Ehrenamtliche Kulturarbeit & Wissensvermittlung pro Ukraine

Ein Interview mit Oleksandra Holyaka und Michael M. Roth. 

Beim Stichwort „Ukraine-Hilfe“ hat wohl jeder ein unterschiedliches Bild im Kopf: von der Flüchtlingshilfe bis zu humanitären Hilfeleistungen.

Wir wollen heute reden über etwas Geschichte und Gestaltungsmöglichkeiten von Kultur- und Informationsarbeit im Sinne der Unterstützung der Ukraine in unserer Wahlheimatstadt bzw. -region Karlsruhe.

Michael, vor zwei Jahren hast Du USKA gegründet, was war Dein Impuls, was genau wolltest Du erreichen?

Wie wahrscheinlich Tausende und Millionen anderer Menschen, so verlor auch ich am 24.2.24 mit dem Tag des Überfalls Russlands auf die gesamte Ukraine meinen Glauben an den Friedenswillen Russlands. Es war quasi die Torpedierung meiner letzten Illusionen. Das Undenkbare, das Unfassbare war zur Wirklichkeit geworden. Eine schreckliche neue Realität! 

Im Allgemeinen habe ich sowas wie einen Gerechtigkeitssinn. Meist ergreife ich Partei für die Schwächeren bzw. versuche, mich in deren Perspektive zu versetzen. Im konkreten Fall und Moment spürte ich im Herzen, dass ich ohne wenn und aber auf der Seite der Ukraine stehe.

Auch wenn es fern meiner Möglichkeiten lag, diesen, von Russland angezettelten Krieg zu beenden, so hoffte ich darauf, wenigstens einen kleinen, bescheidenen Beitrag leisten zu können in Bezug auf die Unterstützung der Ukraine, die nun bitter notwendig wurde. Dringender und wichtiger als jemals zuvor.

Am Tag des erweiterten Angriffs Russlands auf die Ukraine, 24.2.22, fand bereits abends die erste große, spontane Kundgebung auf dem Karlsruher Marktplatz statt. Nur zwei Tage später, am 26.2.22 , gab es die zweite große Kundgebung in Karlsruhe zur Unterstützung der Ukraine – dieses Mal vor dem Schloss Karlsruhe. Hier lernte ich engagierte Ukrainer kennen, woraus sich einige Freundschaften entwickelten.

USKA, der Ukraine Support Karlsruhe, war zunächst nur der Name einer Facebook-Gruppe, die ich am 24.2.22 ins Leben rief. Innerhalb weniger Tage kamen wir auf ein paar Hundert Mitglieder. Die Stimmung zu jener Zeit in der deutschen Bevölkerung war ganz klar orientiert auf die Unterstützung der Ukraine. Dafür bot ich nur eine von einigen Plattformen. Ich fühlte mich ein wenig wie der kleine Bruder vom Deutsch-Ukrainischen Verein Ukrainer in Karlsruhe, den ich bis dato nicht mal gekannt hatte, der in den folgenden Monaten aber sehr wichtig und intensiv für mein Leben werden sollte. 

Um die Facebook-Gruppe drum herum entwickelte sich in den kommenden Tagen und Wochen das dynamische Netzwerk USKA (Website und Förderprojekt).

Weiterhin eröffneten wir WhatsApp-Gruppen, wo wir quasi “Erste Hilfe” für in Karlsruhe angekommene ukrainische Geflüchtete organisierten und koordinierten.

Welche waren die schönsten Momente? Welche Herausforderungen sind noch nicht gelöst?

Der schönste Moment ist für mich der Gesamtmoment aller Momente, der besagt, dass es in der deutschen Gesellschaft wie in der Welt ein großes Potenzial an wehrhaften Kräften gibt, die bereit sind, unsere Freiheit und unsere demokratische Grundordnung in Europa zu verteidigen. Multinational sind wir zusammengewachsen bei einer Vielzahl von interkulturellen Events.

Knapp zwei Jahre nach Russlands Überfall auf die gesamte Ukraine habe ich eine Vielzahl von ukrainischen Freunden kennen gelernt. Ich habe gesehen, was möglich ist, wenn Menschen mit einer gemeinsamen Motivation etwas auf die Beine stellen und im konkreten Fall für europäische Werte einstehen und zusammenstehen. Die Ukraine – Das ist Europa. Es gibt noch viel zu tun. Wir müssen nach wie vor der Welt zeigen, dass es sich lohnt, für eine freie Ukraine und somit für ein freies Europa zu kämpfen. Die ukrainische Kultur ist keine Subtraktion von der, sondern eine Addition zu der europäischen Kultur. 

2023 gründeten wir als “art USKA” eine kleine Künstlergruppe von ukrainischen Künstlerinnen, die überwiegend vor dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine geflüchtet waren und bei uns in Karlsruhe nach neuen Entwicklungschancen und Möglichkeiten des Ausdrucks suchten. Im Oktober war es soweit: Unsere erste gemeinsame Ausstellung – „Widerspiegelung“ fand im OrgelFabrikSalon Karlsruhe-Durlach statt. Allein zur Vernissage kamen ca. 80 Besucher und Besucherinnen.
Leider starb vor wenigen Tagen, im Januar 2024, der Vater einer Künstlerin unserer Gruppe bei einem der zahlreichen Angriffe Russlands auf die ukrainische Großstadt Charkiv. Sowas berührt, sowas verletzt, sowas zeigt die Nähe dieses brutalen und menschenverachtenden Angriffskrieges gegen das ukrainische Volk auch bei uns in Deutschland. Selbst nach knapp zwei Jahren russischer Überfall auf die gesamte Ukraine bleibt dieser Krieg präsent, faktisch und unerträglich.

Oleksandra, Du beschäftigst Dich meistens mit Kultur- und Informationsthemen. Warum ist das wichtig?

Bis zum Jahr 2022 benötigte ich viele Worte und Erklärungen, um mich vorzustellen. Wenn ich sagte: „Ich komme aus der Ukraine“, bekam ich viele Fragen: Liegt das Land in Sibirien? Habt Ihr Eure eigene Sprache? Ist das dasselbe wie Russisch? 

Doch warum gab es so viele Gegenfragen? Ganz einfach: Die Ukraine stand sehr lange Zeit im Schatten Russlands. Die Slawistik in Deutschland widmete sich russischen Themen, und die russische Literatur stand im Fokus des Interesses der Übersetzer. Russische Kolonialpolitik und Propaganda funktionierten so gut, dass die Menschen hier glaubten, die unabhängige Ukraine existiere nicht. 

Es ist recht unangenehm zu hören, wenn man aus einem Land kommt, das doppelt so groß wie Deutschland ist, dass man nicht wirklich existiert und als unabhängiger Staat nicht bestehen darf. 

Diese Position war für alle von Vorteil: für die Russen und ihr Imperium und auch für Deutschland.

Die Tatsache, dass so wenig über uns bekannt war, heißt nicht, dass wir nicht existierten. Die ukrainische Kultur ist genauso interessant und facettenreich wie die anderer europäischer Länder.

Oleksandra, erzähl mal über das Wikipedia-Projekt?

Seit einigen Monaten schreibe ich regelmäßig Artikel für die deutsche Wikipedia. Auslöser dafür war eine Buchlesung mit Max Kidruk, die im Herbst 2023 im Ukrainischen Kulturzentrum Karlsruhe stattfand.

Der bekannte ukrainische Schriftsteller und seit kurzem auch Verleger, ging auf eine große Lese-Tournee durch Europa. Als ich nach Informationen über Max suchte, konnte ich leider nicht viel auf Deutsch finden, und so stellte ich fest, dass die ersten Informationen, die ich bei einer Google-Suche erhielt, die Wikipedia-Artikel waren.  Das motivierte mich, und nach und nach entdeckte ich in der deutschen Wikipedia viele Bereiche, die ergänzt werden mussten. 

Zum Beispiel die Vertreter der Sechziger-Bewegung (Streben nach Wiederbelebung der ukrainischen Sprache und Kultur) oder die Liste der ukrainischen Künstler, die von den sowjetischen Regierungen verfolgt und repressiert wurden.

In Deutschland sind solche Seiten der ukrainischen Geschichte wie der Holodomor, die zahlreichen Verbote der Verwendung der ukrainischen Sprache im Russischen Reich, wie zum Beispiel durch den Emser Erlass, und Hingerichtete Renaissance kaum bekannt. 

Viele dieser Themen erklären, warum die Ukrainer die Unabhängigkeit von Moskau erstreben und wie viel Schaden die russischen Regierungen uns im Laufe der Jahrhunderte zugefügt haben.

>>Statt über den Umgang mit der russischen Kultur zu debattieren, sollten westliche Intellektuelle darüber sprechen, wie die nächste “Hingerichtete Renaissance” verhindert werden kann<<, schrieb prophetisch Wiktorija Amelina, im März 2022. Im Sommer 2023 wurde sie durch eine russische Rakete getötet.

“Durch Nachrufe lernt Deutschland die ukrainische Gegenwartsliteratur allmählich kennen“, schrieb Tanya Maliarchuk im Nachruf auf ihre Kollegin.

Bücher von Tanja Maljartschuk und anderen renommierten ukrainischen Schriftstellern in deutsche Übersetzung sind in der Liste zu finden: Liste von ukrainischer Literatur in deutscher Übersetzung

Ukraine-Hilfe heißt auch, ukrainische Autoren zu lesen.

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Jahresrückblick Fotografie 2023

Hey. Der verrückte Typ am linken Bildrand im Jimmy-Hendrix-Look, ja, das bin ich. Mit den Farben der Ukraine. Na ja, „sort of“. Das Blau ist etwas zu dunkel. Aber die Passion ist da, so oder so, als Unterstützer des von Russland angegriffenen und tausendfach bombardierten Landes genauso wie als Fotograf.

Seit 2011 bin ich, Michael M. Roth, auch bekannt als „MicialMedia“, als professioneller Fotograf unterwegs. Freilich, der Grad der Professionalität ist gebunden an einen Entwicklungsprozess. Schon als Student, beispielsweise an der Staffordshire University, liebte ich es, Fotos zu machen. Die Professionalisierung in der Theorie – wie war das nochmal mit diesen Exif-Daten, die sich so sehr gegenseitig beeinflussen, Brennweite und Blende, ISO und Belichtungszeit? – vor allem aber in der Praxis fand erst einige Jahre später statt nach meinem Studium und benötigte selbst beim „Training on the Job“ ein paar Jahre für die Vervollständigung. Es ist wie mit allem, was man tut. Das Interesse und die intensive Beschäftigung mit einer Sache führen zu einer sukzessiven, aber kontinuierlichen Entwicklung. In den Jahren von 2011 bis dato, 2013, fokussierte ich mich immer mehr auf die Eventfotografie, neben der Portraitfotografie oder auch People Photography, die man beide sogar gut kombinieren kann. Neben Kongressen, Konferenzen und Tagungen fotografierte ich auch Hochzeiten, kulturelle Events wie Konzerte oder im sportlichen Bereich Handballspiele, Volleyball und Fußball mit teils sehr unterschiedlichen Anforderungen an handwerkliche Expertise und das Fotoequipment.

Nachdem ich 2019 mein erfolgreichstes Jahr als Fotograf hatte, führte Corona 2020 zu einer Zäsur. Sogar in 2023, da Corona kaum noch eine Rolle spielt, spüre ich die Auswirkungen der Art, dass einige frühere Kunden heute noch immer Digitalveranstaltungen Events in Präsenz bevorzugen. Vermutlich auch aufgrund gestiegener Lebenshaltungskosten und Betriebskosten verzichten heute manche Veranstalter toller Events auf eine fotografische Begleitung. Desto wichtiger wird die Akquise. Denn an Reputation und erfolgreichen professionellen fotografischen Eventbegleitungen mangelt es mir nicht. Nachdem ich 2023 aber doch einige großartige Aufträge hatte wie zuletzt den Ärztekongress MAC2023 (Munich Vascular Conference) Anfang Dezember, strebe ich es an, mein Auftragsvolumen in 2024 wieder deutlich anzuheben. Doch nun lasst uns anhand von 80 ausgewählten fotografischen Impression nochmal auf das Jahr 2023 zurück blicken!

Fotos: Jahresrückblick / Year in Review: Michael M. Roth, MicialMedia
Fotografie Veranstaltungen Portraits Menschen People 2011-2023

Themen der Fotos in der Reihenfolge wie präsentiert:
Micha fotografiert die Ukrainer in Karlsruhe im Schlossgarten (Foto: Olha Danylevich)
Mitglieder und Vorstand der Ukrainer in Karlsruhe im Ukrainischen Kulturzentrum UKZ
Unternehmensshooting Smart Mobile Solutions GmbH Ettlingen
Unikat Karlsruhe, attraktives Kleidungsgeschäft in der City von Karlsruhe (Neueröffnung)
Absolventenfeier Hochschule Karlsruhe (HKA), Informatiker und Informatikerinnen
Open Stage Games BW 2023 bei Gameforge in Karlsruhe (Technologiepark)
Neueröffnung Büro der Grünen Karlsruhe
Women in Tech (WiT) Treffen beim CyberForum in Karlsruhe
Konferenz Agile Verwaltung, Buhlsche Mühle in Ettlingen
Preisverleihung Deutsche-Physikalische Gesellschaft (DPG), Zeiss-Innovation-Hub am KIT
Immo Talk Weisenburger Karlsruhe
Impact Hub Karlsruhe (Neueröffnung)
Diabetiker Kids im Hochseilgarten (EPA)
Digitalgipfel Baden-Württemberg in der Porsche-Arena Stuttgart
Integrata-Stiftung Walk and Talk in Tübingen
Fest der Jüdischen Gemeinde gemeinsam mit den Ukrainern in Karlsruhe
Marina Timchenko @ Dana Corina Schmidt DCS Galerie
Die Integrata-Stiftung in Wien (Office-Eröffnung)
Annual Meeting von High Scale Analysis (HSA) im Zeiss Innovation Hub at KIT
Islamforum im Ständehaus Karlsruhe
Fredy Villamil in der DCS Galerie (Vernissage)
Sion Wellkamp Portraitshooting (natürliche, coole Portraits)
Diabetiker Baden-Württemberg Tagung im Novotel Karlsruhe
Ukrainische Künstlerinnen der Gruppe „art USKA“:
Inna Bondarchyk
Natalya Savoskula
Olena Yemchenko
Iuliia Frantseva
Janett Khelemska
Maria Liubchenko
Ärztekongress MAC2024 in München: Munich Vascular Conference
(3. Foto: Gruppe von Ärzten und Ärztinnen aus Georgien)
Janett weist schon mal die Richtung für 2024: Da geht’s lang! 😉
Eine Jugendabordnung von Amnesty International aus Berlin
Glücksmomentfoto von der Hochzeit von Lisa und Denis
Last, but not least: Die besten Wünsche für Kunden, Freundinnen, die Menschen der Erde!

Ciao. See ya next year in 2024. Darwin bless you!


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Bilder einer Ausstellung | art USKA | Preview

Preview und Ankündigung zum fotografischen Nachklapp von

art USKA / ukrainische Künstlerinnen in Karlsruhe
Ausstellung: Widerspiegelung | віддзеркал­ення

Die ukrainische Künstlerin Zhanna Janett Khelemska im Austausch mit dem Karlsruher Fotografen Marcello Kutzner.

Für weitere Impressionen der mit 240 Besuchern und Besucherinnen gut besuchten Ausstellung „Widerspiegelung“ im OrgelFabrikSalon Karlsruhe Durlach (19.-22.10.23)
STAY TUNED at art.uskanet.de

Micha und das Team von art USKA

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Menschheit. Wohin gehst Du?

Betrachtet man die Geschichte der Menschheit, insbesondere auch die modernere, dann haben wohl Kriege und brutale, eigentlich unmenschliche Auseinandersetzungen „dazu gehört“. Freilich, sprechen wir von „menschlich“, dann meinen wir „das Gute“, das nicht Verletzende. Doch wenn das Phänomen der tödlichen Auseinandersetzungen schon immer Teil unserer Spezies war, was bedeutet dann überhaupt menschlich? Menschheit, quo vadis?

Spannen wir einen größeren Bogen, dann sind alle Evolutionen, so scheint es, winzig und vermutlich zeitlich begrenzt im Universum. Bisher kennen wir nur unsere eigene, immerhin. Doch im gesamten, schier unendlich großen All, könnte es Tausende Zivilisationen parallel geben oder jene könnten uns gegenüber einen zivilisatorischen Vorsprung von Millionen von Jahren haben oder lange nicht mehr existieren. Vom Universum wissen wir so wenig. Je mehr wir erfahren, desto mehr Fragen tauchen auf. Eigentlich ist das Weltall voller Chancen. Doch wir Menschen sind vor allem mit uns selbst beschäftigt. So bleibt im Verhältnis wenig Zeit für Wissenschaft und Wissenschaften, die unseren Geist – noch weiter als bisher – erhellen könnten. Das von mir proklamierte Kognitozän, als „Enhancement“ zum von Paul Crutzen (1933 – 2021) beschriebenen menschengemachten Erdzeitalter, dem Anthropozän, bleibt zumindest bis dato eher ein Wunsch oder einer Wunschtraum.

Die (heutige) Wissenschaft spricht davon, dass es den modernen Menschen, den Homo sapiens, seit ca. 200.000 Jahren gibt. Wobei neue Funde und resultierende neue Erkenntnisse gern mal Epochen um einige Tausend oder Millionen Jahre verschieben können. Obgleich aus einem sehr langen Evolutionsprozess von möglicherweise Millionen von Jahren hervorgehend, vermuten Wissenschaftler:innen, dass das Bewusstsein beim Menschen vor ca. 100.000 Jahren entstanden ist.

Doch was hat das Bewusstsein dem Menschen gebracht, welche Auswirkungen hatte und hat es über die menschliche Spezies hinaus auf andere Arten, Pflanzen und Tiere, auf den gesamten Planeten, dabei insbesondere auf das Ökosystem, auf das Gleichgewicht der Soziogenten der Erde?

Wie Paul Crutzen um die Jahrtausendwende durch das von ihm formulierte Anthropozän suggerierte sowie viele andere Wissenschaftlicher vor ihm, gibt es zahlreiche negative Folgen seit dem Auftreten der Menschheit auf der Erde, insbesondere seit der Industrialisierung. Vieles wurde kaputt gemacht, vermeintlich mit dem „menschlichen“ Hintergedanken, der eigenen Spezies, zumindest aber der eigenen herrschenden Kaste, etwas „Gutes“ zu tun. Heute sprechen wir vom 6. Großen Artensterben. Denken wir Erwachsene oder Menschen mit einer höheren Inkrementierung der Anzahl erlebter Lenze daran, wie viel Insekten es in den früheren Sommern unserer Kindheit gab. Womöglich freuen wir uns heute über weniger Insektenstiche, gleichzeitig sind ganze Ökosysteme negativ betroffen. Dass wir an der scheinbar glücklichen Spitze der Nahrungskette stehen, könnte uns eines Tages zum Verhängnis werden, wenn uns der Unterbau entrinnt. Die Verantwortung tragen wir, als Menschheit, selbst.

Genau das könnte Bewusstsein extrem wertvoll machen. Wenn sich zu ihm Verantwortung gesellt. Das Resultat heißt Verantwortungsbewusstsein. Es korreliert mit meiner Philosophie der Ethischen Intelligenz und der Idee vom Kognitozän, eines Zeitalters, das Erkennen, Wahrnehmen und Begreifen impliziert. Systemisch liegt das im Potenzial intelligenter Wesen. Intelligenz impliziert das Unterscheiden von Fällen und Situationen und das Entscheiden für eine bestimmte Handlung als Ergebnis des Verarbeitungsprozesses des Unterscheidens. Ethische Normen scheinen nicht zwingend zu resultieren. Sonst hätte das intelligente Volk der Deutschen zu Beginn des letzten Jahrhunderts nicht „Hurra“ gebrüllt als Antwort auf die unmenschliche Politik und die Verbrechen gegen die Menschlichkeit eines A. Hirnlos.

Vielleicht ist die Schöpfung von Frieden bei gleichzeitig gegebener Freiheit überhaupt der kreativste und am meisten Sinn stiftende Prozess, der auf der Erde oder im Universum denkbar ist.

Faktisch ist die, unsere Welt heute voller Konflikte. Menschen erdulden Repressalien oder lehnen sich auf in einem Frieden ohne Freiheit. Oft riskieren sie dabei ihr eigenes Leben, so wie die Frauen im Iran, die den Mut haben, ohne Kopftuch auf die Straße zu gehen.

Aufgrund von Unterdrückung oder Benachteiligung wenden manche Menschen oder – oft religiöse – Gruppen brutalste Methoden an, um für ein besseres Leben zu kämpfen. Dabei pervertieren sie Ansprüche von Menschlichkeit durch ihre eigene Unmenschlichkeit, so wie es die Hamas gegen Israel seit dem 7. Oktober 2023 getan hat und tut. Auf der anderen Seite Israel, das durch seine Siedlungspolitik in der Kritik steht. Bei allem Leid, das Israel jetzt durch die Hamas erfahren hat, kann ein unkontrolliertes Bomben und Zerstören im Gaza zu neuen sinnlosen Opfern von Menschen führen, die unschuldig sind. Das legitime Recht Israels der Zerstörung der Terrororganisation Hamas bei gleichzeitiger Wahrung der Menschrechte der Menschen in Gaza könnte zu einem unlösbaren Dilemma werden.

Zumindest aus westlich-europäischer Sicht oder auch US-Sicht, in Abhängigkeit des Präsidenten, der dort gerade an der Macht ist, scheint die Zweistaatenlösung erstrebenswert. Aber was wollen die Völker von Israel und Palästina? Wie kann allen Völkern in der Region ein menschenwürdiges Leben zuteil werden?

Besonders war und bin ich involviert, emotional tangiert, was den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine betrifft. So viel an dieser Stelle: Das hat mit meiner eigenen Vita zu tun. Natürlich auch mit den vielen Ukrainern und Ukrainerinnen, die ich in mehr als 1,5 Jahren des Krieges gegen das ukrainische Volk hier in Karlsruhe kennen lernen durfte.

Auf beiden Seiten gibt es Tausende von Menschenopfern. Doch den Beginn des Krieges dürfen wir nicht vergessen. Erst, 2014, der Überfall und die völkerrechtswidrige Annexion der Krim. Einst, 1994, also drei Jahre nach der Erklärung der Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion, garantierte Russland den Schutz der Ukraine. Doch der russische Diktator Putin hält sich nicht an Regeln oder Menschenrechte. Weder nach innen, im eigenen Land, wo er Regimekritiker einfach umbringen lässt, oder nach außen, wo er seit der Jahrtausendwende Kriege gegen ehemalige Sowjetrepubliken führt oder sie für seine Zwecke instrumentalisiert, nachdem er sie wieder abhängig von Russland gemacht hat.

Dann, im Februar 2022, der unsägliche Überfall Russlands auf die gesamte Ukraine. Wer hätte das für möglich gehalten? Es scheint jede Vorstellung von Erbärmlichkeit zu übertreffen. Jeder Schuss eines russischen Soldaten gegen Menschen auf ukrainischem Territorium, jede Vertreibung von Familien, jede Verschleppung ukrainischer Kinder nach Russland, all das trägt dazu bei, das Angesicht Russlands in der Weltgemeinschaft weiter zu schwärzen. Jede Rede von Menschlichkeit, die von staatstragenden Russen geführt wird, kann schon längst nicht mehr ernst genommen werden. Der verlogene Charaktertyp Putins hat sich auf Russland übertragen. Täuschung ist ein Lebensprinzip des russischen Herrschers. Russland steht heute für ein gigantisches Trauerspiel in Bezug auf sinnstiftendes Handelns. Das Land zeigt, wozu der Mensch im schlechtesten Sinne in der Lage ist.

Zur Wahrheit gehört auch, dass Europa der Ursprung einer über mehrere Jahrhunderte anhaltenden Kolonialisierung der Welt ist. Neben der Unterdrückung und Ausbeutung von schwarzen Menschen oder aus weißer Sicht exotischen Völkern gehört die Aufteilung Afrikas unter den westlichen Nationen wohl ebenso zu den größten Versagen der Menschheit. Die beiden Weltkriege des letzten Jahrhunderts waren das explosionsartige Ergebnis von bereits zuvor stattgefundener Kolonialisierung, Versklavung und Entmenschlichung. Sogenannte Völkerschauen oder Menschenzoos wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts populär, ob in Paris, Berlin, Moskau oder in Städten Nordamerikas. Die lange Ausbeutung Afrikas durch Europa kann wohl als eine Ursache dafür gesehen werden, dass „der Westen“ heute um jedes afrikanische Land werben muss, mit dem Ziel, eine gemeinsame Front gegen den absurden russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu etablieren. Alles andere als eine einfache Aufgabe. Wir kämpfen um den Erhalt unserer Werte, allein sie scheinen von großer Fragilität zu sein. Der lange als sicher geglaubte Frieden in Europa ist heute in akuter Gefahr.

Das viele Schwarz in meinem Bild, zwischen „Menschheit“ und „Wohin gehst Du?“ soll die enormen Auswirkungen unserer Existenz auf den Planeten Erde zum Ausdruck bringen.
Es gibt kein „Menschheit – und dann!“ Es gibt die Menschheit, die schon so vieles angerichtet hat. Positives und Negatives. Wir sind umgeben von einem riesigen Universum. Doch zunächst müssen wir, sind wir in der Verantwortung, Ordnung (zu) schaffen auf unserem winzigen Erdball. Wir haben objektiv nicht mal die Zeit für Kriege. Abgesehen davon, dass sie unmenschlich sind. Wir müssen uns Zeit nehmen für uns selbst. Denn die Herausforderungen für unsere eigene Existenz sind bereits ohne Kriege groß genug.

Wir, als Individuen, wir, als Gesellschaft und als Nationen, wir kommen nicht umhin, Hybris um Demut zu ergänzen, wenn Hybris nicht ohnehin komplett ersetzt werden sollte.
Ethische Intelligenz und Kognitozän sind meine eigenen, bescheiden Appelle an die Menschheit. Wir haben, Stand heute, nur eine.

Danke für die Aufmerksamkeit, Geduld, die Wahrnehmung und das Interesse der und für die Lektüre meiner bescheiden Zeilen zu den großen Themen der Zeit. Wobei es sich immer nur um einen Ausschnitt der Wirklichkeit und um meinen persönlichen Blickwinkel handelt. Der allerdings Inspiration für Größeres sein kann.

Für alle, die es bis hierher geschafft haben, ein veranstaltungstechnischer Hinweis:

Kranzniederlegung zu Ehren der Verstorbenen
für Freiheit und Unabhängigkeit der Ukraine.
Am Mittwoch, 1.11.23, 12 Uhr, Stadtfriedhof Rastatt, Bahnhofsanlage 6, 76437 Rastatt.

>> Товариство „Українці Карлсруе “ Deutsch-Ukrainischer Verein e.v має давню традицію вшанування полеглих за волю України в місті Раштаті (Rastatt) на міському цвинтарі біля пам’ятника українським воїнам. Запрошуємо всіх бажаючих 01.11.23 о 12 00.Буде вшанування пам’яті всіх полеглих за Україну та покладання вінків !!! <<


Text & Grafik (c) Michael M. Roth, MicialMedia, Karlsruhe, 2023

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Die mutige Kunst der Marina Timchenko

Natürlich, wenn man eine Blume fotografiert oder einen Baum malt, dann kann das Ergebnis wunderbar und berührend sein. Es kann so vieles sein, nur nicht kritisch oder gefährlich. Sobald man Menschen fotografiert, oder auf irgendeine Weise künstlerisch darstellt, und sei es mit Ölfarben, dann kommen neue Aspekte hinzu.

Die außerordentliche und in meinen Augen außerordentlich mutige ukrainische Künstlerin, Fotografin und Malerin Marina Timchenko lotet mit ihren Betrachtungen und Darstellungen Beziehungen zwischen Menschen aus, manchmal auch im „Tierischen“, was wir für auf den Menschen übertragbar halten. Auch wenn die Künstlerin bestimmte Körperpartien unter die Lupe zu nehmen scheint, so geht es ihr am Ende doch um die Schönheit von Mensch und von der Liebe.

Wenn wir eine solche Ausstellung besuchen, dann sind wir, egal ob Mann oder Frau, mehr oder weniger gezwungen, „dorthin“ zu schauen. Bei so mancher Darstellung werden wir uns selbst oder unseren Partner, unsere Partnerin wiedererkennen. Marina Timchenko tritt den Beweis an: Der oft kritisierte sogenannte „male Gaze“ ist keine Erfindung von Männern, allenfalls eine Erfindung der Evolution. Dazu gehört, dass frau, zumindest in bestimmten Situationen ebenso betrachtet werden möchte. Wie Yin und Yang. Und frau produziert eigens einen „female Gaze“, auch wenn dieser oft versteckter und beherrschter scheint. Dies sind die Gemeinsamkeiten der Geschlechter, aber auch die Unterschiede und eigenen Interpretationen, die wir zulassen dürfen, die in einer freien Gesellschaft, wie wir sie in Deutschland haben, gelebt werden können. Alles unter dem Vorbehalt, dass es auf keiner der involvierten Seiten zu einer Nötigung kommt.

Die Künstlerin, die in der Ukraine Fotografie und Design studierte, nebenbei noch ein paar weitere Kompetenzen vorzuweisen hat wie das Spielen von Klavier und Schlagzeug, und zuletzt eine eigene Galerie in der ukrainischen Hauptstadt Kyiv eröffnete, sagt über ihre Kunst:

„Ich möchte den Menschen vermitteln, dass Sex in unserem Leben kein Verbot ist, sondern ein dringender Teil der Menschheit, eine emotionale Komponente, ohne die es kein Leben, keine Entwicklung und keine Evolution gäbe. Ich mag es zu fühlen, Emotionen zu vermitteln, Menschen zu beobachten, Schönheit und Körperlinien zu genießen. Jeder Mensch ist etwas Besonderes. Für mich gibt es nichts Schöneres als einen menschlichen, nackten Körper.“

Die Fotos entstanden in der Karlsruher DCS Galerie. Vielen herzlichen Dank an die betreibende Galeristin und an die ukrainische Künstlerin Marina Timchenko!!

Text und Fotos: Michael M. Roth, MicialMedia, 2023

Referenzen:

Marina Timchenko bei Instagram

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Die ukrainische Community in Karlsruhe würdigt den Tag der Nationalflagge der Ukraine

Der Schlosspark in Karlsruhe ist ein beliebter Treffpunkt der Karlsruher und Karlsruherinnen, um sich zu Freizeitaktivitäten oder kleineren Festen zu treffen. Die ukrainische Community, die sich in der Fächerstadt um den Verein der Ukrainer in Karlsruhe gebildet hat, nutzt die beliebte Location ebenso, um die Gemeinschaft zu fördern, ukrainische Kultur und Identität zu repräsentieren.

Die traditionsbewussten und freiheitsliebenden Ukrainer und Ukrainerinnen der badischen Metropolstadt ließen es sich nicht nehmen, im weitläufigen Hinterhof von Schloss Karlsruhe die für Freiheit und Unabhängigkeit stehende Nationalflagge der Ukraine mit Ansprachen und ukrainischem Gesang zu zelebrieren. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich Teil der Veranstaltung sein durfte, so wie ich über die Monate hinweg seit Beginn des russischen Angriffskrieges am 24.2.22 auf die gesamte Ukraine Teil der ukrainischen Community geworden bin.

Die beiden Farben der ukrainischen Flagge, blau und gelb, stehen metaphorisch für den blauen Himmel und das reife Korn. Am 23.8.04 unterzeichnete der damalige Präsident der Ukraine, Leonid Kutschma, ein Gesetz über den Tag der staatlichen Flagge der Ukraine, der seit dem alljährlich feierlich-seriös begangen wird.

Die folgenden Impressionen, die ich bei der Veranstaltung fotografisch festhalten konnte, zeigen ein klares, hoffnungsvolles Stimmungsbild der Ukrainer!

Hinweis: Auf ein Bild klicken, um eine größere Version des jeweiligen Fotos angezeigt zu bekommen!

Text & Fotos: Michael M. Roth, MicialMedia
Fotografie: Veranstaltungen, Events, Kongresse, Portraits, Menschen, Begegnungen
in Karlsruhe & beyond

Hier geht es zum Event am Folgetag:
Tag der Unabhängigkeit der Ukraine in der Fächerstadt – begangen am 24.8.23

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Jüdisch-ukrainisches Sommerfest

Einmal mehr hat die Jüdische Kultusgemeinde Karlsruhe eine wunderschöne Location und Heimat geboten für das Sommerfest am Ende des eher frisch ausklingenden, insgesamt heißen Sommermonats Juli 2023. Bereits bei Dankeborschtsch Ende August 2022 hatten die Jüdische Kultusgemeinde gemeinsam mit den Ukrainern in Karlsruhe unter Beweis gestellt, was für sie Gastfreundschaft und interkultureller Austausch bedeuten. Auch dieses mal war die ukrainische Kultur vertreten durch sehr leckere ukrainische Nationalgerichte, Piano- und Akkordeon-Musik sowie Kindertheater und Jugendband bei der von vielen Besuchern und Besucherinnen bestaunten Bühnenszenerie. Iuliia Frantseva, um nur eine der fleißigen Organisator:innen zu benennen, führte abermals Mal- und Kreativworkshops auf dem Areal für Kinder durch. Дякую, дякую, vielen herzlichen Dank an alle Beteiligten!!

Text / Fotos: Michael M. Roth, MicialMedia (c) 2011-2023

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Islamisches Opferfest versus Fest der Solidarität

Vom 27.6. bis zum 1.7.23 feiern Muslime das Opferfest ( عيد الأضحى ). Aber ist das überhaupt noch zeitgemäß? Sind die wahren Opfer nicht die Tiere, die wir Menschen töten, um sie zu verzehren? Diese Frage stellt sich besonders beim im Islam traditionellen Schächten, das in Deutschland allerdings grundsätzlich verboten ist. Abgesehen von verschiedenen möglichen Varianten wird dem Tier, z. B. einer Kuh, die Kehle durchgeschnitten. Es verblutet. Eine Betäubung ist bei dieser Tradition nicht vorgesehen.

Und wenn wir an das Gute denken, das Beschenken von Freunden, die Ernährung der eigenen Familienmitglieder durch das geschlachtete Vieh oder auch Unterstützung durch Geldspenden, die wohl teils die alte Tradition ablöst – wäre es nicht besser, dann von „Solidarität“ anstelle von „Opfer“ zu sprechen?

Ich möchte vorwegschicken, dass es nicht mein Anliegen ist, Muslimen „Böses“ zu unterstellen, eine schlechte Intention. Das Gegenteil dürfte der Fall sein. Der Sinn des Opferfestes ist auf der einen Seite das absolute Vertrauen zu Gott, Hingabe, vielleicht aber auch eine Art der Unterwerfung, Gehorsamkeit. Darüber hinaus soll den Mitmenschen geholfen werden. Das Opferfest fördert den Zusammenhalt der Muslime, der Community, wie wir heute sagen würden. Menschen, Familie, Nachbarn, Freunde, um sie geht es.

Doch was ist der Ursprung des Opferfestes? Ibrahim (Abraham), der als Vater der Religionen des Islams, Judentums und Christentums gilt, sollte gegenüber Gott ein Opfer bringen. Nicht mehr und nicht weniger als seinen Sohn (!). Ibrahim war bereit, dies zu tun, bis kurz vor der Tat Gott seinen Wunsch (seinen Befehl?) zurück nahm.

Allein die reale Begebenheit der Geschichte dürfte wissenschaftlich kaum verifizierbar sein. Und selbst wenn man annimmt, dass es einen Gott gibt, dann stellte sich die Frage: Wie kann man überhaupt so einen Akt der Unmenschlichkeit von einem Menschen fordern?

Man stelle sich vor, ein Vater würde von seinem Sohn fordern: „Spring zum Fenster hinaus. Du bist mein Sohn und hast mir zu gehorchen“. Erst im letzten Moment würde der Vater den Sprung des Sohnes aus dem Fenster verhindern. Unter heutigen ethischen Gesichtspunkten müsste der Vater dafür ins Gefängnis gehen. Es käme einem Kindesmissbrauch gleich. Allein die Androhung eines solchen „Opfers“. Das Opfer wäre das Kind selbst.

Es gibt viele Dinge, die Menschen einst für richtig hielten, später davon abkamen. Z. B. wird heute kein Mensch mehr auf dem Elektrischen Stuhl getötet. Idealerweise würden wir heute überhaupt niemanden mehr töten. Selbst wenn sich ein Mensch strafbar gemacht hat. In fast allen europäischen Ländern wurde die Todesstrafe abgeschafft. Wir haben gelernt.

In Artikel 1 des Grundgesetzes steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Ich würde hinzufügen: „Die Würde der Soziogenten ist zu bedenken!“. Mit Soziogenten sind alle Lebewesen auf dem Planeten Erde (im Prinzip im Universum) gemeint, in Zukunft könnten hier auch künstlich-intelligente Systeme hinzu kommen.

Ein Bereich ist also auch das Tierwohl.
Vegetarier und Veganer haben ihre Punkte und Argumente.
Ich sehe es als einen Lernprozess des Menschen an, nicht nur das eigene Wohl zu betrachten, sondern auch das Wohl seiner Umwelt. Die heute in Industrieländern anzutreffende Massentierhaltung stiehlt dem Planeten viele Ressourcen und konterkariert jede mögliche Form von Tierwohl.

Indem wir bspw. weniger Fleisch essen, können wir sukzessive die Welt Stück für Stück besser machen.

In der Tradition waren tatsächlich die geschächteten Tiere das Opfer, der Mensch höchstens mittelbar, weil er eigene Mahlzeit mit anderen teilte. Als moderne, aufgeklärte Menschen können wir, und das ist mein Vorschlag, allerdings den Begriff des „Opfers“ oder „Opfertums“ ersetzen durch den Begriff der Solidarität. Das geschlachtete Vieh kann dabei mehr und mehr aus dem Zentrum dieser Feiertage gerückt werden. Wie ich las, sind heute auch viele Muslim:innen Vegetarier oder Veganer. Sie sollten sich dafür frei entscheiden können.

„Opfer“ ist ein negativer Begriff. Jemand muss leiden.
Anders verhält es sich bei „Solidarität“. Das ist ein positiver Begriff.
Wenn ich andere Menschen unterstütze, sei es, indem ich mit ihnen mein Essen teile oder ihnen finanziell helfe, dann kann sich selbst davon profitieren in einem ideellen Sinne. Es ist ein anderer psychologischer und konzeptueller Ansatz.

Warum also nicht folgende Umbenennung?

Alt: Opferfest
Neu: Fest der Solidarität

Traditionen können etwas Wunderbares sein. Wir sollten allerdings im Hinterkopf behalten, dass sich der Horizont des Menschen über die Jahrhunderte und Jahrtausende seiner Entwicklung geweitet hat. Seit der Erfindung des Faustkeils vor knapp zwei Millionen Jahren haben wir unser Tun und Handeln, auch zahlreiche unserer Riten tausendfach verändert, erneuert, abgeschafft, ersetzt. Und das ist grundsätzlich gut so.

Mit dem steigenden Wahrnehmungspotenzial im Zuge des Kognitozäns geben wir uns gleichzeitig eine Chance dafür, dass wir Menschen uns selbst besser verstehen und kennen lernen.

Text und Grafik: Michael M. Roth, im Juni 2023

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Das Objektiv Z 24-120 mm f/4 von Nikon kann was!

Als erster Teaser für das erstaunliche Objektiv der bekannten japanischen Marke: Mein Nachbar auf dem Kult(ur)objekt seiner Träume: Eine Harley Davidson!
Exif: f/4, 1/250 s, ISO 100, 54 mm (Bild 1)

Alle Fotos wurden gemacht mit einer Nikon Z 6ii und dem im Mittelpunkt des Artikels stehenden Objektiv Nikon Z 24-120 mm f/4. Für die Systemfremden: Ein Nikon-Objektiv nennt man auch Nikkor, just FYI.

Eine Ausnahme im Artikel bilden die beiden letzten Portraitfotos von Anna und Valeria. Sie wurden erstellt mit dem Nikkor 105 mm f/1.4 an einer Nikon D780. Die Z 6ii ist eine spiegellose Systemkamera, die D780 gehört wohl zu Nikons letzten, klassischen Spiegelreflexkameras, kurz DSLR.

In den letzten Jahren hatte ich tatsächlich mit keinem Objektiv mehr fotografiert, das eine Lichtstärke (Offenblende) von schlechter (oder weniger) von f/2.8 hat. Der Gesamtausdruck der Blende ist ein Reziprokwert. Die im Nenner stehende Zahl wird als Blendenzahl bezeichnet. Je kleiner sie ist, desto größer wird die Blende bzw. Blendenöffnung. Die einzelnen Blendenstufen, wie f/1.4, f/2, f/2.8, f/4, f/5.6 usw. sind durch den Faktor Wurzel(2) miteinander verbunden. Wird die Blende um eine Stufe größer, z. B. von f/4 nach f/2.8, dann kommt bei gleichen Bedingungen in der selben Zeiteinheit doppelt so viel Licht zum Sensor. Belichtungszeit wird demnach halbiert. Oder die Belichtungszeit bleibt konstant, während wir ISO halbieren und somit möglicherweise ein wenig das Bildrauschen senken können (in höheren ISO-Bereichen).

Nun also habe ich mit der eigenen Tradition gebrochen und erlaube mir Fotos, die bei maximaler Blendenöffnung f/4 gemacht werden. Wie konnte es passieren? Ein entscheidender Beitrag ist hier der stabilisierte Body der Z 6ii (bis zu fünf Blendenstufen!). Das bedeutet, dass selbst bei weniger Licht und folglich längeren Belichtungszeiten zumindest die Eigenverwacklung der Kamera (bei Arbeit ohne Stativ) vermieden werden kann. Was interessant bleibt: Bewegt oder wie schnell bewegt sich das Motiv, das ich im Bild festhalten möchte? Es gibt übrigens (bis dato?) keinen anderen Hersteller, der ein Objektiv 24-120 mm f/4 anbietet. Bei dieser durchgängigen (über alle Brennweiten) maximalen Blende von f/4 gibt es Konkurrenzprodukte, mit einem nicht ganz so universellen Brennweitenbereich, nämlich von 24-105 mm. Vorteil Nikon!

Anhand der folgenden Aufnahmen zeige ich beispielhaft, was das Universalobjektiv oder Zoomobjektiv für die Systemkamera alles kann.

Mein beruflicher Schwerpunkt liegt bekanntermaßen bei der Fotografie von Events. Insbesondere biete ich die fotografische Begleitung von Kongressen, Tagungen, Konferenzen usw. an. Im folgenden Beispiel fotografierte ich den Immo Talk der TechnologieRegion Karlsruhe.

Bild 2: Der junge Architekturprofessor Moritz Dörstelmann
Eher ein Close-Up. Das Gesicht einigermaßen im Fokus. Bei der (anatomisch) linken Hand ist eine leichte Bewegungsunschärfe, die die Dynamik des Geschehens abbildet, sichtbar. Das Ergebnis von Stabi plus längerer Belichtungszeit. Exif: f/4, 1/125 s, ISO 2.000, 100 mm
Bild 3: Einfangen des Raumes. Exif: f/4, 1/160 , ISO 2.000, 24 mm

Bild 4, Bild 5: Blumen als die beliebten Wunder der Natur. Bei einer kurzen Naheinstellungsgrenze von 35 mm und eine maximalen Brennweite von 120 mm erhält man einen „Makro“-verdächtigen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2,6.
Exif: f/4, 1/160 s, ISO 100, 120 mm
Exif: f/4, 1/160 s, ISO 140, 120 mm

Bild 6, Bild 7: Mit dem Zauberobjektiv lassen sich auch Himmelsobjekte wie der Mond und die Sonne fotografisch einfangen. Die schönen Zacken eines Sternenlooks erhält man durch das möglichst weite Abblenden, also Verkleinern der Blende (Vergrößerung der Blendenzahl, remember?). Bei diesem Objektiv ist es möglich bis f/22. Wenn man so weit abblendet, braucht man *sehr* viel Licht. Was könnte heller sein als unsere Sonne, wenn wir zumindest innerhalb des eigenen Sonnensystems bleiben?!
Exif: f/8, 1/200 s, ISO 100, 120 mm
Exif: f/22 , 1/640 s, ISO 100, 24 mm (Belichtungskorrektur/LW -3)

Bild 8, Bild 9: Ohne Stativ die Bewegungsunschärfe der U-Strab in Karlsruhe einfangen? Klappt mit etwas Übung solange das Objektiv stabilisiert ist oder/und der Kamerabody eine Stabilisierung hat. Zwar ist das hier getestete Objektiv, das Nikkor Z 24-120 mm f/4 *nicht* stabilisiert, aber an einer stabilisierten Kamera, wie der Nikon Z 6ii, funktioniert es.
Exif: f/4, 1/160 s, ISO 2.200, 33 mm
Exif: f/8, 1/2 s, ISO 100, 24 mm

Bild 10, Bild 11: Das Schloss Karlsruhe von Außenturm zu Außenturm. Natürlich mit 24 mm. Herangezoomt auf 120 mm kann man zum Hauptmotiv Springbrunnen wechseln.
Exif: f/4, 1/1250 s, ISO 100, 24 mm
Exif: f/4, 1/1600 s, ISO 100, 120 mm

Bild 12, Bild 13, Bild 14, Bild 15: Für die Portraitfotografie eignet sich der Alleskönner 24-200 mm bedingt. Erwartungsgemäß ist das Bokeh nicht wirklich spektakulär. Zumal, anders als bei den Blumen (Bild 4, Bild 5), in der Regel dem Model nicht bis auf 35 mm auf die Pelle rücken wollen. Schöne Erinnerungsfotos können dennoch entstehen, wenn man bspw. mit der Freundin in den Alpen unterwegs ist, neben der Geliebten auch den traumhaften Raum, die sagenhafte Kulisse, einfangen möchte.
Im Vergleich der Fotos sieht man trotzdem auch beim f/4er Objektiv, dass durch die Vergrößerung der Brennweite die Weichheit des Bokehs (ein wenig) zunimmt. Also, nichts für Ungut, Nikon, you’ve done an awesome job! Und natürlich herzlichen Dank an Anna und Valeria, den sympathischen ukrainischen Spontan-Models im Karlsruher Schlosspark!

Exif: f/4, 1/320 s, ISO 100, 63 mm
Exif: f/4, 1/250 s, ISO 100, 86 mm
Exif: f/4, 1/250 s, ISO 100, 60 mm
Exif: f/4, 1/200 s, ISO 100, 28 mm

Bild 16, Bild 17: Solltet Ihr bei Eurer Fotografie oder einem Fotoprojekt den Schwerpunkt auf Portraits legen, dann solltet Ihr freilich zu einem der bewährten Portraitobjektive greifen. Zur Sicherheit oder als Backup hatte ich in diesem Fall das inzwischen schon wieder in die Jahre gekommene (Kauf 2017) 105 mm f/1.4. Wenn Ihr die Objektive vergleicht oder überlegt, welches Objektiv für welchen Anwendungsfall, so seht Ihr an diesem Beispiel, wie unterschiedlich Objektive sein können. Ganze drei Blenden bei der Maximalöffnung, f/4 vs. f/1.4. Zur Vervollständigung seien zwei Beispielfotos mit dem Nikkor 105 mm f/1.4 an dieser Stelle präsentiert.
Exif: f/1.4, 1/8000 s, ISO 100, 105 mm
Exif: f/1.4, 1/1600 s, ISO 100, 105 mm


Fazit: Mich hat das Nikon Z 24-120 begeistert. Es ist ein unglaublich kompakte, leichtes Universalobjektiv mit einer maximalen Blendenöffnung von f/4. Im Indoor-Bereich bzw. zur Abendzeit *kann* das ein Problem werden. Wie Nikons 105 mm f/1.4 ist auch das 24-120er eine Art Biest, das es zu bändigen gilt. Es hat das Zeug, jede Menge Spaß und Zufriedenheit demjenigen zu bescheren, der oder die es in den Händen halten und damit ansprechende Fotos machen darf.

Text / Fotos :
Michael M. Roth | Events | Veranstaltungen | Eventfotograf | Fotograf | Karlsruhe
MicialMedia (c) 2011 – 2023

Disclaimer: Der Artikel enthält unbezahlte Werbung.
Weder von Nikon beauftragt, noch von Nikon bezahlt.

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Zoe Mayer (MdB), Ute Leidig (MdL), Alexander Salomon (MdL), Kreisvorstand und Grüne Jugend empfangen Interessierte beim Tag der offenen Tür im neuen Büro Karlsruhe

Natürlich war das eine besondere Gelegenheit: Grüne Politikerinnen und Politiker stellten beim Tag der offenen Tür der Grünen Karlsruhe Anfang April 2023 Interessierten ihre Arbeit vor und zeigten sich offen für den Austausch. Ich bin mir nicht sicher, wer oder was mehr strahlte an diesem Tag, die Karlsruher Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer oder das neue Büro der Grünen in der Redtenbacherstraße 9 in der Südweststadt von Karlsruhe. Freilich gehört es zum Job von Politik Machenden, sich offen und mit einer gehörigen Portion an Optimismus zu zeigen. Bei Zoe hatte ich den Eindruck, dass ihre Leidenschaft und die ganz und gar nicht versteckte, überschüssige positive Energie den Raum zu füllen schienen. Mit Fingerfood und einem reichlich gedeckten Tisch gelang es ebenso, im kulinarischen Bereich für Wohlgefühl zu sorgen.

Neben Zoe Mayer und ihrer sie unterstützenden Büromitarbeiterin Mareike Blümle hießen der Kreisvorstand der Karlsruher Grünen sowie die Grüne Jugend Besucher und Besucherinnen willkommen, wobei die 23-jährige Studentin der Wirtschaftswissenschaft sowie Mitglied der Grünen seit 2019, Janina Jakob, den Reigen der zum Mikrofon Greifenden eröffnete.

Im Büro der Abgeordneten des Landtags Baden-Württemberg, Ute Leidig und Alexander Salomon, fanden sich an der Wand einige Multiple-Choice-Fragen rund um die Grünen und ihre Arbeit im Stuttgarter Landtag, um Anker für mögliche Diskussionen zu bilden. Mit meiner Vermutung, dass Ute Leidig von unserem Ministerpräsidenten, Winfried Kretschmann, (und keinem anderen), zur Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration ernannt wurde, lag ich richtig.

Was mir am neuen Büro der Grünen in der Fächerstadt besonders gefiel: Das Zimmer mit dem Glasdach, das eine Art Wintergarten-Feeling erzeugte. Sehr gut kann ich mir auch vorstellen, dass die einzelnen Zimmer mit Themen aus unterschiedlichen politischen Verwaltungsebenen wie Bund, Land und Kreis, ein besonderes Flair und direkte Kommunikationswege ermöglichen. Allen dürfte gemeinsam sein, dass sie jeweils auf ihrer Ebene, aber eben auch gemeinsam im Verbund unser Land und unsere Städte weiter voran bringen wollen in Richtung Zukunft mit den Schwerpunkten, die laut DNA der Grünen bekannt sind, wie Umweltpolitik/Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, eine Gesellschaft, die von Menschen gemacht ist für die Menschen. Es möge den Grünen und uns allen gelingen!

Nachfolgend noch ein paar der vielen schönen Impressionen, die ich beim Tag der offenen Tür der Grünen am 2. April 2023 in ihrem neuen Büro machen durfte.


Text und Fotos: Michael M. Roth, Inh. MicialMedia

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