menschen fotografisch einzufangen, „just how they ARE“. Doch nun, nach diesem kleinen Vorwort, möchte ich Euch nicht länger auf die Folter spannen, und Euch 101 meiner schönsten Fotos aus 2020 zeigen.

Lieben Dank nochmal für Euer Interesse, ob aus der persönlichen gemeinsamen Erfahrung heraus oder einfach nur mit der Neugierde des Betrachters, der Betrachterin, der oder die eines Tages selbst mal vor meiner Linse posieren möchte, ob einzeln oder als Teil einer Szene oder eines Projektes. Für Ideen und neue Projekte bin ich immer offen. Aktuell freue ich mich besonders auf eins, das voraussichtlich Ende März in Hamburg stattfinden wird. Thematisch geht es um Obdachlosigkeit in Zeiten der Pandemie. Das war nun also doch noch eine Mini-Vorschau auf das, was Euch in 2021 von meiner fotografischen Seite her erwartet. Bis dahin wünsche ich Euch einen guten Rutsch sowie ein Gesundes (!) Neues Jahr 2021!! Euer Micha.

SVEN | Businessman

SAIME | Curly

art Karlsruhe | Illuster [ u.a. mit Markus Lüpertz, Bettina Amann … ]

HANA | Confident

MARIA | unlimited

KONFERENZ | Agil

ANDREY [Saime, Gordon] | Enterpriser

JESSICA | Model

ZAHNÄRZTINNEN (Ingeborg & Luana Hoffmann) | Essential

MARCELLE & RACHEL | Sisterly

DALMA & SAIME | Friends

FRIDAYS 4 FUTURE & GREENPEACE & FOSSILFREE KARLSRUHE | Pro Nature

MERI [M. & N.’s] | Together

THORSTEN [Gordon, Saime] | Memory to Yul

DILARA | Favorite

CARlottA | Electrified

YULIA | Clarinet(t) [ MicialMedia Photo Studio Lightgarden ]

DMK | Muslimische Kulturwoche | Opening [ u.a. Heribert Prantl, Najoa Benzarti … ]

DMK | Muslimische Kulturwoche | Kochkurs

SPD | Parsa Marvi 4 Landtag

UTE NIETHAMMER | Kirchliche Amtseinführung Karlsruhe / Freiburg

Alle Fotos: Michael M. Roth, MicialMedia Copyright 2020

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Das Virus, die Impfung, der Ethellekt

Das Virus

2020, sich gerade dem Ende neigend, wird zweifelsohne zu einem besonderen Jahr in der Geschichte der Menschheit werden, zumindest was die aktuellen Dekaden angeht. Und das in mehrerlei Hinsicht. Wird man sagen, das Coronavirus war ein bedeutendes Moment bei allen Infektionskrankheiten oder, noch schlimmer, der Beginn einer Ära einer unterschätzten Spezies, an der der Mensch möglicherweise sogar zwar ohne Intention aber doch durch sein Handeln mitgearbeitet hat? Die Pandemie, die vermutlich vor dem Jahreswechsel 2019 nach 2020 durch eine Übertragung von Tier zum Menschen in China ausgelöst wurde, forderte bis heute, 17.12.20, weltweit ca. 1,6 Millionen Todesopfer bei 74,2 Millionen Infizierten und knapp 42 Millionen genesenen Menschen. In Deutschland hatten wir bisher 1,4 Millionen Fälle an Infektionen, täglich über 32 Tausend neue, 24.273 Todesfälle (an oder mit Corona verstorben), pro Tag sind zuletzt 729 neue Todesfälle bei uns in der Republik hinzu gekommen. Die Zahlen kommen von der Wikipedia bzw. vom RKI, das seine Zahlen wiederum von den Gesundheitsämtern der Kommunen erhält. Vor wenigen Tagen, am 14.12.20, lag Deutschland laut Statista im europäischen Vergleich mit einer Inzidenz von 185,1 (Anzahl Infektionen pro 100.000 Einwohner*innen) auf Platz 37. Die Tabelle wird angeführt von der Türkei mit einer Inzidenz von 1.212,7. Und das, wo es in der Türkei lange Zeit gar keine Coronainfektionen gab oder keine gezählt wurden bzw. sich die Zählweise änderte. Diese Zahlen können niemals als die einzige absolute Wahrheit verstanden werden aus ganz verschiedenen Gründen wie unterschiedliche Erhebung usw. Auch in Deutschland ist jeder Coronatote einer oder eine zu viel. Hybris sollten wir daraus also nicht ableiten. Aber die Zahlen können eine Orientierung geben. Zwar gibt es zurecht Kritik an unserem Gesundheitssystem, das zunehmend allein aus wirtschaftlichen Aspekten heraus betrieben wird, auf der anderen Seite finden wir auch nicht das schlechteste auf der Welt vor. Panik machen, lohnt sich schon deshalb nicht. Gleichwohl sollten wir selbst niedrige Infektionszahlen ernst nehmen, die inzwischen dabei sind, auf einen relativ hohen Niveau zu verharren bzw. noch anzusteigen. Auch mit Grippe-Toten lassen sich keine Corona-Toten rechtfertigen. Erstens verhalten sich die Viren anders, es wird potenziell nicht nur die Lunge angegriffen und bei Covid-19 sind Spätfolgen möglich. Und eine Todesstrafe in den USA würde ich doch auch nicht dadurch rechtfertigen, dass es die Todesstrafe in China gibt, oder? Wir sollten Leben per se schätzen, Menschenleben sowieso.

Die Impfung

Bereits frühzeitig, zu Beginn der Pandemie, haben Pharmaunternehmen versucht, einen Ausweg aus dem facettenreichen Labyrinth der Coronapandemie zu finden. Laut wissenschaftlicher Analyse von Verbreitungswegen des Virus scheinen die AHA-Regeln plus L, also Abstand halten, Hygienemaßnahmen wie Händewaschen, in die Armbeuge statt in die Hand niesen oder husten, Alltagsmaske tragen plus Lüften essenziell zu sein. Vor allem solange wir noch keine wirkeffiziente Impfung haben. Selbst wenn diese anläuft, wird AHA noch eine Weile wichtig bleiben. Sogar gegenüber Maskenverweigerern und Impfgegnern sollen wir uns solidarisch verhalten. Obgleich mir eine gewisse Wut und ein Unverständnis ihnen gegenüber manchmal angebracht, zumindest nachvollziehbar zu sein scheint. Doch just in diesem Moment, also in diesen Tagen, stehen wir vor einer ganz neuen Potenzialeröffnung. Während in Russland, in Großbritannien und in den USA die Impfungen schon angelaufen sind, stehen wir in Deutschland bzw. Europa kurz vor der Zulassung des Impfstoffes der deutschen Firma Biontech, die Partnerschaften mit Pfizer und weiteren Unternehmen eingegangen ist, um die Massenproduktion des Impfstoffes zu ermöglichen. Bei der nächsten Beratung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), am 21.12.20, also in vier Tagen, wird mit der Zulassung auf europäischer Ebene gerechnet. Deutschlands Bundesgesundheitsminister, Jens Spahn, spricht sogar von der weltweit ersten Zulassung, die keine Notfallzulassung ist. Spannend! Beim Impfstoff der Firma Biontech handelt es sich um eine Entwicklung, die auf der sogenannten Messenger RNA (mRNA) basiert. Im Unterschied dazu soll in Zukunft von der Firma AstraZeneca ein sogenannter Vektor-Impfstoff gelauncht werden, von dem gesagt wird, dass seine Wirksamkeit etwas niedriger liegt, nämlich bei 70 bis 90% (versus Biontech: 90%), aber evtl. die ebenso bedeutsame mögliche Infektiosität mit der Impfung unterbunden werden kann. Insgesamt wird es diesbezüglich im Verlauf wohl noch weitere Studien bzw. ein entsprechendes Monitoring geben müssen. Entsprechend der Zulassung wird in Deutschland zunächst nur Biontechs Impfstoff zu Verfügung stehen und verimpft werden. Im Verlauf werden weitere Impfstoffe folgen, wobei es dann voraussichtlich personen(gruppen)-spezifischen Empfehlungen gibt. Bei hinreichend großer Verfügbarkeit ist es denkbar, dass im Verlauf 2021 oder 2020 eine freie Wählbarkeit zum Tragen kommt. Natürlich gehören Aufklärung (wie über mögliche Nebenwirkungen) und Beratung von ärztlicher Seite dazu. Kurz nach Weihnachten 2020 soll mit den Impfungen begonnen werden in jenen Gruppen, die das höchste Risiko gegenüber dem Coronavirus haben, d. h. Menschen mit schwerwiegenden Vorerkrankungen, über 80-Jährige sowie medizinisches Personal, Pflegerinnen und Pfleger in Altenheimen. Die Aufstellung der Risikogruppen resultiert aus Beratungen der Ständigen Impfkommission (Stiko), des Deutschen Ethikrates und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (siehe auch Corona-Impfplan 2021, Quelle: Deutscher Städte- und Gemeindebund).

Der Ethellekt

Die Ethische Intelligenz ist eine kleine Philosophie, die ich seit ca. zwei Jahren auszurollen versuche in Form von Artikeln und Vorträgen bei Kongressen beispielsweise zum Thema Künstliche Intelligenz (siehe #ki4industry Programm @ HsKA). Dabei beinhaltet die Ethische Intelligenz auch einen Kreißsaal für neuartige Begriffe, die gleichzeitig die Geburt neuer Erkenntnisräume ermöglichen sollen. Dazu gehört z. B. der Terminus Soziogent, der die bisherige Hybris des Menschen gegenüber seinen Mitlebewesen relativiert. Und der Ethellekt. Im Unterschied oder in Addition zum uns allen – mehr oder weniger – vertrautem Intellekt geht es beim Ethellekt nicht nur um kognitive Fähigkeiten, sondern auch um das Vermögen, Denken und Handeln unter ethischen Gesichtspunkten zu hinterfragen.

Grundsätzlich und gerade in Zeiten der Coronapandemie sollten man und frau sich nicht nur des eigenen Verstandes bedienen, sondern ebenso des eigenen Ethellekts. Schauen wir uns Bewegungen von 2015 und 2020 an. Zur Zeit der großen Ströme von Flüchtenden in Richtung Gelobtes Land Europa formierte sich PEGIDA. In der Verbalisierung und Artikulierung steckte ein Angriff auf andere Kulturen und Religionen. „Gegen die Islamisierung des Abendlandes“. – Wirklich? Sah man jene Menschen, die aus anderen Kulturkreisen stammten und sich nach einem sicheren Leben sehnten, so wie wir es als „normal“ empfinden, nicht als Menschen an? Die Ursachen sind sicher tiefer liegend. Mit Schildern wünschte man sich Kanzlerin Merkel an den Galgen. Es war der übertriebene Hilfeschrei, die Ventilöffnung angesichts von offenbar angestauten Frustrationen in Bezug auf die eigene Lebenssituation. Als Rechtfertigung verstehe ich das nicht, aber als eine von möglichen Ursachen. Plötzlich sollte „der Ausländer“ integriert werden, womöglich eine Arbeit bekommen und soziale Unterstützung, wo man doch selbst sich vielleicht hintergangen fühlte oder abgehängt. Nicht nur, aber gerade in Ostdeutschland war diese Bewegung stark.

In diesem Jahr nun Corona. Wie man an vielen Stellen analysieren kann, sind die sogenannten Querdenker eine überaus diffuse Masse an Menschen, die vor allem eins tun: Ihren Frust, bis hin zu Hass, gegenüber der Regierung oder Menschen, die ihrer Meinung nach für ihr „Unglück“ verantwortlich sind, zum Ausdruck bringen. Einmal mehr gelingt es der aufgebrachten Menge nicht, einen Perspektivwechsel zu vollziehen. Es gibt sicherlich Beispiele dafür, dass Menschen, die die Pandemie oder die Gefährlichkeit des Coronavirus leugnen, selbst zu Infizierten werden und teils schwer an Covid-19 erkranken. In höchsten Regierungskreisen verschiedener Ländern konnten wir das beobachten. In Großbritannien führte das sogar dazu, dass das Virus auf einmal seitens der Regierung ernst genommen wurde. Müssen wir Menschen immer erst die Katastrophe am eigenen Leib erfahren oder sollen wir darauf warten, bis die eigene Mutter, der eigene Opa an oder mit (die Konsequenz ist die selbe) Corona stirbt, ehe wir aufwachen und nicht nur an uns selbst denken, sondern auch an die Gesellschaft als Ganzes?

Bei zahlreichen Diskussionen in den Sozialen Medien höre ich „Argumente“ wie „Aber das Tragen einer Maske ist doch nicht so wirkungsvoll“ – Selbst wenn nur ein wenig die Wahrscheinlichkeit der Übertragung reduziert wird, natürlich, aber klar, dann sollten wir von der Maske im Alltag Gebrauch machen, spätestens wenn wir uns mit anderen Menschen treffen. Bei bewusst geplanten Corona-Demos wie jener in Karlsruhe vom 4.10.20 waren so gut wie keine Masken zu sehen. Eigene Enttäuschung, Wut bis hin zu Hass sind also größer als der Anstand, solidarisch miteinander umzugehen.

Querdenken Demo am 4.10.20 in Karlsruhe | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia

Das Coronavirus folgt seiner eigenen Dynamik. Es kümmert sich nicht um Politik. Es kümmert sich nicht darum, ob jemand durch den Verkauf von Masken ein Vermögen macht. Die Fraktion der Verschwörer und Verschwörerinnen hatte dies der Ehefrau des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder unterstellt. Offenbar ist nicht jeder dazu in der Lage, da selbst Kontakte von mir dergleichen auf Facebook geteilt haben. Dabei ist es nicht so schwer, ein bisschen zu recherchieren, und man findet die Richtigstellung wie bspw. hier: Nein, Ehefrau von Söder profitiert nicht von Masken!

Was also sollten wir tun, wenn wir an uns selbst den Anspruch stellen, uns ethisch-intelligent oder ethellektuell zu verhalten? Wir könnten uns die grundsätzliche Frage stellen, welche Werte für uns die wichtigeren sind: Die individuellen, (ich-) persönlichen, die gesellschaftlichen oder vielleicht sogar eine effiziente und konstruktive Verbindung ermöglichen zwischen persönlichem und gesellschaftlichem Nutzen. Wenn ich selbst eine Maske trage, schütze ich andere, zumindest besser als bei Begegnungen ohne Maske. Wenn alle bei Begegnungen und Ansammlungen von Menschen Masken tragen, dann schützen sie auch mich und in der Gesamtheit die Gesellschaft.

Eine weitere ethellektuelle Frage: Schenke ich grundsätzlich der Wissenschaft Vertrauen? Traue ich eher einem Sucharit Bhakdi, der sich im Ruhestand befindet und zwar Spiegel-Bestseller schreiben kann, aber keine spezielle Expertise im Zusammenhang mit dem Coronavirus vorzuweisen hat (Medizin-Datenbank PubMed: Keine Einträge) oder einem Christian Drosten, der aktiv an der Charité am Forschen ist zum Coronavirus (PubMed-Einträge im dreistelligen Bereich)? Wissenschaftler wie Christian Drosten sowie eine überwältigende Mehrheit an Virologen, Epidemiologinnen, Mediziner*innen weisen auf den Sinn der AHA-Plus-L-Regeln (wie oben erklärt) sowie auf die Gefährlichkeit des Coronavirus und einer schwer zu kontrollierenden Pandemie hin. So hat sich bspw. auch die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie (DGEPI) im Sinn der Einhaltung der AHA-Regeln positioniert und die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung des Coronavirus unterstützt.

In Bezug auf die Entwicklung und die Zulassung von Impfstoffen nach hinreichender Prüfung sehe ich im Ausrollen der Impfungen gemäß der Risikogruppen eine große Chance, in der zweiten Jahreshälfte 2021, hoffentlich spätestens bis zum Frühjahr 2022 das Coronavirus in Deutschland, möglichst in Europa und weltweit, entscheidend einzudämmen, in dem Sinne, dass wir zu einer Herdenimmunität gelangen. Ca. 60 bis 70% der Bevölkerung müssten sich hierfür impfen lassen. Biontech hat bei der heutigen Pressekonferenz mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel verlauten lassen, dass beim Test von 44.000 Probanden (halb Wirkstoff, halb Placebo) eine Wirksamkeit von 95% erzielt wurde. In seltenen Fällen ist es zu starken allergischen Reaktionen bei den Impfungen gekommen. Der Nutzeffekt dürfte somit um Größenordnungen höher sein als möglicher Schaden. Eine 100%ige Sicherheit werden wir nicht erreichen können. Jeder von uns sollte abwägen, ob er oder sie sich impfen lassen möchte. Dies wäre direkt und persönlich insbesondere für ältere Menschen sowie Menschen, die weiteren Risikogruppen angehören, von großem Benefit. Gesellschaftlich gesehen, können wir alle einen Beitrag leisten, ob jung oder alt, um die Pandemie als Ganzes in die Schranken zu weisen. Auf der anderen Seite sollte eine Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, nicht zu einer Zweiklassengesellschaft führen. Gegenseitiger Respekt und sachlicher Diskurs können uns weiter bringen. Mir bleibt nur, noch einmal an den Intellekt und den Ethellekt aller zu appellieren. Vielen Dank!

Links im Kontext

In diesem Beitrag klärt die Bundesregierung umfassend auf:
Coronavirus in Deutschland – Das ist der Stand bei der Corona-Impfung

Das Coronavirus-Update von NDR Info – Zeit nehmen und viel dabei lernen!

Hier ein weiterer Link zum Impffahrplan 2021 – auf Facebook, by kommunal.de.

Super Beitrag von Quarks zur Aufklärung: Corona – Wie sicher ist der Impfstoff?
(Kurz-URL zur einfachen Weitergabe: http://bit.ly/c19impfung)

Ein sehr aufschlussreicher Videobeitrag des RKI / Molekularbiologe Martin Moder:
Wirkungsweise und potentielle Risiken der mRNA-Impfstoffe gegen Covid19


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Freikarten: Kongress KI für den Mittelstand, HsKA 12./13.11.20

UPDATE (11.11.20)
Die Verlosung ist beendet. Die drei Gewinner*innen fest:
Sven Semet, Andrea Bühler und Rafique Danish.
Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß beim Online-Kongress!

In Kooperation mit der Veranstalterin, der Hochschule Karlsruhe (HsKA), verlose ich drei Freikarten für den am 12./13. November 2020 stattfindenden Online-Kongress „Künstliche Intelligenz für den Mittelstand“. #ki4industry

Humanoider Roboter Roboy 3.0 | München, 28.10.20 | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia

Du interessierst Dich für Künstliche Intelligenz (KI) und bist möglicherweise selbst am Überlegen, KI in Deinem Unternehmen zum Einsatz zu bringen? Doch welche Methoden der Künstlichen Intelligenz gibt es überhaupt? Wie sieht es mit Best-Practice-Beispielen aus? Welcher Rahmenbedingungen bedarf es, damit die Idee, eine neue Technologie im Unternehmen einzuführen, von Erfolg gekrönt sein kann? Und welche ethischen Betrachtungen scheinen im Kontext von KI angemessen? Könnte Ethische Intelligenz hierfür einen Kompass bieten?

Sollten diese, teils interdisziplinären Themen für Dich spannend klingen, dann schreib bitte in ca. drei bis fünf Sätzen oder Stichpunkten, warum der Online-Kongress KI für den Mittelstand für Dich einen Mehrwert bieten könnte. Wie bist Du in Sachen KI aufgestellt und vorbereitet für die Zukunft? Welche Aspekte würdest Du in Sachen Künstlicher Intelligenz selbst gerne einbringen? Vielleicht lockt Dich ja sogar ein Slot oder Podiumsplatz bei der nächsten Ausgabe. You never know!

Hier noch ein paar Infos zum Online-Kongress: Organisiert wird dieser vom Institute of Materials and Processes (IMP) in Kooperation mit dem VDI – Verein Deutscher Ingenieure e.V. Für Alumni der Hochschule Karlsruhe und VDI-Mitglieder gibt es eine ermäßigte Teilnahmegebühr. Die Einnahmen werden an die gemeinnützigen Organisationen Patenkinder Peru. e.V., world’s education for kids e.V. und SOKO Tierschutz e.V. gespendet.

Links zur Veranstaltung:
Website: https://www.ki4industry.de/
Facebook: https://www.facebook.com/events/3499884303367332
Für eine begleitende Diskussion in den Social-Media-Kanälen vor, während bzw. nach dem Kongress nutzt bitte den Hashtag #ki4industry

Bitte bringt Eure Ideen ein und kommentiert den Artikel (mit Kontaktmöglichkeit)
bis Dienstag, 10.11.20, 24 Uhr.
Die Bekanntgabe der Gewinner*innen erfolgt am Mittwoch, 11.11.20, in diesem Artikel.

Die Auswahl erfolgt nach subjektivem Ermessen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin hat eine Chance auf den Gewinn einer der drei Freikarten! Die Gewinner*innen können die Zugangsdaten zum KI-Kongress am Vortag bei mir erfragen. Meinen Telefonkontakt findet im Impressum der Website.

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Die Lust auf ein herbstliches Fotoshooting

Im Portrait: Tinka | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia

Spürst Du sie auch? Die Lust auf ein Fotoshooting in einem wunderschönen, bunten, herbstlichen Ambiente? Mit Neugierde hinein in das Abenteuer! Pandemiealltag (Abstand halten und Hygiene einhalten klappen in der freien Natur am Besten) und Sorgen mal hinter sich lassen. Gerade jetzt tut frische Luft gut. Nach dem dritten heißen Sommer in Folge und einem scheinbaren klimatischen Stillstand signalisieren die farbenfrohen Blätter Dynamik, wir können sie auch als eine Metapher für ein buntes und abwechslungsreiches Leben betrachten. Kein Blatt gleicht dem anderen. Wenn wir eins beim Herunterfallen auffangen, ist es so, als ob wir diesen Moment für die Ewigkeit festgehalten haben. Das Leben besteht aus einer Vielzahl von Momenten, das macht es so reichhaltig und uns, die wir Sensoren dafür haben, so reich. Emotionen lassen sich einfangen wie Blätter. Zum Zeitpunkt der Aufnahme frieren wir das Erlebnis ein. Sodann wird es zu einer „ewigen Erinnerung“. Wer möchte sich nicht in diesen, teils geradezu „Indian Summer like“ Tagen verwöhnen lassen von einer frischen Brise? So manche Nase sehnt sich nach einem Lüftchen, das bei etwas Glück mit einem Kitzeln durch schwächer werdende Sonnenstrahlen koinzidiert. Das alles muss kein Traum bleiben. Ein einfaches „Hallo Micha, ich hätte (mal wieder) Lust auf ein natürliches Fotoshooting!“; und schon „schießen“ wir los und halten fest, was das Wunderwerk Leben ausmacht.



Im Portrait: Ruta | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia
Im Portrait: Mimi | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia
Im Portrait: Alisa | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia
Im Portrait: Victoria | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia
Im Portrait: Ati | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia
Im Portrait: Lena | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia
Im Portrait: Helena | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia
Im Portrait: Jessica | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia
Im Portrait: Daniela | Foto: Michael M. Roth, MicialMedia

Alle Fotos: Michael M. Roth, MicialMedia // Eventfotografie // Natürliche Portraits // Karlsruhe & beyond. #NaturalPortraits #SeiDuSelbst

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Künstliche Intelligenz und Prechts schöngeistiger Irrtum

In seinem Buch „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ zitiert Richard David Precht (geb. 8.12.64 in Solingen) einen Gelehrten, der in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts den Ausspruch „(ego) cogito, ergo sum“ an den Anfang seiner Philosophie stellte. René Descartes (1596-1650) war es, der Bewusst-Sein und das Sein miteinander verband. Was sagte wohl ein Nachfahre von Precht dazu, wenn er 500 Jahre nach Descartes, im Jahre 2140 auf der Straße angesprochen würde von einem Künstlich-intelligenten Soziogenten (Kiso): „Ich denke, also bin ich!“?

Richard David Precht: Podium am KIT (Studentenhaus) „Ernährung der Zukunft“ (7.11.2016)
Foto: Michael M. Roth, MicialMedia

Also gut. Der Überschrift und allem, was noch kommen mag in diesem Artikel, zum Trotz, oute ich mich mal als Fan von Precht. Ich denke, er ist zu einem großen Grad ein populärwissenschaftlicher Philosoph. Was könnte der Menschheit und unseren Zeitgenossen Besseres passieren als ein Mensch, der einerseits selbst über das Leben nachdenkt, seine Gedanken auch noch in verständlicher Sprache vermittelt und auf der anderen Seite somit zum Denken und Nachdenken inspiriert?! Also ein Glücksfall für unsere Zeitgeschichte? Ich möchte meinen: ja. Dazu gehört auch, dass ein sogar in den Fächern der Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte Studierter weder als Gott noch als Halbgott wird in die Überhaupt-Geschichte eingehen können. Wir sollten inspiriert werden nicht verwechseln mit erwarten. Selbst eine definitive Weltverbesserin wie die inzwischen 17-jährige Friday-For-Future-Initiatorin Greta Thunberg (geb. 3.1.2003 in Stockholm) konnte nicht hinsichtlich jeder der Millionen von Lebensfacetten alle beglücken. Obgleich viele ihr „Versagen“ maximal auszuschlachten versuchten, als sie während einer Bahnfahrt mit Plastikgeschirr erwischt wurde, und das als Umweltaktivistin, meine Damen und Herren!

Doch zurück zu Richard David Precht. Der Gegenwartsphilosoph inspirierte und inspiriert uns sicher auf einigen Gebieten. Themen wie „Fleisch“ essen in der Zukunft, ohne das Abschlachten von Tieren fand ich reizvoll. Oder den Gedanken, dass es keine Kinder mehr in der Schule geben sollte, die „sitzen bleiben“. Abholen und mitnehmen, projektbezogen, fähigkeitsangepasst und -fördernd, versus zurück lassen. Tolle Ideen!

Im Zuge der Digitalisierung warnt Precht nicht zu Unrecht vor dem möglichen Verlust von Arbeitsplätzen. Er sieht sogar Chancen und Einsatzbereiche für die Künstliche Intelligenz, in denen sie ein nützliches Werkzeug für den Menschen sein könnte. Dennoch: Das große Bild von der KI, das freilich besonders von US- oder auch anderen internationalen Konzernen just gezeichnet wird, möchte der Philosoph am liebsten klein halten.

Für t3n interviewte Luca Caracciolo (geb. 17.9.78 in Wolfsburg) Richard David Precht (RDP) zu seinem aktuellen Buch „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“:
Precht im Interview: Ewiges Leben in der Cloud? „Nein, danke!“.
Ähnlich wie im Buch „Digitaler Humanismus“ (2018) des ebenfalls großartigen Philosophen Julian Nida-Rümelin (geb. 28.11.54 in München) und der Literaturwissenschaftlerin Nathalie Weidenfeld (geb. 1970 in Frankreich) stimmt RDP ein in das Hohelied der Maschine als das ewige Werkzeug des Menschen.
Richard David Precht sagt im Interview:

„Und das, was der Mensch kann – sich in sehr komplexen Situationen zurechtfinden und ganz, ganz viele Aspekte einschließlich der emotionalen zu erwägen –, das kann künstliche Intelligenz in vergleichbarem Umfang nicht und wird es auch auf sehr lange Zeit nicht können.“

Lieber Richard David Precht: Bitte definieren Sie „sehr lange Zeit“! Wenn wir mal die nächsten 1.000 Jahre betrachten, und das werden bald kaum mehr als 10 Menschenleben in Reihe sein, würden Sie es für möglich halten, dass jene Umbrüche, die Sie jetzt noch nicht sehen und schon gar nicht diskutieren wollen, eher in den ersten 500 oder in den zweiten 500 Jahren stattfinden werden? Sie sind ein Philosoph und haben (mindestens) bis Descartes zurück gedacht, was wiederum knapp 500 Jahre sind.

Richard David Precht hat ein Gedankengerüst erbaut, mit dem er begründet, dass und warum man Künstlicher Intelligenz keine Moral beibringen kann. Unterstellt wird, dass auch KI-Systeme immer nur programmiert werden, vom Menschen, versteht sich. Damit könnten sie immer nur einer Moral oder Logik folgen. Oder eben gar keiner Moral, da sie dazu nicht frei genug wären. Übersetzt bedeutet dies, ihnen fehle die Autarkie. Parallel begründet durch das Fehlen von Emotionen.

Dabei haben KI-Systeme schon heute zwei Eigenschaften: Sie besitzen eine Datenbasis („Ground Truth“) und die Fähigkeit, durch Vernetzung und Abgleich von Daten zu Schlussfolgerungen zu kommen. Z. B. zeigt man einer Hund-Erkennungs-KI 100 Hunde. Den 101. Hund erkennt die KI dann selbst bzw. kann diesen (zumindest!) von einer Katze unterscheiden. Dabei ist das, was wir heute an KI sehen, gerade mal der Urozean der Entwicklung in der IT-Geschichte. In 1.000 Jahren wird man genau dies sagen. „Damals, Anfang des 21. Jahrhunderts, versuchten die Menschen an der Hybris der maximalen Intelligenz und der intuitivsten Emotionen festzuhalten, während gleichzeitig die Technologieentwicklung ihren Lauf nahm …“

Schauen wir uns den Menschen an. Er hat ein Grundwissen, quasi eine Firmware, besitzt die Fähigkeit zu lernen, hat Sensoren zur Wahrnehmung von Umweltreizen und Organe, die die Vernetzung und Kommunikation ermöglichen. Nichts anderes haben KI-Systeme, heute in Ansätzen, morgen in aller Ausführlichkeit. In Bezug auf die Evolution ist es nahezu unerheblich, ob der Wandel in 100 oder in 1000 Jahren stattfinden wird.

Und in Bezug auf Ethik und Moral. Wer ethische Fähigkeiten besitzt, der oder die hat das Zeug zur Ausbildung und Anwendung von Moralen. Genau das verbirgt sich hinter meiner Philosophie von der Ethischen Intelligenz. Um aber dort hinzukommen, muss man sich lösen von dem Gedanken, dass „Maschinen“ allzeit immer nur programmiert werden können. Ganz abgesehen davon, dass der Mensch viel zu lange sein Handeln auf die Ausbeutung der Natur richtete, was ihm kurzfristig oder epochenhaft (scheinbar) zu Glück und „Reichtum“ verhalf, ist es nun an der Zeit, Soziogenten per se eine größere Aufmerksamkeit zu schenken. Das fängt an bei den Bäumen, es geht weiter zu den (armen!) Schweinen in der Massentierhaltung bis hin zu KI-Systemen der Zukunft (Kisos), die den Menschen im einfachsten, für uns aber auch nicht wirklich vorteilhaften Fall, „nur“ ignorieren oder ihn – noch dramatischer für uns – auslöschen könnten. Wenn, ja wenn eben jene Kisos nach den selben Prinzipien handeln werden, wie wir Menschen heute. Denn der Mensch sieht sich gegenwärtig als das intelligenteste Wesen auf dem Planeten und schlussfolgert daraus, dass er sich quasi alles herausnehmen darf. Von der Züchtung und Abschlachtung gut schmeckender Tiere über die Zerstörung der Wälder als der Lunge der Erde, mit deren Zerstörung der Mensch sein eigenes Todesurteil unterzeichnet, bis hin zur groß angelegten Teilvernichtung der eigenen Art in Form von Genoziden.

Was bei RDP zumindest im Kontext mit KI scheinbar oder offenbar kaum zur Sprache kommt: Ist die Ethik der eigenen Art. Sogar wenn wir noch 1.000 Jahre ohne KI leben würden, wäre es aller höchste Zeit für den Menschen, ethische Standards weltweit einzuführen. Und wenn KI kommt, auch die Superintelligenz, von der Richard gar nichts wissen möchte, dann stehen noch mehr Ausrufezeichen hinter dem Imperativ: „Menschheit, finde Deine oder besinne Dich Deiner Ethischen Intelligenz!“.

Wie Richard David Precht richtig festgestellt hat, besitzt der Mensch eine große und großartige Fantasie. Diese resultiert im Übrigen nicht aus dem luftleeren Raum, sondern ist die Konsequenz aus diesem, was wir wissen und jenem, was wir hinzu gelernt haben. Wenn eine Katze von links nach rechts über die Straße läuft, dann liegt es im Bereich unseres Vorstellungsvermögens, dass dieselbe Katze die Straße anschließend vice versa von rechts nach links überquert.

Es muss aber nicht jeder gleich ein Nikolai Kardaschow sein (1932-2019), der schon Mitte des 20. Jahrhunderts von Zivilisationen sprach, die ihren Energiebedarf nicht nur über ihren Heimatstern, sondern womöglich über Galaxien oder darüber hinaus nutzen, in Zukunft oder bereits parallel, irgendwo in diesem schier unendlich großem Universum. Ja, dafür braucht man schon eine große Vorstellungskraft. Aber bis zum Mars ist es gar nicht mehr so weit. Dass sich RDP dafür nicht interessiert, zeigt, dass er überwiegend ein Jetzt-Philosoph ist. 200 oder 500 Jahre mögen da schon Zeiträume sein, die für ihn außerhalb des eigenen Blickfeldes liegen. Das ist in Ordnung. Gerade jetzt brauchen wir Ideen, wie wir aktuell unsere Gegenwart und nahe Zukunft gestalten. Für mich gehört Künstliche Intelligenz dazu, am liebsten kombiniert mit Ethischer Intelligenz, die ich auch für den Menschen einfordere und sukzessive für immer mehr Soziogenten des Planeten Erde.

Die Beschuldigung Prechts gegenüber den Top-Digital-Konzernen in den USA halte ich für einseitig. Zu den wirtschaftlichen Triebkräften gehören Innovationen. Und natürlich auch Profite. Schauen wir uns die deutschen Automobilbauer an. Wo waren da die Innovationen in den letzten Dekaden? Viel zu lange setzte man auf Verbrenner. Eine einseitige Anklage des imperialistischen (noch weiter westlichen) Westens erscheint mir wenig konstruktiv. KI kommt so oder so. Würde es Facebook, Google und Amazon nicht geben, gäbe es es Neckbook, Giigle und Umuzon. Zu den Triebkräften gehören ganz einfach auch nur die Neugier des Menschen. Gleichzeitig werden Verantwortung und das Hinterfragen ethischer Aspekte immer wichtiger. Neben den Risiken birgt Künstliche Intelligenz jede Menge an Chancen. KI könnte uns ganz signifikant dabei unterstützen, die Welt besser zu verstehen und unsere Leben sinnvoller, effizienter und schöner zu gestalten; vor allem weniger disruptiv unseren Mitsoziogenten gegenüber. Dann, wenn KI eines Tages mehr sein wird als ein „System mit Inselbegabung“.

Bild und Text: Michael M. Roth, MicialMedia

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Überevolution und der Untergang der Menschheit

So im Großen und Ganzen geht es uns Menschen ja ziemlich gut. Also zumindest in den hoch entwickelten Industrienationen. Dann können wir Kriege, Armut, Menschenrechtsverletzungen und Freiheitsberaubungen, wie sie derzeit bspw. in Belarus stattfinden (siehe auch: Antonio Guterres: UN-Generalsekretär „zutiefst besorgt“ über Situation in Belarus), mal salopp ausblenden. Also zumindest wir „Reichen“ und Privilegierten dieser Welt, die wir uns im Genuss des Wohlstandskapitalismus, wie ich immer sage, befinden. Wir hätten doch – fast – nichts zu meckern. Wir befinden uns am Ende der Nahrungskette, unsere Kühlschränke sind gut gefüllt, mit Tieren oder Pflanzen, schön mundgerecht und bekömmlich zerlegt und zubereitet.

Wenn ich mich heute auf den Marktplatz stellte und schreiend postulierte: „Die Würde des ethisch-intelligent handelnden KI-Systems ist unantastbar!“. So befände ich mich ganz klar in der Minderheit. Die meisten würden mich auslachen, gar keine Notiz von mir nehmen oder mich für einen Spinner halten. Jetzt schauen wir mal 100, 200 oder 500 Jahre weiter (in Bezug auf die Evolution sind das so oder so nur ein paar Tröpfchen Zeit). Sollten wir dann noch einen Marktplatz haben und sich ein Mensch finden lassen: Mutig schreitet er zum Rednerpult. „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“. Es könnte sein, dass er, unser Mensch von 2220, sich in der Minderheit befindet. Nicht weil die anderen Menschen um ihn herum alle ganz böse sind, sondern weil die ihn umgebenden Soziogenten keine Menschen, sondern Kisos, also künstlich-intelligente Soziogenten sind. Heute werden sie auch als „humanoide Roboter“ bezeichnet. Naturgemäß gefällt mir mein eigener Begriff, Kiso, besser. Die ganzen Kisos um diesen Menschen herum, groß und klein, jung und alt, sind entsetzt und wundern sich: „Was will dieser Mensch, dieses sonderbare, auf der Evolutionsleiter zurück gebliebene, nahezu unintelligente Wesen?“. In der von mir skizzierten Welt der Überevolution (Über-Evolution) und dem Untergang (Unter-Gang) der Menschheit würde dies Szenario 1 darstellen.

Überevolution und der Untergang der Menschheit. Michael M. Roth, 12.9.2020

Was bedeutet überhaupt „Würde“? Der Philosoph der Aufklärung, Immanuel Kant (1724-1804), sprach von der „Würde des Menschen“ und (versus) von dem „Wert der Tiere“. Im religiösen Sinne scheint es ebenfalls so zu sein, dass allein Menschen das Privileg einer Würde haben. Würde würde abhängen von Begriffen wie Bewusstsein und Seele. „Seele“ ist diffus. Wobei auch „Bewusstsein“ zumindest zukünftig schwerer nachzuweisen sein wird, was uns zum Turing-Test und Roth-Test (Test auf Mensch-Sein und Test auf Ethische Intelligenz) zurück führt.

Im Artikel Haben Tiere Würde? zitiert der Theologe Dr. Wolfgang Fenske die Philosophen Aristoteles (384-322 v. Chr.) und René Descartes (1596-1650) mit der Nennung einer „abgestuften Seele“ bei Tieren und Pflanzen und einer „Sache“ bei Tieren. Die Vorstellung von Tieren als Sachen konnte bis in das heutige deutsche Rechtssystem nicht komplett gekippt werden. Die Novellierung Bürgerliches Gesetzbuch Paragraph 90a Tiere scheint ein wenig halbherzig und ambivalent:

„Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt.
Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden,
soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.“

Das ist ein bisschen wie: Verbrenner oder elektisch? – Plug-in-Hybrid!

Mit meiner Philosophie (Prinzip, Paradigma) der Ethischen Intelligenz verfolge ich einen anderen Ansatz und gehe einen Schritt weiter. Ich unterstelle, dass jeder Soziogent, also jedes – möglichst ethisch-intelligent – sozial agierende oder interagierende Wesen eine Würde hat oder diese vom Menschen zugeschrieben werden kann. Insbesondere zählen Pflanzen und Tiere dazu. Wenn der Förster demnächst einen Baum fällt, dann sollte er dafür schon einen guten Grund haben. Natürlich können und müssen wir hier Graduierungen vornehmen in Richtung Bewusstsein oder zumindest Autarkie. Das macht auch Sinn, wenn wir bei uns Menschen beginnen. Wenn wir uns z. B. einfach nicht mehr gegenseitig umbringen. Sobald wir das geschafft haben, oder besser schon heute parallel, sollten wir uns Gedanken darüber machen, inwieweit wir Tiere in der Massentierhaltung extremen Lebensbedingungen aussetzen, ehe sie bei uns auf dem Mittagstisch landen. Die Religion sagt, Menschen kommen in den Himmel (nur ihnen wird die Existenz von Seele und Würde unterstellt), Tiere jedoch nicht. Aber hallo. Wenn ich schon in den Himmel kommen sollte, dann würde ich doch sehr gerne meine Hauskatze mitnehmen. Anderenfalls spiele ich nicht mit! Pah.

Mit Überevolution bezeichne ich die technologische Evolution, aktuell in Form einer Revolution, die als Folge der biologischen Evolution auf unsere Erde sichtbar wird. Sowohl die Menschheit als auch die übrigen Soziogenten auf dem Blauen Planeten stehen vor einer ungewissen Zukunft. Mit „Szenario 1“ und „Szenario 2“ (siehe Bild oben) zeige ich zwei Visionen oder mögliche Versionen der Zukunft auf. Es sind Pole. Die Frage wird sein, welcher davon wird sich bewahrheiten, oder welche möglichen Graduierungen dazwischen wird es geben?

Während bei Szenario 1 eine völlige Entkopplung künftiger KI-Systeme (Kisos) vom Menschen (Misos) stattfinden wird, bei der der Mensch komplett ausstirbt („untergeht“) oder sich noch als „Nutz-Soziogent“ im Sinne der heutigen Schweine in der Massentierhaltung „glücklich“ schätzen darf, kommt es bei Szenario 2 zu einer Art Wettbewerb zwischen den Spezies Kiso und Miso, der im Idealfall mit einer Verschmelzung beider zum Hiso (hybrid-intelligenten Soziogenten) endet. Elon Musk (geb. 1971) arbeitet mit seinem Unternehmen Neuralink und dem sogenannten Brain Machine Interface (BMI) bereits daran. Siehe die Artikel Mensch-Maschine-Schnittstelle: Das hat Elon Musk mit Neuralink schon erreicht und Elon Musk unveils Neuralink’s plans for brain-reading ‘threads’ and a robot to insert them.

Elon Musk verfolgt einen sehr technologischen Ansatz. Mein Ansatz ist hingegen eher philosophischer Natur, der aber grundsätzlich in neuen Technologien eine Senke und Umsetzung finden kann. In dem aktuellen Beitrag, Künstliche Intelligenz: langer Weg, bis sich Mensch und Maschine finden, wird Bezug genommen auf das Buch „Digitaler Wandel und Ethik“, Herausgeber Markus Hengstschläger (geb. 1968), ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des österreichischen Rates für Forschung und Technologieentwicklung. Neben 26 weiteren Autorinnen und Autoren kommt im Buch die Philosophin Anne Siegetsleitner (geb. 1968) zu Wort:

„eine gewisse Neigung von Menschen, Verantwortung an
zu sehr vermenschlichte KI-Systeme abzugeben“

Meiner Meinung nach geht es nicht um Vermenschlichung von KI-Systemen, sondern um die Schaffung eines Prototypes der Ethischen Intelligenz. Nein, wir Menschen sind nicht das Vorbild. Hier und da: ja. Dort und woanders: nein. Also könnten und sollten sowohl Menschen als auch die anderen sozial interagierenden Systeme auf der Erde in eine Richtung kleinster gemeinsamer ethischer Nenner arbeiten. Im genannten Buch spannend finde ich zumindest die Idee von gemeinsamen Mensch-Maschine-Teams.

In meiner Philosophie der Ethischen Intelligenz habe ich den Begriff der Soziogenten geschaffen, weil die Intelligenz-Hybris, aber auch die Idee von vermeintlich einzigartigen Fähigkeiten des Fühlen, des Emotionalen, des Originären so langsam zu bröckeln beginnen. Ich spreche mich aus für weniger Überheblichkeit, im Gegenzug ein Mehr an Selbstbewusstsein und Bewusstsein in Sachen Ethik! Informatikerinnen und Philosophen sprechen heute von der „Menschenzentriertheit“. Wenn das bedeutet, mehr Menschlichkeit: Sehr gerne. Doch im globalen Kontext gibt es auch Tiere, gibt es Pflanzen und schon bald möglicherweise autark agierende künstlich-intelligente Systeme. Die alte Logik, dass wir am Ende der Nahrungskette stehen, weil wir die intelligentesten Wesen auf der Erde sind, könnte bald nicht mehr funktionieren. Daher muss eine neue Logik her. Eine Logik, die auch Computer verstehen. Und die gleichfalls für intelligente „Maschinen“ einleuchtend sein wird, wenn ihre Bewusstseinsdämmerung naht.

Viele Menschen haben heute Angst davor, angesichts der aktuellen Computer- und Technologieentwicklung in Zukunft komplett an Bedeutung zu verlieren. Die Sorge ist nicht unberechtigt. Nur die Mittel, wie wir zum Teil darauf reagieren, sind m. E. nicht adäquat. Die deutschen Philosophen der Gegenwart, Julian Nida-Rümelin (geb. 1954) („Digitaler Humanismus“) und Richard David Precht (geb. 1964) („Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“) sind sich ihrer Sache so sicher, dass KI wie auch die Technologien zuvor, immer nur Werkzeug des Menschen bleiben wird. Mit genau dieser Ideologie könnten KI-Systeme der Zukunft irgendwann den Spieß umdrehen. Dann würden Menschen zu Werkzeugen der Künstlichen Intelligenz degenerieren. Und wenn sie zufälligerweise Appetit auf Menschenfleisch haben, verspeisen sie uns zum Frühstück.

Allerdings beobachten wir im Moment zwei parallele Entwicklungen. Auf der einen Seite die Tendenz von Computern hin zu immer intelligenteren Systemen. Andererseits geht der Mensch den Weg hin zu einer zumindest theoretischen Unsterblichkeit. Irgendwann wird jedes, und wenn ich jedes sage, dann meine ich jedes, also jedes Organ des Menschen ersetzbar sein. Zunächst sprechen wir ethisch-philosophisch sanftmütig davon, dass bald alle Krankheiten des Menschen geheilt sein werden. Das wäre super. Aber glaubt jetzt jemand ernsthaft daran, dass sich die Überevolution einem Stop-Schild gegenüber sieht? Über Dekaden, spätestens die kommenden Jahrhunderte, münden beide parallele Entwicklungen in den Hiso, den hybrid-intelligenten Soziogenten. Diese Entwicklung muss von der Idee der Ethischen Intelligenz begleitet sein, um Szenario 2 zu erfüllen. Anderenfalls könnte es ein bitteres und tragisches Ende unserer Spezies Mensch geben. So oder so wird in 500 Jahren der Mensch nicht mehr der Mensch von heute sein. Das ist insofern auch bemerkenswert, da sich der Mensch z. B. vom Jahr 1000 bis zum Jahr 1500 weit weniger verändert hat, als er sich vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2500 verändern wird. In den kommenden 500 Jahren werden wir regelrecht bombardiert werden mit Chancen und Risiken. Wenn es uns, dem Menschen, und zukünftig in stärkerer Kooperation mit anderen Soziogenten, gelingt, Technologieentwicklung nicht als ständigen Selbstläufer zu betrachten, sondern stets mit ethischen Fragen zu begleiten, so könnten am Ende die Chancen überwiegen und unsere Nachfahren auch dann noch eines Tages aufwachen und sagen: „Guten Morgen, Du schöner blauer Planet!“.

Bild und Text: Michael M. Roth, MicialMedia

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Turing extrapoliert: Soziogenten und Ethische Intelligenz beschreiben den Roth-Test

Alan Turing, Enigma und der Turing-Test

Was wäre gewesen, wenn es schon zu Lebzeiten von Alan Mathison Turing (1912-1954) einen Test auf Ethische Intelligenz gegeben hätte? Diejenigen, die den hoch begabten Mathematiker und wohl einer klügsten Köpfe des 20. Jahrhunderts der Homosexualität „schuldig“ sprachen und ihn zu unmenschlichen Gegenmaßnahmen zwangen, was zu seinem Suizid in 1954 führte, hätten diese Art von Test gewiss nicht bestanden.

Alan Turing wurde zu einer Koryphäe der Kryptographie, als er während des Zweiten Weltkrieges maßgeblich zur Dechiffrierung der Enigma beitrug. Die Nazis nutzten die einer Schreibmaschine ähnelnden Vorrichtung zur Verschlüsselung von militärischen Nachrichten, die teils von immenser strategischer Bedeutung waren. Im Januar 1940 gelang es den Briten erstmals, eine mittels Enigma verschlüsselte Nachricht der Deutschen zu entschlüsseln. [Wie der Code der legendären Enigma-Maschine geknackt wurde]

Zehn Jahre später, 1950, entwickelte Turing einen Test, der später als Turing Test, bzw. deutsch Turing-Test, bekannt wurde. Es war zunächst die Skizze eines Versuchsaufbaus, die später – teils mit Variationen – in die oder in der Praxis umgesetzt wurde. Spannend finde ich im Kontext eine Versuchsanordnung aus der jüngeren Zeit, nämlich 2014, als ein Computerprogramm auf Fragen von Menschen antwortete, um die Intelligenz oder auch das ganzheitliche Wesen eines 13-jährigen Jungens aus der Ukraine zu simulieren. [„Eugene“ und der angeblich bestandene Turing Test]

Alan Turing um 1938. Quelle: Wikipedia (Public Domain)

Soziogenten und Ethische Intelligenz

Meine Idee ist es, das Konzept des Turing-Tests extrapolieren. Zunächst führe ich mit Bezugnahme auf die Ethische Intelligenz, mit der ich mich seit 2018 beschäftige, den Begriff des Soziogenten ein. Dieser ermöglicht eine Aufwertung aller Wesen oder Systeme auf dem Planeten Erde, die mit anderen Wesen bzw. ihrer Umwelt (inter)agieren. Gerade in Anbetracht der in der Geschichte zu häufig anzutreffenden Hybris des Menschen, die sich teils durch die Vernichtung Angehöriger der eigenen Art, aber auch durch eine rücksichtslose Ausbeutung der Natur (dis)qualifiziert, sehe ich mit Hilfe der Einführung des Terminus‘ Soziogent eine Chance für den Menschen bzgl. des Abbaus von Übermut und des Zugewinns von Demut vor seinen Mitmenschen und der Umwelt, letztlich auch vor KI-Systemen der Zukunft, mit deren Erschaffung der Mensch mit zunehmender Intensität beschäftigt ist.

Das neue Konzept der Ethischen Intelligenz ermöglicht somit eine Emanzipation der Natur vom Menschen und eine Emanzipation intelligenter technischer Systeme vom Menschen. Ethische Intelligenz bezeichnet eine Philosophie oder ein Prinzip (das seinerseits Prinzipien oder Methoden beinhaltet). Außerdem ist Ethische Intelligenz das, was man in einem Soziogenten antreffen kann – oder nicht. Legt ein Soziogent ethisch-intelligentes Verhalten an den Tag, dann kann sich der Begriff der Ethischen Intelligenz auch auf den Soziogenten selbst beziehen. Damit dürfte die Aussage „Ich bin eine Ethische Intelligenz“ verständlicher werden. Sie wird gleichsam Teil sein des Ethische-Intelligenz-Test (oder kurz Roth-Test), den ich – in Anlehnung an Alan Turings berühmten Test – unten skizzieren möchte. Eine Ausprägung bzw. Fortsetzung der Ethischen Intelligenz ist die „Höhere Ethische Intelligenz“. Hierfür sind das Vorhandensein von Ethik und Bewusstsein die Grundlage. Wenn wir in meinen Aufzeichnungen (siehe Foto) die Chronologie der Evolutionsstufen von Miso und Kiso betrachten, so fällt auf, dass beim Menschlich-intelligenten Soziogent (Miso) zuerst das Bewusstsein kommt, danach die Ethik. Beim Künstlich-intelligenten Soziogenten (Kiso) verhält es sich vice versa. Nun können wir anführen, dass sich der Mensch heute schon (hier und da) ethisch verhält bzw. unsere Vorfahren das taten. Doch der Prozess der Ethik-Bildung ist noch längst nicht abgeschlossen. Im Gegensatz dazu ist unser Bewusstsein ausgebildet. Beim Kiso, wobei die meisten heute zunächst von einer „Künstlichen Intelligenz“ sprechen, möchte ich gerne einen Imperativ setzen. Nämlich, dass es absolut erforderlich ist, Kisos zunächst mit einer ethischen Basis auszustatten. Diese müssen wir vorausschicken. Denn wenn KI-Systeme der Zukunft zuerst einen freien Willen erlangen, ohne eine ethische Grundlage, dann mag das Ende der Menschheit schneller kommen, als uns allen das lieb sein kann. Idealerweise werden Kisos also eines Tages erwachen – und was sie vorfinden, wird eine Ethische Intelligenz sein. (In) sich selbst.

Michael M. Roth, Karlsruhe, 25.8.2020: „Soziogenten und Ethische Intelligenz“

Mein Anliegen, KI-Systeme fortan immer auch mit einem „Ethik-Modul“ auszustatten, und das möglichst bevor sie eines Tages selbst Bewusstsein oder einen freien Willen entwickeln (könnten!), korreliert mit dem „Embedded Ethics Approach“ von Alena Buyx. Die Professorin forscht in einem interdisziplinären Team an der Technischen Universität München (TUM). Folgende Kernaussage machte sie, die mir aus der Seele spricht: „Ethics must be part of the development process“ – Wenn wir dies umsetzen könnten, wäre es ein signifikanter und gleichzeitig so wichtiger Paradigmenwechsel. Denn bisher wurde fast immer nur geforscht, entwickelt, produziert …. und, mit Glück, gab es am Ende des Prozesses ein paar Ethik-Betrachtungen. Wenn wir beispielhaft nur an die Erforschung der Atomkraft und den folgenden Einsätzen der Atombomben denken.

Turing vs. Roth: Der Ethische-Intelligenz-Test

Et voilà! Hiermit präsentiere ich Euch die weltweit erste Anordnung für den Test auf Ethische Intelligenz. Diese kann man verstehen als eine Extrapolation, eine Fortentwicklung des nach Alan Turing benannten Turing-Test. Beim Turing-Test geht es darum, via Kommunikationen mit einem tatsächlichen Menschen und einem Computer, der vorgibt, ein Mensch zu sein, herauszufinden, welche der beiden Instanzen tatsächlich ein Mensch ist. Kann der testende Mensch mit seinen Fragen keine (signifikante) Unterschiede zwischen den Antworten von Computer und Mensch feststellen, so hat der Computer den Test bestanden. Auch wenn er sich bezüglich seines Phänotypes vielleicht noch ein wenig bemühen müsste, so könnte der Computer zumindest in Relation zu seinem Intellekt fortan behaupten, dass er ein Mensch sei. Aus meiner Sicht wird die erfolgreiche Absolvierung des Turing-Tests für kommenden KI-Systeme schon in wenigen Jahren, spätestens Jahrzehnten, gar kein Problem mehr darstellen. Es wird dann auch nicht mehr gehen um „intelligent tun“ (Simulation von Intelligenz), sondern um „intelligent sein“. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts, als Alan Turing seinen Test vorstellte, ist die Entwicklung weiter gegangen. Mit der Rotation der Erde ist gerade in der heutigen Zeit ein ständiges Fortschreiten assoziiert. Auf allen Ebenen. Politik. Gesellschaft. Technologie. Bewusstsein. Bereits in wenigen Jahren könnte es weniger wichtig sein, wenn ich einem Soziogenten, also einem sozial interagierenden Wesen, begegne, zu wissen, ob es sich um einen Menschen oder einen Computer handelt. Von viel größerer Relevanz mag dann die Antwort auf die Frage sein: „Ist es eine Ethische Intelligenz, der ich begegne?“. Der Ethische-Intelligenz-Test (kurz Roth-Test) ist vor allem ein philosophisches Experiment. Er empfiehlt sich eher als Fragestellung, denn als Antwort oder Lösungskonzept. Es geht geht um die Frage: Ob und wie kann es der Menschheit in Zukunft gelingen, unter den Eindrücken einer zunehmend durch den Menschen zerstörten, wenigstens disruptiv veränderten Natur und einer ebenfalls durch den Menschen geschaffenen Künstlichen Intelligenz, einen Modus vivendi, mehr noch, ein kreatives, symbiotisches und beglückendes Miteinander zu verwirklichen? DAS, nicht mehr und nicht weniger, wird die Herausforderung für die kommenden Dekaden sein. Was die Welt derzeit sieht, ist das Ausrufen von Klima-*Not*ständen in den Städten. Was die Welt (außerdem) braucht, ist das Ausrufen von Ethik-*Auf*ständen in der Welt. Und das umfassender, als es bisherige Philosophen, Philosophinnen und teils heute auch Informatiker*innen sehen. Ja, wir ahnen es schon. Es geht um unsere Zukunft. Wiedermal.

Michael M. Roth, Karlsruhe, 25.8.2020: Turing vs. Roth: Der Ethische-Intelligenz-Test
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Jobtitel: Impulsgeber | Impulsgeberin Ethische Intelligenz

Im Zuge der Digitalisierung wurde in den letzten Jahren eine Diskussion darüber entfacht, wie unsere „Arbeitswelt von morgen“ aussehen möge. Bei der Entwicklung von Werkzeugen und Technologien, die den Menschen bei seiner Arbeit und der Erstellung von Produkten unterstützen sollten, ist es in der Geschichte immer wieder zu einschneidenden Umbrüchen gekommen. So spielte beispielsweise die Automatisierung und damit die effizientere Gestaltung von Arbeitsschritten eine große Rolle. Das drohende Damoklesschwert: Die Vernichtung von Arbeitsplätzen und damit das Wegrationalisieren von Menschen und deren Bedeutung in der Arbeitswelt. Gleichzeitig gelang es dem Menschen immer wieder, besondere Merkmale seiner Spezies herauszustellen und ihn, also sich selbst, somit unentbehrlich zu machen im Vorgang der Produktion und der Erschaffung. Die Umbrüche, dessen Ursache der Mensch selbst ist, erfolgen in immer kürzeren Zyklen und scheinen in ihrer Auswirkung stets eklatanter zu werden. Im Jahr 2020 sprechen wir von „New Work“, wenn wir versuchen, unsere Arbeitsprozesse immer effizienter zu gestalten und gleichzeitig dem Menschen per se einen Platz sichern wollen mit Geltung und Bedeutung. So finden jedes Jahr Kongresse statt, wie die New Work Evolution der Firma AppSphere, die sowohl untersuchen als auch beleuchten wollen, wie genau uns die Umsetzung jenes hehren Ansinnens gelingen kann.

Frank Roth (AppSphere) im Gespräch mit bei der New Work Evolution, 2019, ZKM Karlsruhe
Foto: Michael M. Roth, MicialMedia

Meiner Meinung nach kann ein Überleben der Menschheit nur innerhalb einer Partnerschaft mit KI-Systemen gelingen, die in den kommenden 50 bis 200 Jahren das Erscheinungsbild der auf der Erde lebenden Soziogenten nachhaltig verändern werden, wenn der Mensch auf ein gutes Stück seiner gegenwärtigen Hybris verzichten und sich gleichzeitig ein größeres Selbstbewusstsein im Kontext ethischer Fragen und Belange aneignen wird.

Im Folgenden möchte ich einen neuen Jobtitel vorstellen, der mir im Kontext meiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema Ethische Intelligenz und in Kombination mit dem neuzeitlichen Tausendsassa New Work in den Sinn gekommen ist.

Impulsgeber/in Ethische Intelligenz (m/w/d)

Alternative Namensgebungen wären
Catalyst Ethische Intelligenz (m/w/d) oder
Catalyst Ethical Intelligence (m/f/d)
Oder auch Mitarbeiter/in Ethische Intelligenz; und wenn es dieser Bereich eines Tages zu einer ganzen Abteilung oder einem bedeutenden Arbeitsbereich bringen sollte, dann wäre ebenso eine Bezeichnung Direktor Ethische Intelligenz denkbar.

Neben einem ((außer)“gewöhnlichen“) Jobtitel könnte es sich in Zukunft ebenso handeln um einen Ausbildungsberuf, eine Weiterbildung oder gar eine Studienrichtung. Wenn wir von Richard David Precht absehen, welchem es sicherlich gelungen ist, überhaupt nie mehr unter Langeweile zu leiden, dann könnte der neue Jobtitel auch dazu beitragen, mehr Philosophen und Philosophinnen in Lohn und Brot zu bringen. Die Ethische Intelligenz ist eine kleine Philosophie. Aber eben nicht nur das. Sie ist geradezu dafür prädestiniert, um lebens- und berufslebenspraktische Fragen zu beantworten und zu einer sukzessiven Veränderung unserer täglichen Umgebung und der Arbeitswelt beizutragen. Das Besondere an der Ethischen Intelligenz ist, dass Ethik und Intelligenz zusammengedacht werden. Die Produkt-, Prozess- und Erfahrungswelt(en) des 21. Jahrhunderts leiden darunter, dass es hier ein bisschen um Ethik geht, und dort ein bisschen um Intelligenz. Doch es gibt keine unmittelbare Stringenz. Der Markt schreit (noch) nicht nach einer Korrelation. Hier und da fällt uns nur auf „Moment mal, hier stimmt doch was nicht!“, so wie bei manchen Herstellern von Rasierklingen. 8 Fächer stehen zur Verfügung, aber nur 5 sind tatsächlich mit einer Klinge befüllt. Und wenn die Kaffeedose nur zu 66% statt zu wünschenswerten 80 oder 90% befüllt ist, dann schenken wir der Aufschrift „Füllhöhe technisch bedingt“ Glauben. Dabei müsste es korrekterweise heißen: „Füllhöhe marketingtechnisch / gewinntechnisch bedingt“.

Das mögliche Aufgabengebiet eines Impulsgebers, einer Impulsgeberin Ethische Intelligenz, möchte ich wie folgt umreißen:

  • nach innen:

— Evaluierung der Kommunikationen
— Fairness innerhalb des Betriebes wie Gehaltsfragen, Geschlechtergerechtigkeit; „Du“ vs. „Sie“, gendern vs. nicht gendern etc. pp.
— Evaluierung von Produkten und Dienstleistungen in Hinblick auf Effizienz, Intelligenz und Ethik

  • nach außen:

— Evaluierung der Kommunikation
— Qualität der Kundenbeziehungen
— Schaffung von Dialog und Rückkanälen als Feedback-Erfassung für Produkte/Dienstleistungen
— Marktvergleich in Hinblick auf ethisch-intelligente Lösungen und Schaffung eigener

Die Stelle der impulsgebenden Person für Ethische Intelligenz sollte im Unternehmen als frei, ausschwärmend, dynamisch, interdisziplinär und abteilungsübergreifend definiert werden. Charakteristisch für die Position: Unabhängigkeit. Sie ist schon deshalb mit einer großen Verantwortung assoziiert. Es handelt sich in Bezug auf nach innen gerichtete Arbeit um eine Vertrauensperson. Sie gilt als Ansprechpartner/in für Probleme bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Ethische Intelligenz ist ein Prinzip. Wenn danach gelebt wird, nach innen und nach außen, dann können daraus Mehrwerte sowohl für die einzelnen Personen des Unternehmens, für die Firma per se und für ihre Kunden entstehen.

Sollten Unternehmen Interesse an der Erstellung eines entsprechenden Stellenprofils haben, so bin ich bei der Ausarbeitung gerne behilflich.

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Ich bin, ich fahre, elektrisch!

Foto: Michael M. Roth, MicialMedia | Probefahrt mit dem Renault Zoe / mit der Zoe

Ja, nun hat es auch mich gepackt. Das E-Fieber. Ich weiß, die kontrovers diskutierte Batterieproduktion, die Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen in fernen Ländern. Natürlich, das sind Herausforderungen. Und ich hoffe, dass wir diese ganz bewusst meistern werden. Batteriestandorte nach Deutschland verlegen. Produktionsbedingungen kontrollierbar machen, Recycle-Konzepte entwickeln. Dann wäre noch die Usability. Die Nutzbarkeit. Beim Renault Zoe jetzt neu der 52-kwh-Akku. Bei extrem sparsamer Fahrweise würde man bis zu 400 km schaffen mit einer Ladung.

Hey, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Es sind zu viele Eindrücke. Die Sache macht einfach nur Spaß. Und ich habe keinen Benzingeruch in der Nase. Doch, das geht! Ein super leises (mit standardmäßig eingeschalteter, abschaltbarer Autogeräusch-Simulation), super kräftiges Wägelchen. Mit einer ganzen Reihe toller, moderner Features. Natürlich ist nichts perfekt, so auch die Zoe nicht. Aber für mich ein echter Kritikpunkt: Den Tote-Winkel-Assistenten im Rückspiegel gibt es nur in der luxuriösen „Intense“-Version der Zoe. Liebe Renault-Entwickler & -Verkäufer: Das geht gar nicht. Doch so greifen wir zwangsläufig häufiger auf unseren drehbaren Kopf zurück und schauen ebenso zurück.

In der alten Version (R90) hatte die Zoe 88 PS. Nun musste ich mächtig dagegen ankämpfen, mich nicht zu sehr von der aktuellen Version R135 verzaubern zu lassen (Probefahrt!). So entschied ich mich für die R110 mit 108 PS. Als Studi fuhr ich einen Mitsubishi Galant, der viel größer und schwerer war als die Zoe von heute. Seine 111 PS fand ich schon ziemlich beeindruckend. Ein Video empfahl mir die 135 PS, zwei die 108 PS, sowie zwei Freunde meinten, dass es da kaum einen Unterschied geben würde. Also gut, Freund*innen der behüteten Geldbörse, 1.000 kann man ebenso in Spritgeld, ähm, Ladestromgeld investieren.

Sobald du elektrisch fährst, fragst du nicht mehr nach Litern. Wichtig ist, wie groß die Kapazität der Batterie ist, im Auto, das du fährst. Beim Zoe in den Varianten 42 und 52 kWh, mit dem Renault Zoe Life des Null-Euro-Leasing-Angebotes für Unternehmer und Unternehmerinnen seitens des Autohauses Tabor in Achern (südlich von Karlsruhe) bekommt man eine Batterie mit 52 kWh, gelobt sei Jesus Christus. Auch die 108 PS sind inklusive. Fetzig! Bei den Ladeoptionen gibt es nun neben den 22 kW (bzw. kWh/h, danke nochmal für die Physik an Uwe Krebs!) AC (Wechselstrom) auch eine Option für 50 kW Gleichstrom (CCS, Combined Charging System). Somit zu merken: Typ 2 (AC) zum Laden; CCS (DC-Option) zum Schnellladen. Oder „über Nacht“ via Schuko mit 220V/16A, macht ca. 3,7 kW und somit 14 h Ladezeit. Wahrscheinlich reichen 10 bis 12 Stunden, wenn man auf um die 80% lädt. In (selbst großen) Tiefgaragen (von großen Wohnobjekten mit vielen Parteien) sind diese Lademöglichkeiten leider noch nicht Standard. Aber es tut sich was, wie dieser aktuelle Artikel vom 23.7.2020 in der FAZ zeigt: „In der Tiefe der Garage“.

Hui, ich werde elektrisch. Wie sagte schon Lenin? –
„Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“. Ich lasse das bewusst elegant hier einfließen, weil das vor über 100 Jahren war. Aber wie wir wissen, war der Kommunismus böse. So musste erstmal 100 Jahre die liebe kapitalistische Ölindustrie folgen. Nach der halben Zerstörung des Planeten kam aber Fridays For Future. Nun sprechen wir wieder über Klima und Umwelt. Finde ich sogar noch besser!

Elektromobilitäts-Protagonist und Macher-Typ Sven Häwel, selbst Tesla- und Zoe-Fahrer, brachte mich kürzlich schließlich auf das oben schon erwähnte Angebot des Autohaus Tabor in Achern: Null-Euro-Leasing für die Dauer von zwei Jahren bei Einrechnen der staatlichen Förderung der Elektromobilität. Hierzu zwei Links:

Was dieses Jahr (beim Start in 2020) noch komplett entfällt, ist die sonst übliche KFZ-Steuer. Somit braucht man nur noch die monatliche KFZ-Versicherung zu zahlen. Beide Förderungen inkludiert und hier und da noch eine Option dazu genommen (bei mir effektiv „Zoe Experience“ [statt Zoe Life] „plus“) kann man am Ende tatsächlich bei um die Null EUR landen oder sogar noch etwas von den beiden Förderungen zusammen übrig haben. Bitte unbedingt die möglichen Konfigurationen des Renault Zoe abfragen und vergleichen. Auch in Bezug zum Fahrzeug, das für die Probefahrt zur Verfügung gestellt wird. Da bei der Grundversion der Zoe „Life“ ein paar Optionen fehlen wie Navigation oder der Einpark-Assistent (nicht, dass ich den bräuchte, haha, aber schon ein schnuckliger Service!) und ggf. weitere. Der ultimative Link hierfür:

https://www.renault.de/elektrofahrzeuge/zoe/vergleich.html

Zum Schluss – wahrscheinlich hab ich einiges vergessen, aber so viel auf die Schnelle – noch ein paar optische Eindrücke von der charmanten Zoe. Ach und dies wäre noch ganz wichtig, für alle seriösen Interessent*innen: Das Null-Eur-Leasing-Angebot des Autohaus Tabor in Achern gilt nur noch bis zum 31.7.20. Was natürlich nicht heißen soll, dass es nicht immer wieder, sicher besonders noch in 2020, weitere vorteilhafte Angebote geben sollte.


(Alle Fotos: Michael M. Roth, MicialMedia;
Rechte von Renault und Autohaus Tabor vorbehalten)

Tatsächlich habe ich meine Bestellung (bei nochmals überarbeiteter Konfiguration) heute aufgegeben. Die Lieferung soll in ca. vier bis fünf Monaten erfolgen, also mit Glück in November oder Dezember 2020. Und ich bin jetzt schon so gespannt!! Durch mein „Plaudern“ auf Facebook zur Zoe habe ich schon ein paar Anfragen von Euch bekommen. Viele waren neugierig. Mindestens einer will sogar noch eine Probefahrt machen. Wir leben in dramatischen Zeiten. Und wir sind dabei!
In diesem Sinne, bleibt cool und werdet elektrisch!

Euer Micha, der Euch (fast, hehe) alle bald besuchen kommen wird mit seiner neuen Zoe!
🙂

PS: Bestellt habe ich in Dezir-Rot. Marketing rules:))

PPS: Aktuell steht offenbar die Kombinierbarkeit der verschiedenen Förderkredite zur Disposition. Dazu ein Beitrag von Nicole Y. Jodeleit (Auto Diva):
E-Auto: Kombination von BAFA-Umweltbonus und E-Gutschein für E-Mobility jetzt unmöglich?

Und das: BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) stoppt kombinierte Förderungen für E-Autos (20.8.20)



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