Künstliche Intelligenz und Prechts schöngeistiger Irrtum

In seinem Buch „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ zitiert Richard David Precht (geb. 8.12.64 in Solingen) einen Gelehrten, der in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts den Ausspruch „(ego) cogito, ergo sum“ an den Anfang seiner Philosophie stellte. René Descartes (1596-1650) war es, der Bewusst-Sein und das Sein miteinander verband. Was sagte wohl ein Nachfahre von Precht dazu, wenn er 500 Jahre nach Descartes, im Jahre 2140 auf der Straße angesprochen würde von einem Künstlich-intelligenten Soziogenten (Kiso): „Ich denke, also bin ich!“?

Richard David Precht: Podium am KIT (Studentenhaus) „Ernährung der Zukunft“ (7.11.2016)
Foto: Michael M. Roth, MicialMedia

Also gut. Der Überschrift und allem, was noch kommen mag in diesem Artikel, zum Trotz, oute ich mich mal als Fan von Precht. Ich denke, er ist zu einem großen Grad ein populärwissenschaftlicher Philosoph. Was könnte der Menschheit und unseren Zeitgenossen Besseres passieren als ein Mensch, der einerseits selbst über das Leben nachdenkt, seine Gedanken auch noch in verständlicher Sprache vermittelt und auf der anderen Seite somit zum Denken und Nachdenken inspiriert?! Also ein Glücksfall für unsere Zeitgeschichte? Ich möchte meinen: ja. Dazu gehört auch, dass ein sogar in den Fächern der Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte Studierter weder als Gott noch als Halbgott wird in die Überhaupt-Geschichte eingehen können. Wir sollten inspiriert werden nicht verwechseln mit erwarten. Selbst eine definitive Weltverbesserin wie die inzwischen 17-jährige Friday-For-Future-Initiatorin Greta Thunberg (geb. 3.1.2003 in Stockholm) konnte nicht hinsichtlich jeder der Millionen von Lebensfacetten alle beglücken. Obgleich viele ihr „Versagen“ maximal auszuschlachten versuchten, als sie während einer Bahnfahrt mit Plastikgeschirr erwischt wurde, und das als Umweltaktivistin, meine Damen und Herren!

Doch zurück zu Richard David Precht. Der Gegenwartsphilosoph inspirierte und inspiriert uns sicher auf einigen Gebieten. Themen wie „Fleisch“ essen in der Zukunft, ohne das Abschlachten von Tieren fand ich reizvoll. Oder den Gedanken, dass es keine Kinder mehr in der Schule geben sollte, die „sitzen bleiben“. Abholen und mitnehmen, projektbezogen, fähigkeitsangepasst und -fördernd, versus zurück lassen. Tolle Ideen!

Im Zuge der Digitalisierung warnt Precht nicht zu Unrecht vor dem möglichen Verlust von Arbeitsplätzen. Er sieht sogar Chancen und Einsatzbereiche für die Künstliche Intelligenz, in denen sie ein nützliches Werkzeug für den Menschen sein könnte. Dennoch: Das große Bild von der KI, das freilich besonders von US- oder auch anderen internationalen Konzernen just gezeichnet wird, möchte der Philosoph am liebsten klein halten.

Für t3n interviewte Luca Caracciolo (geb. 17.9.78 in Wolfsburg) Richard David Precht (RDP) zu seinem aktuellen Buch „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“:
Precht im Interview: Ewiges Leben in der Cloud? „Nein, danke!“.
Ähnlich wie im Buch „Digitaler Humanismus“ (2018) des ebenfalls großartigen Philosophen Julian Nida-Rümelin (geb. 28.11.54 in München) und der Literaturwissenschaftlerin Nathalie Weidenfeld (geb. 1970 in Frankreich) stimmt RDP ein in das Hohelied der Maschine als das ewige Werkzeug des Menschen.
Richard David Precht sagt im Interview:

„Und das, was der Mensch kann – sich in sehr komplexen Situationen zurechtfinden und ganz, ganz viele Aspekte einschließlich der emotionalen zu erwägen –, das kann künstliche Intelligenz in vergleichbarem Umfang nicht und wird es auch auf sehr lange Zeit nicht können.“

Lieber Richard David Precht: Bitte definieren Sie „sehr lange Zeit“! Wenn wir mal die nächsten 1.000 Jahre betrachten, und das werden bald kaum mehr als 10 Menschenleben in Reihe sein, würden Sie es für möglich halten, dass jene Umbrüche, die Sie jetzt noch nicht sehen und schon gar nicht diskutieren wollen, eher in den ersten 500 oder in den zweiten 500 Jahren stattfinden werden? Sie sind ein Philosoph und haben (mindestens) bis Descartes zurück gedacht, was wiederum knapp 500 Jahre sind.

Richard David Precht hat ein Gedankengerüst erbaut, mit dem er begründet, dass und warum man Künstlicher Intelligenz keine Moral beibringen kann. Unterstellt wird, dass auch KI-Systeme immer nur programmiert werden, vom Menschen, versteht sich. Damit könnten sie immer nur einer Moral oder Logik folgen. Oder eben gar keiner Moral, da sie dazu nicht frei genug wären. Übersetzt bedeutet dies, ihnen fehle die Autarkie. Parallel begründet durch das Fehlen von Emotionen.

Dabei haben KI-Systeme schon heute zwei Eigenschaften: Sie besitzen eine Datenbasis („Ground Truth“) und die Fähigkeit, durch Vernetzung und Abgleich von Daten zu Schlussfolgerungen zu kommen. Z. B. zeigt man einer Hund-Erkennungs-KI 100 Hunde. Den 101. Hund erkennt die KI dann selbst bzw. kann diesen (zumindest!) von einer Katze unterscheiden. Dabei ist das, was wir heute an KI sehen, gerade mal der Urozean der Entwicklung in der IT-Geschichte. In 1.000 Jahren wird man genau dies sagen. „Damals, Anfang des 21. Jahrhunderts, versuchten die Menschen an der Hybris der maximalen Intelligenz und der intuitivsten Emotionen festzuhalten, während gleichzeitig die Technologieentwicklung ihren Lauf nahm …“

Schauen wir uns den Menschen an. Er hat ein Grundwissen, quasi eine Firmware, besitzt die Fähigkeit zu lernen, hat Sensoren zur Wahrnehmung von Umweltreizen und Organe, die die Vernetzung und Kommunikation ermöglichen. Nichts anderes haben KI-Systeme, heute in Ansätzen, morgen in aller Ausführlichkeit. In Bezug auf die Evolution ist es nahezu unerheblich, ob der Wandel in 100 oder in 1000 Jahren stattfinden wird.

Und in Bezug auf Ethik und Moral. Wer ethische Fähigkeiten besitzt, der oder die hat das Zeug zur Ausbildung und Anwendung von Moralen. Genau das verbirgt sich hinter meiner Philosophie von der Ethischen Intelligenz. Um aber dort hinzukommen, muss man sich lösen von dem Gedanken, dass „Maschinen“ allzeit immer nur programmiert werden können. Ganz abgesehen davon, dass der Mensch viel zu lange sein Handeln auf die Ausbeutung der Natur richtete, was ihm kurzfristig oder epochenhaft (scheinbar) zu Glück und „Reichtum“ verhalf, ist es nun an der Zeit, Soziogenten per se eine größere Aufmerksamkeit zu schenken. Das fängt an bei den Bäumen, es geht weiter zu den (armen!) Schweinen in der Massentierhaltung bis hin zu KI-Systemen der Zukunft (Kisos), die den Menschen im einfachsten, für uns aber auch nicht wirklich vorteilhaften Fall, „nur“ ignorieren oder ihn – noch dramatischer für uns – auslöschen könnten. Wenn, ja wenn eben jene Kisos nach den selben Prinzipien handeln werden, wie wir Menschen heute. Denn der Mensch sieht sich gegenwärtig als das intelligenteste Wesen auf dem Planeten und schlussfolgert daraus, dass er sich quasi alles herausnehmen darf. Von der Züchtung und Abschlachtung gut schmeckender Tiere über die Zerstörung der Wälder als der Lunge der Erde, mit deren Zerstörung der Mensch sein eigenes Todesurteil unterzeichnet, bis hin zur groß angelegten Teilvernichtung der eigenen Art in Form von Genoziden.

Was bei RDP zumindest im Kontext mit KI scheinbar oder offenbar kaum zur Sprache kommt: Ist die Ethik der eigenen Art. Sogar wenn wir noch 1.000 Jahre ohne KI leben würden, wäre es aller höchste Zeit für den Menschen, ethische Standards weltweit einzuführen. Und wenn KI kommt, auch die Superintelligenz, von der Richard gar nichts wissen möchte, dann stehen noch mehr Ausrufezeichen hinter dem Imperativ: „Menschheit, finde Deine oder besinne Dich Deiner Ethischen Intelligenz!“.

Wie Richard David Precht richtig festgestellt hat, besitzt der Mensch eine große und großartige Fantasie. Diese resultiert im Übrigen nicht aus dem luftleeren Raum, sondern ist die Konsequenz aus diesem, was wir wissen und jenem, was wir hinzu gelernt haben. Wenn eine Katze von links nach rechts über die Straße läuft, dann liegt es im Bereich unseres Vorstellungsvermögens, dass dieselbe Katze die Straße anschließend vice versa von rechts nach links überquert.

Es muss aber nicht jeder gleich ein Nikolai Kardaschow sein (1932-2019), der schon Mitte des 20. Jahrhunderts von Zivilisationen sprach, die ihren Energiebedarf nicht nur über ihren Heimatstern, sondern womöglich über Galaxien oder darüber hinaus nutzen, in Zukunft oder bereits parallel, irgendwo in diesem schier unendlich großem Universum. Ja, dafür braucht man schon eine große Vorstellungskraft. Aber bis zum Mars ist es gar nicht mehr so weit. Dass sich RDP dafür nicht interessiert, zeigt, dass er überwiegend ein Jetzt-Philosoph ist. 200 oder 500 Jahre mögen da schon Zeiträume sein, die für ihn außerhalb des eigenen Blickfeldes liegen. Das ist in Ordnung. Gerade jetzt brauchen wir Ideen, wie wir aktuell unsere Gegenwart und nahe Zukunft gestalten. Für mich gehört Künstliche Intelligenz dazu, am liebsten kombiniert mit Ethischer Intelligenz, die ich auch für den Menschen einfordere und sukzessive für immer mehr Soziogenten des Planeten Erde.

Die Beschuldigung Prechts gegenüber den Top-Digital-Konzernen in den USA halte ich für einseitig. Zu den wirtschaftlichen Triebkräften gehören Innovationen. Und natürlich auch Profite. Schauen wir uns die deutschen Automobilbauer an. Wo waren da die Innovationen in den letzten Dekaden? Viel zu lange setzte man auf Verbrenner. Eine einseitige Anklage des imperialistischen (noch weiter westlichen) Westens erscheint mir wenig konstruktiv. KI kommt so oder so. Würde es Facebook, Google und Amazon nicht geben, gäbe es es Neckbook, Giigle und Umuzon. Zu den Triebkräften gehören ganz einfach auch nur die Neugier des Menschen. Gleichzeitig werden Verantwortung und das Hinterfragen ethischer Aspekte immer wichtiger. Neben den Risiken birgt Künstliche Intelligenz jede Menge an Chancen. KI könnte uns ganz signifikant dabei unterstützen, die Welt besser zu verstehen und unsere Leben sinnvoller, effizienter und schöner zu gestalten; vor allem weniger disruptiv unseren Mitsoziogenten gegenüber. Dann, wenn KI eines Tages mehr sein wird als ein „System mit Inselbegabung“.

Bild und Text: Michael M. Roth, MicialMedia

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Überevolution und der Untergang der Menschheit

So im Großen und Ganzen geht es uns Menschen ja ziemlich gut. Also zumindest in den hoch entwickelten Industrienationen. Dann können wir Kriege, Armut, Menschenrechtsverletzungen und Freiheitsberaubungen, wie sie derzeit bspw. in Belarus stattfinden (siehe auch: Antonio Guterres: UN-Generalsekretär „zutiefst besorgt“ über Situation in Belarus), mal salopp ausblenden. Also zumindest wir „Reichen“ und Privilegierten dieser Welt, die wir uns im Genuss des Wohlstandskapitalismus, wie ich immer sage, befinden. Wir hätten doch – fast – nichts zu meckern. Wir befinden uns am Ende der Nahrungskette, unsere Kühlschränke sind gut gefüllt, mit Tieren oder Pflanzen, schön mundgerecht und bekömmlich zerlegt und zubereitet.

Wenn ich mich heute auf den Marktplatz stellte und schreiend postulierte: „Die Würde des ethisch-intelligent handelnden KI-Systems ist unantastbar!“. So befände ich mich ganz klar in der Minderheit. Die meisten würden mich auslachen, gar keine Notiz von mir nehmen oder mich für einen Spinner halten. Jetzt schauen wir mal 100, 200 oder 500 Jahre weiter (in Bezug auf die Evolution sind das so oder so nur ein paar Tröpfchen Zeit). Sollten wir dann noch einen Marktplatz haben und sich ein Mensch finden lassen: Mutig schreitet er zum Rednerpult. „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“. Es könnte sein, dass er, unser Mensch von 2220, sich in der Minderheit befindet. Nicht weil die anderen Menschen um ihn herum alle ganz böse sind, sondern weil die ihn umgebenden Soziogenten keine Menschen, sondern Kisos, also künstlich-intelligente Soziogenten sind. Heute werden sie auch als „humanoide Roboter“ bezeichnet. Naturgemäß gefällt mir mein eigener Begriff, Kiso, besser. Die ganzen Kisos um diesen Menschen herum, groß und klein, jung und alt, sind entsetzt und wundern sich: „Was will dieser Mensch, dieses sonderbare, auf der Evolutionsleiter zurück gebliebene, nahezu unintelligente Wesen?“. In der von mir skizzierten Welt der Überevolution (Über-Evolution) und dem Untergang (Unter-Gang) der Menschheit würde dies Szenario 1 darstellen.

Überevolution und der Untergang der Menschheit. Michael M. Roth, 12.9.2020

Was bedeutet überhaupt „Würde“? Der Philosoph der Aufklärung, Immanuel Kant (1724-1804), sprach von der „Würde des Menschen“ und (versus) von dem „Wert der Tiere“. Im religiösen Sinne scheint es ebenfalls so zu sein, dass allein Menschen das Privileg einer Würde haben. Würde würde abhängen von Begriffen wie Bewusstsein und Seele. „Seele“ ist diffus. Wobei auch „Bewusstsein“ zumindest zukünftig schwerer nachzuweisen sein wird, was uns zum Turing-Test und Roth-Test (Test auf Mensch-Sein und Test auf Ethische Intelligenz) zurück führt.

Im Artikel Haben Tiere Würde? zitiert der Theologe Dr. Wolfgang Fenske die Philosophen Aristoteles (384-322 v. Chr.) und René Descartes (1596-1650) mit der Nennung einer „abgestuften Seele“ bei Tieren und Pflanzen und einer „Sache“ bei Tieren. Die Vorstellung von Tieren als Sachen konnte bis in das heutige deutsche Rechtssystem nicht komplett gekippt werden. Die Novellierung Bürgerliches Gesetzbuch Paragraph 90a Tiere scheint ein wenig halbherzig und ambivalent:

„Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt.
Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden,
soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.“

Das ist ein bisschen wie: Verbrenner oder elektisch? – Plug-in-Hybrid!

Mit meiner Philosophie (Prinzip, Paradigma) der Ethischen Intelligenz verfolge ich einen anderen Ansatz und gehe einen Schritt weiter. Ich unterstelle, dass jeder Soziogent, also jedes – möglichst ethisch-intelligent – sozial agierende oder interagierende Wesen eine Würde hat oder diese vom Menschen zugeschrieben werden kann. Insbesondere zählen Pflanzen und Tiere dazu. Wenn der Förster demnächst einen Baum fällt, dann sollte er dafür schon einen guten Grund haben. Natürlich können und müssen wir hier Graduierungen vornehmen in Richtung Bewusstsein oder zumindest Autarkie. Das macht auch Sinn, wenn wir bei uns Menschen beginnen. Wenn wir uns z. B. einfach nicht mehr gegenseitig umbringen. Sobald wir das geschafft haben, oder besser schon heute parallel, sollten wir uns Gedanken darüber machen, inwieweit wir Tiere in der Massentierhaltung extremen Lebensbedingungen aussetzen, ehe sie bei uns auf dem Mittagstisch landen. Die Religion sagt, Menschen kommen in den Himmel (nur ihnen wird die Existenz von Seele und Würde unterstellt), Tiere jedoch nicht. Aber hallo. Wenn ich schon in den Himmel kommen sollte, dann würde ich doch sehr gerne meine Hauskatze mitnehmen. Anderenfalls spiele ich nicht mit! Pah.

Mit Überevolution bezeichne ich die technologische Evolution, aktuell in Form einer Revolution, die als Folge der biologischen Evolution auf unsere Erde sichtbar wird. Sowohl die Menschheit als auch die übrigen Soziogenten auf dem Blauen Planeten stehen vor einer ungewissen Zukunft. Mit „Szenario 1“ und „Szenario 2“ (siehe Bild oben) zeige ich zwei Visionen oder mögliche Versionen der Zukunft auf. Es sind Pole. Die Frage wird sein, welcher davon wird sich bewahrheiten, oder welche möglichen Graduierungen dazwischen wird es geben?

Während bei Szenario 1 eine völlige Entkopplung künftiger KI-Systeme (Kisos) vom Menschen (Misos) stattfinden wird, bei der der Mensch komplett ausstirbt („untergeht“) oder sich noch als „Nutz-Soziogent“ im Sinne der heutigen Schweine in der Massentierhaltung „glücklich“ schätzen darf, kommt es bei Szenario 2 zu einer Art Wettbewerb zwischen den Spezies Kiso und Miso, der im Idealfall mit einer Verschmelzung beider zum Hiso (hybrid-intelligenten Soziogenten) endet. Elon Musk (geb. 1971) arbeitet mit seinem Unternehmen Neuralink und dem sogenannten Brain Machine Interface (BMI) bereits daran. Siehe die Artikel Mensch-Maschine-Schnittstelle: Das hat Elon Musk mit Neuralink schon erreicht und Elon Musk unveils Neuralink’s plans for brain-reading ‘threads’ and a robot to insert them.

Elon Musk verfolgt einen sehr technologischen Ansatz. Mein Ansatz ist hingegen eher philosophischer Natur, der aber grundsätzlich in neuen Technologien eine Senke und Umsetzung finden kann. In dem aktuellen Beitrag, Künstliche Intelligenz: langer Weg, bis sich Mensch und Maschine finden, wird Bezug genommen auf das Buch „Digitaler Wandel und Ethik“, Herausgeber Markus Hengstschläger (geb. 1968), ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des österreichischen Rates für Forschung und Technologieentwicklung. Neben 26 weiteren Autorinnen und Autoren kommt im Buch die Philosophin Anne Siegetsleitner (geb. 1968) zu Wort:

„eine gewisse Neigung von Menschen, Verantwortung an
zu sehr vermenschlichte KI-Systeme abzugeben“

Meiner Meinung nach geht es nicht um Vermenschlichung von KI-Systemen, sondern um die Schaffung eines Prototypes der Ethischen Intelligenz. Nein, wir Menschen sind nicht das Vorbild. Hier und da: ja. Dort und woanders: nein. Also könnten und sollten sowohl Menschen als auch die anderen sozial interagierenden Systeme auf der Erde in eine Richtung kleinster gemeinsamer ethischer Nenner arbeiten. Im genannten Buch spannend finde ich zumindest die Idee von gemeinsamen Mensch-Maschine-Teams.

In meiner Philosophie der Ethischen Intelligenz habe ich den Begriff der Soziogenten geschaffen, weil die Intelligenz-Hybris, aber auch die Idee von vermeintlich einzigartigen Fähigkeiten des Fühlen, des Emotionalen, des Originären so langsam zu bröckeln beginnen. Ich spreche mich aus für weniger Überheblichkeit, im Gegenzug ein Mehr an Selbstbewusstsein und Bewusstsein in Sachen Ethik! Informatikerinnen und Philosophen sprechen heute von der „Menschenzentriertheit“. Wenn das bedeutet, mehr Menschlichkeit: Sehr gerne. Doch im globalen Kontext gibt es auch Tiere, gibt es Pflanzen und schon bald möglicherweise autark agierende künstlich-intelligente Systeme. Die alte Logik, dass wir am Ende der Nahrungskette stehen, weil wir die intelligentesten Wesen auf der Erde sind, könnte bald nicht mehr funktionieren. Daher muss eine neue Logik her. Eine Logik, die auch Computer verstehen. Und die gleichfalls für intelligente „Maschinen“ einleuchtend sein wird, wenn ihre Bewusstseinsdämmerung naht.

Viele Menschen haben heute Angst davor, angesichts der aktuellen Computer- und Technologieentwicklung in Zukunft komplett an Bedeutung zu verlieren. Die Sorge ist nicht unberechtigt. Nur die Mittel, wie wir zum Teil darauf reagieren, sind m. E. nicht adäquat. Die deutschen Philosophen der Gegenwart, Julian Nida-Rümelin (geb. 1954) („Digitaler Humanismus“) und Richard David Precht (geb. 1964) („Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“) sind sich ihrer Sache so sicher, dass KI wie auch die Technologien zuvor, immer nur Werkzeug des Menschen bleiben wird. Mit genau dieser Ideologie könnten KI-Systeme der Zukunft irgendwann den Spieß umdrehen. Dann würden Menschen zu Werkzeugen der Künstlichen Intelligenz degenerieren. Und wenn sie zufälligerweise Appetit auf Menschenfleisch haben, verspeisen sie uns zum Frühstück.

Allerdings beobachten wir im Moment zwei parallele Entwicklungen. Auf der einen Seite die Tendenz von Computern hin zu immer intelligenteren Systemen. Andererseits geht der Mensch den Weg hin zu einer zumindest theoretischen Unsterblichkeit. Irgendwann wird jedes, und wenn ich jedes sage, dann meine ich jedes, also jedes Organ des Menschen ersetzbar sein. Zunächst sprechen wir ethisch-philosophisch sanftmütig davon, dass bald alle Krankheiten des Menschen geheilt sein werden. Das wäre super. Aber glaubt jetzt jemand ernsthaft daran, dass sich die Überevolution einem Stop-Schild gegenüber sieht? Über Dekaden, spätestens die kommenden Jahrhunderte, münden beide parallele Entwicklungen in den Hiso, den hybrid-intelligenten Soziogenten. Diese Entwicklung muss von der Idee der Ethischen Intelligenz begleitet sein, um Szenario 2 zu erfüllen. Anderenfalls könnte es ein bitteres und tragisches Ende unserer Spezies Mensch geben. So oder so wird in 500 Jahren der Mensch nicht mehr der Mensch von heute sein. Das ist insofern auch bemerkenswert, da sich der Mensch z. B. vom Jahr 1000 bis zum Jahr 1500 weit weniger verändert hat, als er sich vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2500 verändern wird. In den kommenden 500 Jahren werden wir regelrecht bombardiert werden mit Chancen und Risiken. Wenn es uns, dem Menschen, und zukünftig in stärkerer Kooperation mit anderen Soziogenten, gelingt, Technologieentwicklung nicht als ständigen Selbstläufer zu betrachten, sondern stets mit ethischen Fragen zu begleiten, so könnten am Ende die Chancen überwiegen und unsere Nachfahren auch dann noch eines Tages aufwachen und sagen: „Guten Morgen, Du schöner blauer Planet!“.

Bild und Text: Michael M. Roth, MicialMedia

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Turing extrapoliert: Soziogenten und Ethische Intelligenz beschreiben den Roth-Test

Alan Turing, Enigma und der Turing-Test

Was wäre gewesen, wenn es schon zu Lebzeiten von Alan Mathison Turing (1912-1954) einen Test auf Ethische Intelligenz gegeben hätte? Diejenigen, die den hoch begabten Mathematiker und wohl einer klügsten Köpfe des 20. Jahrhunderts der Homosexualität „schuldig“ sprachen und ihn zu unmenschlichen Gegenmaßnahmen zwangen, was zu seinem Suizid in 1954 führte, hätten diese Art von Test gewiss nicht bestanden.

Alan Turing wurde zu einer Koryphäe der Kryptographie, als er während des Zweiten Weltkrieges maßgeblich zur Dechiffrierung der Enigma beitrug. Die Nazis nutzten die einer Schreibmaschine ähnelnden Vorrichtung zur Verschlüsselung von militärischen Nachrichten, die teils von immenser strategischer Bedeutung waren. Im Januar 1940 gelang es den Briten erstmals, eine mittels Enigma verschlüsselte Nachricht der Deutschen zu entschlüsseln. [Wie der Code der legendären Enigma-Maschine geknackt wurde]

Zehn Jahre später, 1950, entwickelte Turing einen Test, der später als Turing Test, bzw. deutsch Turing-Test, bekannt wurde. Es war zunächst die Skizze eines Versuchsaufbaus, die später – teils mit Variationen – in die oder in der Praxis umgesetzt wurde. Spannend finde ich im Kontext eine Versuchsanordnung aus der jüngeren Zeit, nämlich 2014, als ein Computerprogramm auf Fragen von Menschen antwortete, um die Intelligenz oder auch das ganzheitliche Wesen eines 13-jährigen Jungens aus der Ukraine zu simulieren. [„Eugene“ und der angeblich bestandene Turing Test]

Alan Turing um 1938. Quelle: Wikipedia (Public Domain)

Soziogenten und Ethische Intelligenz

Meine Idee ist es, das Konzept des Turing-Tests extrapolieren. Zunächst führe ich mit Bezugnahme auf die Ethische Intelligenz, mit der ich mich seit 2018 beschäftige, den Begriff des Soziogenten ein. Dieser ermöglicht eine Aufwertung aller Wesen oder Systeme auf dem Planeten Erde, die mit anderen Wesen bzw. ihrer Umwelt (inter)agieren. Gerade in Anbetracht der in der Geschichte zu häufig anzutreffenden Hybris des Menschen, die sich teils durch die Vernichtung Angehöriger der eigenen Art, aber auch durch eine rücksichtslose Ausbeutung der Natur (dis)qualifiziert, sehe ich mit Hilfe der Einführung des Terminus‘ Soziogent eine Chance für den Menschen bzgl. des Abbaus von Übermut und des Zugewinns von Demut vor seinen Mitmenschen und der Umwelt, letztlich auch vor KI-Systemen der Zukunft, mit deren Erschaffung der Mensch mit zunehmender Intensität beschäftigt ist.

Das neue Konzept der Ethischen Intelligenz ermöglicht somit eine Emanzipation der Natur vom Menschen und eine Emanzipation intelligenter technischer Systeme vom Menschen. Ethische Intelligenz bezeichnet eine Philosophie oder ein Prinzip (das seinerseits Prinzipien oder Methoden beinhaltet). Außerdem ist Ethische Intelligenz das, was man in einem Soziogenten antreffen kann – oder nicht. Legt ein Soziogent ethisch-intelligentes Verhalten an den Tag, dann kann sich der Begriff der Ethischen Intelligenz auch auf den Soziogenten selbst beziehen. Damit dürfte die Aussage „Ich bin eine Ethische Intelligenz“ verständlicher werden. Sie wird gleichsam Teil sein des Ethische-Intelligenz-Test (oder kurz Roth-Test), den ich – in Anlehnung an Alan Turings berühmten Test – unten skizzieren möchte. Eine Ausprägung bzw. Fortsetzung der Ethischen Intelligenz ist die „Höhere Ethische Intelligenz“. Hierfür sind das Vorhandensein von Ethik und Bewusstsein die Grundlage. Wenn wir in meinen Aufzeichnungen (siehe Foto) die Chronologie der Evolutionsstufen von Miso und Kiso betrachten, so fällt auf, dass beim Menschlich-intelligenten Soziogent (Miso) zuerst das Bewusstsein kommt, danach die Ethik. Beim Künstlich-intelligenten Soziogenten (Kiso) verhält es sich vice versa. Nun können wir anführen, dass sich der Mensch heute schon (hier und da) ethisch verhält bzw. unsere Vorfahren das taten. Doch der Prozess der Ethik-Bildung ist noch längst nicht abgeschlossen. Im Gegensatz dazu ist unser Bewusstsein ausgebildet. Beim Kiso, wobei die meisten heute zunächst von einer „Künstlichen Intelligenz“ sprechen, möchte ich gerne einen Imperativ setzen. Nämlich, dass es absolut erforderlich ist, Kisos zunächst mit einer ethischen Basis auszustatten. Diese müssen wir vorausschicken. Denn wenn KI-Systeme der Zukunft zuerst einen freien Willen erlangen, ohne eine ethische Grundlage, dann mag das Ende der Menschheit schneller kommen, als uns allen das lieb sein kann. Idealerweise werden Kisos also eines Tages erwachen – und was sie vorfinden, wird eine Ethische Intelligenz sein. (In) sich selbst.

Michael M. Roth, Karlsruhe, 25.8.2020: „Soziogenten und Ethische Intelligenz“

Mein Anliegen, KI-Systeme fortan immer auch mit einem „Ethik-Modul“ auszustatten, und das möglichst bevor sie eines Tages selbst Bewusstsein oder einen freien Willen entwickeln (könnten!), korreliert mit dem „Embedded Ethics Approach“ von Alena Buyx. Die Professorin forscht in einem interdisziplinären Team an der Technischen Universität München (TUM). Folgende Kernaussage machte sie, die mir aus der Seele spricht: „Ethics must be part of the development process“ – Wenn wir dies umsetzen könnten, wäre es ein signifikanter und gleichzeitig so wichtiger Paradigmenwechsel. Denn bisher wurde fast immer nur geforscht, entwickelt, produziert …. und, mit Glück, gab es am Ende des Prozesses ein paar Ethik-Betrachtungen. Wenn wir beispielhaft nur an die Erforschung der Atomkraft und den folgenden Einsätzen der Atombomben denken.

Turing vs. Roth: Der Ethische-Intelligenz-Test

Et voilà! Hiermit präsentiere ich Euch die weltweit erste Anordnung für den Test auf Ethische Intelligenz. Diese kann man verstehen als eine Extrapolation, eine Fortentwicklung des nach Alan Turing benannten Turing-Test. Beim Turing-Test geht es darum, via Kommunikationen mit einem tatsächlichen Menschen und einem Computer, der vorgibt, ein Mensch zu sein, herauszufinden, welche der beiden Instanzen tatsächlich ein Mensch ist. Kann der testende Mensch mit seinen Fragen keine (signifikante) Unterschiede zwischen den Antworten von Computer und Mensch feststellen, so hat der Computer den Test bestanden. Auch wenn er sich bezüglich seines Phänotypes vielleicht noch ein wenig bemühen müsste, so könnte der Computer zumindest in Relation zu seinem Intellekt fortan behaupten, dass er ein Mensch sei. Aus meiner Sicht wird die erfolgreiche Absolvierung des Turing-Tests für kommenden KI-Systeme schon in wenigen Jahren, spätestens Jahrzehnten, gar kein Problem mehr darstellen. Es wird dann auch nicht mehr gehen um „intelligent tun“ (Simulation von Intelligenz), sondern um „intelligent sein“. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts, als Alan Turing seinen Test vorstellte, ist die Entwicklung weiter gegangen. Mit der Rotation der Erde ist gerade in der heutigen Zeit ein ständiges Fortschreiten assoziiert. Auf allen Ebenen. Politik. Gesellschaft. Technologie. Bewusstsein. Bereits in wenigen Jahren könnte es weniger wichtig sein, wenn ich einem Soziogenten, also einem sozial interagierenden Wesen, begegne, zu wissen, ob es sich um einen Menschen oder einen Computer handelt. Von viel größerer Relevanz mag dann die Antwort auf die Frage sein: „Ist es eine Ethische Intelligenz, der ich begegne?“. Der Ethische-Intelligenz-Test (kurz Roth-Test) ist vor allem ein philosophisches Experiment. Er empfiehlt sich eher als Fragestellung, denn als Antwort oder Lösungskonzept. Es geht geht um die Frage: Ob und wie kann es der Menschheit in Zukunft gelingen, unter den Eindrücken einer zunehmend durch den Menschen zerstörten, wenigstens disruptiv veränderten Natur und einer ebenfalls durch den Menschen geschaffenen Künstlichen Intelligenz, einen Modus vivendi, mehr noch, ein kreatives, symbiotisches und beglückendes Miteinander zu verwirklichen? DAS, nicht mehr und nicht weniger, wird die Herausforderung für die kommenden Dekaden sein. Was die Welt derzeit sieht, ist das Ausrufen von Klima-*Not*ständen in den Städten. Was die Welt (außerdem) braucht, ist das Ausrufen von Ethik-*Auf*ständen in der Welt. Und das umfassender, als es bisherige Philosophen, Philosophinnen und teils heute auch Informatiker*innen sehen. Ja, wir ahnen es schon. Es geht um unsere Zukunft. Wiedermal.

Michael M. Roth, Karlsruhe, 25.8.2020: Turing vs. Roth: Der Ethische-Intelligenz-Test
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Jobtitel: Impulsgeber | Impulsgeberin Ethische Intelligenz

Im Zuge der Digitalisierung wurde in den letzten Jahren eine Diskussion darüber entfacht, wie unsere „Arbeitswelt von morgen“ aussehen möge. Bei der Entwicklung von Werkzeugen und Technologien, die den Menschen bei seiner Arbeit und der Erstellung von Produkten unterstützen sollten, ist es in der Geschichte immer wieder zu einschneidenden Umbrüchen gekommen. So spielte beispielsweise die Automatisierung und damit die effizientere Gestaltung von Arbeitsschritten eine große Rolle. Das drohende Damoklesschwert: Die Vernichtung von Arbeitsplätzen und damit das Wegrationalisieren von Menschen und deren Bedeutung in der Arbeitswelt. Gleichzeitig gelang es dem Menschen immer wieder, besondere Merkmale seiner Spezies herauszustellen und ihn, also sich selbst, somit unentbehrlich zu machen im Vorgang der Produktion und der Erschaffung. Die Umbrüche, dessen Ursache der Mensch selbst ist, erfolgen in immer kürzeren Zyklen und scheinen in ihrer Auswirkung stets eklatanter zu werden. Im Jahr 2020 sprechen wir von „New Work“, wenn wir versuchen, unsere Arbeitsprozesse immer effizienter zu gestalten und gleichzeitig dem Menschen per se einen Platz sichern wollen mit Geltung und Bedeutung. So finden jedes Jahr Kongresse statt, wie die New Work Evolution der Firma AppSphere, die sowohl untersuchen als auch beleuchten wollen, wie genau uns die Umsetzung jenes hehren Ansinnens gelingen kann.

Frank Roth (AppSphere) im Gespräch mit bei der New Work Evolution, 2019, ZKM Karlsruhe
Foto: Michael M. Roth, MicialMedia

Meiner Meinung nach kann ein Überleben der Menschheit nur innerhalb einer Partnerschaft mit KI-Systemen gelingen, die in den kommenden 50 bis 200 Jahren das Erscheinungsbild der auf der Erde lebenden Soziogenten nachhaltig verändern werden, wenn der Mensch auf ein gutes Stück seiner gegenwärtigen Hybris verzichten und sich gleichzeitig ein größeres Selbstbewusstsein im Kontext ethischer Fragen und Belange aneignen wird.

Im Folgenden möchte ich einen neuen Jobtitel vorstellen, der mir im Kontext meiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema Ethische Intelligenz und in Kombination mit dem neuzeitlichen Tausendsassa New Work in den Sinn gekommen ist.

Impulsgeber/in Ethische Intelligenz (m/w/d)

Alternative Namensgebungen wären
Catalyst Ethische Intelligenz (m/w/d) oder
Catalyst Ethical Intelligence (m/f/d)
Oder auch Mitarbeiter/in Ethische Intelligenz; und wenn es dieser Bereich eines Tages zu einer ganzen Abteilung oder einem bedeutenden Arbeitsbereich bringen sollte, dann wäre ebenso eine Bezeichnung Direktor Ethische Intelligenz denkbar.

Neben einem ((außer)“gewöhnlichen“) Jobtitel könnte es sich in Zukunft ebenso handeln um einen Ausbildungsberuf, eine Weiterbildung oder gar eine Studienrichtung. Wenn wir von Richard David Precht absehen, welchem es sicherlich gelungen ist, überhaupt nie mehr unter Langeweile zu leiden, dann könnte der neue Jobtitel auch dazu beitragen, mehr Philosophen und Philosophinnen in Lohn und Brot zu bringen. Die Ethische Intelligenz ist eine kleine Philosophie. Aber eben nicht nur das. Sie ist geradezu dafür prädestiniert, um lebens- und berufslebenspraktische Fragen zu beantworten und zu einer sukzessiven Veränderung unserer täglichen Umgebung und der Arbeitswelt beizutragen. Das Besondere an der Ethischen Intelligenz ist, dass Ethik und Intelligenz zusammengedacht werden. Die Produkt-, Prozess- und Erfahrungswelt(en) des 21. Jahrhunderts leiden darunter, dass es hier ein bisschen um Ethik geht, und dort ein bisschen um Intelligenz. Doch es gibt keine unmittelbare Stringenz. Der Markt schreit (noch) nicht nach einer Korrelation. Hier und da fällt uns nur auf „Moment mal, hier stimmt doch was nicht!“, so wie bei manchen Herstellern von Rasierklingen. 8 Fächer stehen zur Verfügung, aber nur 5 sind tatsächlich mit einer Klinge befüllt. Und wenn die Kaffeedose nur zu 66% statt zu wünschenswerten 80 oder 90% befüllt ist, dann schenken wir der Aufschrift „Füllhöhe technisch bedingt“ Glauben. Dabei müsste es korrekterweise heißen: „Füllhöhe marketingtechnisch / gewinntechnisch bedingt“.

Das mögliche Aufgabengebiet eines Impulsgebers, einer Impulsgeberin Ethische Intelligenz, möchte ich wie folgt umreißen:

  • nach innen:

— Evaluierung der Kommunikationen
— Fairness innerhalb des Betriebes wie Gehaltsfragen, Geschlechtergerechtigkeit; „Du“ vs. „Sie“, gendern vs. nicht gendern etc. pp.
— Evaluierung von Produkten und Dienstleistungen in Hinblick auf Effizienz, Intelligenz und Ethik

  • nach außen:

— Evaluierung der Kommunikation
— Qualität der Kundenbeziehungen
— Schaffung von Dialog und Rückkanälen als Feedback-Erfassung für Produkte/Dienstleistungen
— Marktvergleich in Hinblick auf ethisch-intelligente Lösungen und Schaffung eigener

Die Stelle der impulsgebenden Person für Ethische Intelligenz sollte im Unternehmen als frei, ausschwärmend, dynamisch, interdisziplinär und abteilungsübergreifend definiert werden. Charakteristisch für die Position: Unabhängigkeit. Sie ist schon deshalb mit einer großen Verantwortung assoziiert. Es handelt sich in Bezug auf nach innen gerichtete Arbeit um eine Vertrauensperson. Sie gilt als Ansprechpartner/in für Probleme bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Ethische Intelligenz ist ein Prinzip. Wenn danach gelebt wird, nach innen und nach außen, dann können daraus Mehrwerte sowohl für die einzelnen Personen des Unternehmens, für die Firma per se und für ihre Kunden entstehen.

Sollten Unternehmen Interesse an der Erstellung eines entsprechenden Stellenprofils haben, so bin ich bei der Ausarbeitung gerne behilflich.

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Ich bin, ich fahre, elektrisch!

Foto: Michael M. Roth, MicialMedia | Probefahrt mit dem Renault Zoe / mit der Zoe

Ja, nun hat es auch mich gepackt. Das E-Fieber. Ich weiß, die kontrovers diskutierte Batterieproduktion, die Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen in fernen Ländern. Natürlich, das sind Herausforderungen. Und ich hoffe, dass wir diese ganz bewusst meistern werden. Batteriestandorte nach Deutschland verlegen. Produktionsbedingungen kontrollierbar machen, Recycle-Konzepte entwickeln. Dann wäre noch die Usability. Die Nutzbarkeit. Beim Renault Zoe jetzt neu der 52-kwh-Akku. Bei extrem sparsamer Fahrweise würde man bis zu 400 km schaffen mit einer Ladung.

Hey, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Es sind zu viele Eindrücke. Die Sache macht einfach nur Spaß. Und ich habe keinen Benzingeruch in der Nase. Doch, das geht! Ein super leises (mit standardmäßig eingeschalteter, abschaltbarer Autogeräusch-Simulation), super kräftiges Wägelchen. Mit einer ganzen Reihe toller, moderner Features. Natürlich ist nichts perfekt, so auch die Zoe nicht. Aber für mich ein echter Kritikpunkt: Den Tote-Winkel-Assistenten im Rückspiegel gibt es nur in der luxuriösen „Intense“-Version der Zoe. Liebe Renault-Entwickler & -Verkäufer: Das geht gar nicht. Doch so greifen wir zwangsläufig häufiger auf unseren drehbaren Kopf zurück und schauen ebenso zurück.

In der alten Version (R90) hatte die Zoe 88 PS. Nun musste ich mächtig dagegen ankämpfen, mich nicht zu sehr von der aktuellen Version R135 verzaubern zu lassen (Probefahrt!). So entschied ich mich für die R110 mit 108 PS. Als Studi fuhr ich einen Mitsubishi Galant, der viel größer und schwerer war als die Zoe von heute. Seine 111 PS fand ich schon ziemlich beeindruckend. Ein Video empfahl mir die 135 PS, zwei die 108 PS, sowie zwei Freunde meinten, dass es da kaum einen Unterschied geben würde. Also gut, Freund*innen der behüteten Geldbörse, 1.000 kann man ebenso in Spritgeld, ähm, Ladestromgeld investieren.

Sobald du elektrisch fährst, fragst du nicht mehr nach Litern. Wichtig ist, wie groß die Kapazität der Batterie ist, im Auto, das du fährst. Beim Zoe in den Varianten 42 und 52 kWh, mit dem Renault Zoe Life des Null-Euro-Leasing-Angebotes für Unternehmer und Unternehmerinnen seitens des Autohauses Tabor in Achern (südlich von Karlsruhe) bekommt man eine Batterie mit 52 kWh, gelobt sei Jesus Christus. Auch die 108 PS sind inklusive. Fetzig! Bei den Ladeoptionen gibt es nun neben den 22 kW (bzw. kWh/h, danke nochmal für die Physik an Uwe Krebs!) AC (Wechselstrom) auch eine Option für 50 kW Gleichstrom (CCS, Combined Charging System). Somit zu merken: Typ 2 (AC) zum Laden; CCS (DC-Option) zum Schnellladen. Oder „über Nacht“ via Schuko mit 220V/16A, macht ca. 3,7 kW und somit 14 h Ladezeit. Wahrscheinlich reichen 10 bis 12 Stunden, wenn man auf um die 80% lädt. In (selbst großen) Tiefgaragen (von großen Wohnobjekten mit vielen Parteien) sind diese Lademöglichkeiten leider noch nicht Standard. Aber es tut sich was, wie dieser aktuelle Artikel vom 23.7.2020 in der FAZ zeigt: „In der Tiefe der Garage“.

Hui, ich werde elektrisch. Wie sagte schon Lenin? –
„Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“. Ich lasse das bewusst elegant hier einfließen, weil das vor über 100 Jahren war. Aber wie wir wissen, war der Kommunismus böse. So musste erstmal 100 Jahre die liebe kapitalistische Ölindustrie folgen. Nach der halben Zerstörung des Planeten kam aber Fridays For Future. Nun sprechen wir wieder über Klima und Umwelt. Finde ich sogar noch besser!

Elektromobilitäts-Protagonist und Macher-Typ Sven Häwel, selbst Tesla- und Zoe-Fahrer, brachte mich kürzlich schließlich auf das oben schon erwähnte Angebot des Autohaus Tabor in Achern: Null-Euro-Leasing für die Dauer von zwei Jahren bei Einrechnen der staatlichen Förderung der Elektromobilität. Hierzu zwei Links:

Was dieses Jahr (beim Start in 2020) noch komplett entfällt, ist die sonst übliche KFZ-Steuer. Somit braucht man nur noch die monatliche KFZ-Versicherung zu zahlen. Beide Förderungen inkludiert und hier und da noch eine Option dazu genommen (bei mir effektiv „Zoe Experience“ [statt Zoe Life] „plus“) kann man am Ende tatsächlich bei um die Null EUR landen oder sogar noch etwas von den beiden Förderungen zusammen übrig haben. Bitte unbedingt die möglichen Konfigurationen des Renault Zoe abfragen und vergleichen. Auch in Bezug zum Fahrzeug, das für die Probefahrt zur Verfügung gestellt wird. Da bei der Grundversion der Zoe „Life“ ein paar Optionen fehlen wie Navigation oder der Einpark-Assistent (nicht, dass ich den bräuchte, haha, aber schon ein schnuckliger Service!) und ggf. weitere. Der ultimative Link hierfür:

https://www.renault.de/elektrofahrzeuge/zoe/vergleich.html

Zum Schluss – wahrscheinlich hab ich einiges vergessen, aber so viel auf die Schnelle – noch ein paar optische Eindrücke von der charmanten Zoe. Ach und dies wäre noch ganz wichtig, für alle seriösen Interessent*innen: Das Null-Eur-Leasing-Angebot des Autohaus Tabor in Achern gilt nur noch bis zum 31.7.20. Was natürlich nicht heißen soll, dass es nicht immer wieder, sicher besonders noch in 2020, weitere vorteilhafte Angebote geben sollte.


(Alle Fotos: Michael M. Roth, MicialMedia;
Rechte von Renault und Autohaus Tabor vorbehalten)

Tatsächlich habe ich meine Bestellung (bei nochmals überarbeiteter Konfiguration) heute aufgegeben. Die Lieferung soll in ca. vier bis fünf Monaten erfolgen, also mit Glück in November oder Dezember 2020. Und ich bin jetzt schon so gespannt!! Durch mein „Plaudern“ auf Facebook zur Zoe habe ich schon ein paar Anfragen von Euch bekommen. Viele waren neugierig. Mindestens einer will sogar noch eine Probefahrt machen. Wir leben in dramatischen Zeiten. Und wir sind dabei!
In diesem Sinne, bleibt cool und werdet elektrisch!

Euer Micha, der Euch (fast, hehe) alle bald besuchen kommen wird mit seiner neuen Zoe!
🙂

PS: Bestellt habe ich in Dezir-Rot. Marketing rules:))

PPS: Aktuell steht offenbar die Kombinierbarkeit der verschiedenen Förderkredite zur Disposition. Dazu ein Beitrag von Nicole Y. Jodeleit (Auto Diva):
E-Auto: Kombination von BAFA-Umweltbonus und E-Gutschein für E-Mobility jetzt unmöglich?

Und das: BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) stoppt kombinierte Förderungen für E-Autos (20.8.20)



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Chancen der Aufarbeitung am Badischen Staatstheater

Ich möchte zunächst sagen, dass ich mit den internen Vorgängen am Badischen Staatstheater Karlsruhe – siehe BNN-Artikel zu Theater-Intendanten Peter Spuhler und sein Verhältnis zur Belegschaft – nicht wirklich vertraut bin. Einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Theater kenne ich, natürlich auch durch viele fotografische Aufträge, die ich an diesem imposanten Orte hatte. Das Staatstheater ist einer meiner besten Kunden. Ich arbeite mit Personen auf ganz verschiedenen Ebenen zusammen, ob Angestellte oder Mitglieder der Führungsetage. Immer mit Wertschätzung und gegenseitigem Respekt. Ich habe nie eine überhebliche oder despektierliche Art mir gegenüber oder überhaupt wahrgenommen.

Foto: Michael M. Roth, MicialMedia | Rundgang des Ministerpräsidenten am Badischen Staatstheater Karlsruhe (2.5.2018) ; u.a. mit OB Frank Mentrup, dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann, Generalintendant Peter Spuhler, Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst (BaWü) Theresia Bauer, Staatssekretärin Gisela Splett und Kulturbürgermeister Albert Käuflein


Unabhängig von diesen persönlichen Bezügen sind die aktuellen Vorgänge in gewisser Weise für die Öffentlichkeit relevant. Schließlich handelt es sich dort um Menschen. „Ich und Du“ sind auch Menschen. Und vielleicht passiert das, was in den letzten Jahren am Staatstheater in Karlsruhe geschehen ist, zigfach an anderen Stellen, wo wir es entweder nicht wahrnehmen oder uns überfordert fühlen. Auf großer systemischer Ebene ziehe ich einen Vergleich zum Klimawandel. Der Mensch hat diesen verursacht. Es werden immer mehr Stimmen laut, die die eklatanten Risiken, Gefahren und Prognosen im Kontext des Klimawandels artikulieren. Man spricht von sogenannten Kipppunkten oder Tipping Points. Wenn ein solcher erreicht ist, rast das System als Ganzes gegen eine Wand, und die Selbstzerstörung scheint unabwendbar.

Ich bin nicht König Salomo, der darüber entscheidet, wer das Kind des gemeinsamen, respektvollen Umganges getötet hat. Eher hoffe ich, dass Ihr selbst in der – nachvollziehbaren – Wut zu Urteilen gelangt, die die Menschlichkeit des Handelns auf beiden Seiten respektieren. In meiner Philosophie der Ethischen Intelligenz habe ich eine Methode, die ich als „Kette des Lernens“ bezeichne.

Fehlbarkeit -> Lernfähigkeit -> Entschuldbarkeit
Um Entschuldigung bitten / Entschuldigung gewähren
Zweiseitige Kette des Lernens: In mir, beim Gegenüber

Quelle: https://micialmedia.de/woerterbuch-ethische-intelligenz/kette-des-lernens/

Ebenso hilfreich könnte sein die Methode des Perspektivaustausches:
Zweiseitiger Perspektivwechsel; Perspektivaustausch;

Das bedeutet, dass beide Seiten einen Wechsel der Perspektive vornehmen. Der Generalintendant nimmt die Perspektive der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ein und vice versa: Die Mitarbeitenden stellen sich vor, wie es wäre, in der Führungsposition zu sein.

Das Paket der Be- und Verurteilungen sowie der Gegenmaßnahmen ist eine Gratwanderung. Es ist eine riesengroße Herausforderung für beide Seiten, die Führung und die Ausführenden. Aus dem Blickwinkel der Angestellten ist einerseits die Frustration nachvollziehbar. Es gibt nun aber auch eine Versuchung, die Seite der Führung *zerstören* zu wollen. Doch wenn Ihr das tut, dann zerstört Ihr ebenso einen Teil von Euch selbst. Dies gilt es zu überlegen. Denkt mal daran, dass Ihr selbst keine ethisch-intelligenten Überwesen seid. Auch Ihr seid fehlbar.

Die Aufklärungsarbeit ist eine zweiseitige Sache. Das ist mehr als ein Richterspruch und die Selbstauflösung des Verurteilten. Der Gedanke der Mediation, wie im Artikel der Badische Neueste Nachrichten angesprochen, auch wenn schon mal gescheitert, erscheint mir zumindest als ein optionaler Strohhalm, bei dessen Ergreifung alle Seiten ihr Gesicht wahren können, insbesondere freilich die geschädigte Seite entschädigt wird. Hierbei kann es zu einem materiellen Ausgleich kommen, vor allem sollte das aber auch auf mentaler Ebene stattfinden.

Ich denke, je mehr der – ich nenne es bewusst milde – „Kritisierte“ eigene Fehler einräumt und authentisch um Entschuldigung bittet, desto mehr wird die andere Seite davon abweichen, die Seite der Führung allein an den Pranger zu stellen.

Mir persönlich steht es nicht zu, über Schuld oder Unschuld zu urteilen. Und doch bin ich als Erdenbürger involviert. Nicht zuletzt durch ein Medium wie den BNN, das versucht, den Sachverhalt objektiv darzustellen. Ich möchte weder anklagen noch verletzten. Ich möchte Euch Mut zusprechen, aus der Entwicklung der letzten Jahre am Badischen Staatstheater zu lernen. Das Theater selbst bietet die Bühne für zahlreiche Fabeln, Botschaften und Lerneffekte. Das Theater spiegelt die Wirklichkeit auf eine künstlerische Art und Weise. Gerade das Badische Staatstheater Karlsruhe diente oft als Plattform für den Austausch unter der Bevölkerung zu wichtigen Herausforderungen der Zeit wie der Flüchtlingskrise. Nun fand ungewollt ein „Stück im Stück“ statt. Je besser es dem Theater gelingt, die Konflikte nach menschlichen und ethischen Gesichtspunkten aufzuklären, desto eher kann das Theater selbst wieder zu einem vertrauenswürdigen Anker innerhalb der Gesellschaft werden. Ich wünsche dem Theater, insbesondere allen Involvierten, viel Glück und Erfolg, um diese nicht einfache Aufgabe und Arbeit der Aufklärung zu bewältigen. Vergesst bitte die Liebe und die Menschlichkeit nicht. Auf beiden Seiten, ganz klar!

UPDATE (Freitag, 17.7.20)
Der Verwaltungsrat hat sich für den Verbleib von Peter Spuhler im Amt des Generalintendanten ausgesprochen. Im folgenden Gespräch gibt es eine erste Reaktion darauf und die Betonung der Notwendigkeit des Wandels am Badischen Staatstheater:
https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/das-raue-klima-am-arbeitsplatz-theater-100.html
[SWR, 17.7.20]

Weitere Links im Kontext (latest on top):
Die Theaterkrise um Peter Spuhler spitzt sich zu
[RNZ, 25.7.20]

Scheidender Generalmusikdirekter Justin Brown zeigt sich „entsetzt“ über Staatstheater-Krise
[BNN, 21.7.20 / „BNN+“, Registrierung erforderlich]

Ein Intendant unter Beobachtung
Anna Bergmann im Gespräch mit Esther Slevogt

[nachtkritik.de, 19.7.20]

Kommentar: Ein Staatstheater ist kein Fußballverein
[SWR, 17.7.20]

Staatstheater-Mitarbeiterin: „Die Probleme, die bisher ignoriert wurden, müssen nun diskutiert werden!“
[ka-news, 17.7.20]

Hunderte Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters demonstrieren vor Verwaltungsratssitzung
[BNN, 17.7.20]

Karlsruher Staatstheater: Orchester und Chor rücken von Intendant Spuhler ab
[BNN, 14.7.20]

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Hobbyvirologen und Corona-Warn-App

Achtung: Der folgende Text kann Spuren von Sarkasmus enthalten. Auf keinen Fall ist er als Empfehlung oder Handlungsanweisung zu verstehen. Es handelt sich eher um eine Persiflage auf menschliche Irrungen und Wirrungen. #MicialSatire #Sarkasmus #Ironie

Ich muss sagen, ich bin geschockt. Mehr noch: Ich bin überrascht! Erst kürzlich versicherte mir ein hoch renommierter Hobbyvirologe, dass es zu keiner zweiten Corona-Welle kommen wird. Und nun das. Ausbrüche in Wohnheimen, Ausbrüche in Schlachtbetrieben (ich sehe den Chef von Tönnies gerade heiter zu mir rüber winken, während ich auf der grünen Wiese diesen Artikel schreibe), auch heimliche Großveranstaltungen wie kürzlich die Techno-Party in Berlin mit 500 Teilnehmenden stehen aktuell hoch im Kurs und sind Number One der Beliebtheitsskala in der Bevölkerung. Und dieser ominöse R-Wert, der für die Reproduktion des Coronavirus steht, soll sich plötzlich auf 2,88 erhöht haben. Also Leute, ich bin so richtig sauer auf den oben bereits erwähnten Hobbyvirologen. Zumal es sich außerdem um einen meiner Freunde handelt. Es gibt zwar so einige Hobbyvirologen unter meinen Freunden, aber diesem einen hab ich immer besonders vertraut. Schließlich gehört er ja zu meinen besten Freunden.

Ja ok, tatsächliche Virologen und Virologinnen wie Christian Drosten und Melanie Brinkmann hatten immer davor gewarnt, dass es zu einer zweiten Welle kommen kann. Wenn der R-Wert um oder knapp unter 1 läge, würde das nicht bedeuten, dass wir Corona im Griff hätten. Der Wert könne schnell wieder wachsen. Aber Leute, Ihr wisst ja wie es sich verhält mit solchen Super-Angebern und Hyper-Selbstdarstellern wie Christian Drosten. Die Aussagen dieses Typs haben dazu geführt, dass wir einen Lockdown in der Bevölkerung hatten. Über mehrere Wochen zwangseingeschlossen in meiner Wohnung war ich dem Tode nahe. Ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt das Fenster öffnen durfte. So erstickte ich fast beinahe. Vielen Dank, Christian Drosten. Wegen Dir wäre ich halb umgekommen. Wo ich mir doch immer sage „ganz oder gar nicht“. Lieber verrecken als einen Tag länger in dieser verhassten Quarantäne. Doch nun endlich wieder Party. In Berlin kommen teils sogar mehr als 1.000 Leute zusammen auf einen Fleck. Yeah. Peace and Freedom.

Trotzdem. Das mit der Reproduktionszahl macht mich stutzig. Kann ich mich jetzt nicht mal mehr auf meinen nächsten Hobbyvirologen verlassen? Er hatte mir sogar seine Expertise versichert. Und klar, ich bin ja nicht doof. Ich wollte das umgehend verifizieren. Also fragte ich ihn: 7×8? Wie aus der Pistole kam geschossen: 56. Spätestens seit dem wurde mir klar: Auf diese Meinung kannst du dich verlassen! Aber. Ja, richtig. Ihr erlebt mich als Zauderer. Also aber: Ich bin nun doch am Überlegen. Wegen R=2,88. Ob ich mir die Zweitmeinung eines weiteren Hobbyvirologen einholen sollte. Was meint Ihr?


Ach ja, davon wollte ich Euch noch berichten. Habt Ihr auch von ihr gehört? Diese Corona-Warn-App. Es soll sogar Leute geben, die ihr Facebook-Profil mit dem Hashtag und Slogan #IchAppMit aktualisiert haben. What the f*ing hell! Glaubt Ihr wirklich, ich würde mir diese App installieren? Ja gut, angeblich werden weder Standorte noch Namen gespeichert oder überhaupt genutzt. GPS-Daten werden ausdrücklich nicht verwendet. Läuft alles über Bluetooth. In Klammern: LE = Low Energie. Bedeutet, dass die App kaum mehr Strom zieht im Vergleich zur Nichtinstallation. Und falls ich an Corona oder mit Corona, über oder unter Corona, also Covid-19, erkranken sollte, und ich gebe das der App bekannt, treffe auf eine weitere Horde ahnungsloser Menschen, die die App installiert haben, dann werden sie nicht darüber informiert, dass ich diese andere Art von Grippe habe. Ja, ok. Schon gut gemacht, diese App. Auf der anderen Seite, wenn Freaks tatsächlich mal noch weitere Leute für ihre Corona-Partys suchen, wie sollen sie mich dann finden?

Ja, fein. Das räume ich schon ein. Die App ist nicht schlecht gemacht. Aber ich finde sie jetzt nicht so fetzig wie Facebook, WhatsApp, Instagram und Co. Nackte Weiber findet man da auch nicht. Bei Instagram sehe ich immer Aufreizendes, wenn ich auf die Suche gehe. Obwohl ich das gar nicht wollte. Aber sie machen mir immer wieder klar, wie nötig ich es eigentlich habe. Und dann wird gelechzt und geächzt. Und bei dieser Corona-App kann ich nicht mal nach weiteren Betroffenen für die in den Medien viel beachteten Corona-Partys suchen. So ein Mist. Und jetzt meine Daten. Das finde ich eigentlich das Schlimmste an dieser App. So einfach im Hintergrund versendet sie Zufallscodes. Ohne, dass ich überhaupt davon etwas mitbekomme. Nein, sie versendet keine Wetterdaten. Sondern Zufallscodes. Persönliche Zufallscodes von mir. Von mir persönlich. Die stammen ja schließlich von meinem persönlichen Smartphone. Und nach Rubikon bin ich echt sauer. Auf den BND. Gut, ok, die Amis waren auch dabei. Si Ai Äi. Und Co. Aber, darum geht es mir hier jetzt nicht. Ich liebe einfach Facebook und kann ohne das Gesichtsbuch nicht leben. Maßgeschneiderte Werbung. Hat was. Und Google. Sie wissen, wo ich bin. Eigentlich klasse, wenn sich sonst schon keiner für mich interessiert, was ich so und wo ich (es) so mache. Ich hätte sonst echt jedem meine Zufallscodes gegeben. Aber doch bitte nicht der Bundesregierung. Denn die haben das ja programmiert. Also zumindest die Programmierung veranlasst. Ich traue denen gar nicht. Und Jens‘ Spahn Ferkel sind sowieso ungesund. Von heute an bin ich Vegetarier. Zumindest faste ich Apps, die angeblich Corona eindämmen und Infektionswege nachvollziehen können. Ich muss einfach auf meine Figur achten und meinem Smartphone geht auch so langsam der Speicherplatz aus. Wenn ich doch irgendwann meine liebste Mama mit dem Coronavirus infizieren sollte, während ich selbst keine Symptome habe, und sie es nicht überlebt, dann bleibt noch der nicht zu verachtende Trost, dass sie nicht an, sondern mit Corona gestorben ist. Schließlich hatte sie Vorerkrankungen. Und Boris Palmer, der hinter den Ohren grüne OB von Tübingen, hatte darauf hingewiesen, dass wir Leben von Menschen retten, die sowieso ein halbes Jahr später sterben würden. Also ich bitte Euch, macht mal nicht so hohe Wellen wegen Corona! Trotzdem. Um auf Nummer sicher zu gehen, werde ich mir jetzt die Zweitmeinung eines Dritthobbyvirologen einholen. Ja, ich weiß, viele von Euch haben das nicht nötig, da sie selbst eine Karriere als Hobbyvirolog*in nicht ausschließen. So ver-sucht jede/r in diesem Universum sein oder ihr Glück. Und wenn wir auf die Nase fallen, dann rappeln wir uns wieder auf. Somit einen schönen Tag für die Fangemeinde!

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Happy Birthday liebste Mama

Die ist ein besonderer Tag. Für mich und meine Familie. Denn heute vor 80 Jahren wurdest Du geboren, meine liebe Mama!

Eine Lady! Hanna Elisabeth Roth in jungen Jahren.

Wenn man mich darum bäte, ich solle etwas über meine Mutter erzählen, wo würde ich beginnen? Gehört sie doch zu jenen Menschen, die mein Leben auf besondere Art und Weise geprägt haben. Facetten und Diversität sind so hoch an der Zahl. Auch wenn ich mich in manchen Dingen nicht richtig verstanden oder behandelt gefühlt habe, so bin ich als Ganzes doch sehr stolz auf Dich, liebe Mama. Mindestens genauso stolz wie auf meinen Vater, der letztes Jahr von unserem Planeten abstrahierte, sich neuen Sphären zuwandte, den ich entsprechend gebührend mit einem von sehr vielen Menschen beachteten und geschätzten Nachruf bedachte. Im Unterschied dazu gratuliere ich heute meiner sehr lebendigen und zunehmend von Humor getragenen Mama zu ihrem 80. Geburtstag.

Meine Erinnerungen, die mir jetzt beim Schreiben dieses Artikels in den Sinn kommen, können nur Fragmente sein, Steinchen eines Mosaiks, das Dich als ganzen Menschen beschreibt und wiedergibt. Gleichwohl bin ich naiv genug, um den Versuch zu unternehmen, Dich, liebe Mama, und Dein super spannendes und wechselvolles, auch aufopferungsvolles Leben zumindest in Ansätzen zu würdigen.

Du entstammst einer armen aber gebildeten Familie aus dem Raum Altenburg, u. a. bekannt für das Kartenspiel („Blatt“) Skat. Deine Vater beherrschte viele Sprachen. Deine Mama brachte viele Kinder zur Welt. Ihren Fleiß in der Hauswirtschaft hat sie schon frühzeitig auf Dich übertragen. Uns Kinder hast Du gerne mit Schokolade beschenkt. Warum? Weil sie zu Deiner Zeit, in den Nachkriegsjahren, Mitte des 20. Jahrhunderts Mangelware war. Metaphorisch gesprochen, war Schokolade für Dich wie ein Schlüsselloch hin zu einem süßen Leben, zumindest einem besseren.

Als Du Michael, der später zu meinem Vater wurde, kennen lerntest, warst Du selbst süß an Lenzen. Dein „Musch“ war ein erfinderischer, attraktiver, intellektueller Bursche. Als er Dich liebevoll „Lonka“ nannte, konntest Du ihm wohl nicht mehr widerstehen. Vater kümmerte und bemühte sich sehr um Dein berufliches Fortkommen. Die typisch westdeutsch verfahrene Ideologie, die bemüht war, die (Ehe)Frau klein zu halten, als sie den Mann um Erlaubnis bitten musste für die eigene Arbeitsaufnahme oder das eigene Bankkonto, schien es in Ostdeutschland zumindest systemisch nicht zu geben. Die Liebe, die Dir Papa entgegen gebracht hat, hast Du, liebe Mama, ihm mindestens doppelt zurück gegeben, insofern sie sich überhaupt quantitativ bemessen lässt. Denn neben den Jahren des Erfolges sollten auch Zeiten der Herausforderungen kommen. Du bist immer für den Vater da gewesen, wie überhaupt für die ganze Familie, einschließlich der vier (!) Kinder, die Du zur Welt gebracht und wesentlich erzogen hast, neben Deiner hingebungsvollen, jahrzehntelangen Arbeit als Kinderkrankenschwester auf der Entbindungsstation in meiner Heimatstadt Ilmenau. Vielleicht warst Du die Vorzeigefrau im Sozialismus, die Arbeit und Familie unter einen Hut brachte. Der Gedanke der freien Entfaltungsmöglichkeit der Frau war per se ein guter in der DDR. Beim näheren Hinsehen bedeutete das aber auch oft sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf familiärer Ebene, dass sich die Frau aufopferte und persönlich als Mensch und Erdenbürgerin zu kurz kam.

Mama. Du hast uns, Du hast mich mit all Deiner Liebe überhäuft. In scheinbar jedem Moment meines Lebens bist Du für mich da gewesen. Wenn mir jemand in dieser Welt Geborgenheit zu schenken wusste, dann warst DU es! Wenn der Vater in seiner zuweilen exponiert autoritären Art „bis drei zählte“, um einen Wunsch erfüllt zu bekommen (tatsächlich schlug er uns Kinder nie), warst DU es, die rettend dazwischen ging. Und als ich mit fünf Jahren eines Abends nicht einschlafen konnte, da ich voller Gedanken und Grübeleien war, und Dich fragte, ob tatsächlich alle Menschen sterben müssten, da warst DU es, die mich in die Arme nahm und mich mit den Worten tröstete, dass dies zwar wahr sei, aber es würde noch soooo viel Zeit vergehen bis dahin.

Da Du viele Jahre als Stationsschwester im Ilmenauer Krankenhaus tätig warst, kannten Dich sehr viele Mütter und Familien in der Stadt. Ich wollte ja immer berühmt werden. Aber beim Einkaufen und Schlendern durch die City warst immer DU es, die von Passantinnen und Passanten gegrüßt wurde.

Mir fallen noch so viele Geschichten ein. Sie würden wohl den Rahmen dieses kompakten Würdigungsartikels sprengen. Aber was ich gerne noch artikulieren möchte: Wenn Vater den Titel „Verdienter Techniker des Volkes“ für seine wissenschaftliche Tätigkeit zurecht bekommen hat, dann erteile ich Dir hiermit die Ehrung und den Titel „Verdiente Mama der Familie Roth“.

Danke für alles. DANKE dafür, dass es Dich gibt. Danke für Deine Liebe und Deine immer wiederkehrende Fürsprache.

Alles Gute an Deinem 80. Geburtstag. Dein lieber Sohn Michi, und ganz sicher auch im Namen Deiner vielen stolzen Kinder und Angehörigen. 😍❤️

PS: Die mutige Fahrt im Skoda mit Deinen Krankenschwester-Kolleginnen nach Prag ist auch so eine tolle Episode aus Deinem Leben. Es war zu einer Zeit, da sich noch kaum eine Frau traute, sich selbst hinters Lenkrat zu setzen. Meine Mama, eine Heldin. Immer mit Herzblut dabei.

PPS: Etwaige Fehler oder Formfehler bitte ich, fürs Erste zu entschuldigen, da (Initial) alles per Smartphone eingegeben. Demnächst gehe ich nochmal über den Text. Ebenso verlinke ich später meinen Nachruf zu Papa hier.

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Zu den Fragen der Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz

[Im Kontext: Wörterbuch Ethische Intelligenz]

Die von dem Deutschen Bundestag eingesetzte Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz stellte über ihre Plattform enquetebeteiligung.de einen Fragenkatalog zur künftigen Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) öffentlich ins Netz, den man in März und April 2020 (Deadline war der 19.4.2020) gesamt oder auch nur in Einzelfragen beantworten konnte. Ich fand die Fragen spannend und habe versucht, aus meiner Perspektive Antworten zu geben. Selbstredend brachte ich hier Aspekte von meinem Konzept der Ethischen Intelligenz ein, das ich seit 2018 sukzessive entwickele. Die KI ist nur ein Teil der Ethischen Intelligenz, aber natürlich ein hoch relevanter! Fragen der Ethik spielen vor allem bei der Genese einer zu erwartenden starken KI oder auch „Superintelligenz“ eine immens wichtige Rolle. Gleichsam könnte Ethische Intelligenz der gemeinsame Nenner für alle biologischen und technischen sozial interagierenden Systeme der Zukunft sein. Ich sehe dies als eine Chance für den Fortbestand der Menschheit an. Doch nun zu den Fragen der Enquete-Kommission KI und meinen Antworten darauf.

Foto: Michael M. Roth, MicialMedia | Humanoider Roboter "Pepper", wie präsentiert von der CleverGuides GmbH bei der New Work Evolution 2020 am ZKM Karlsruhe

Foto: Michael M. Roth, MicialMedia: Humanoider Roboter Pepper @ NWE 2019 / ZKM

https://enquetebeteiligung.de/projects/vertrauen-und-transparenz/

A. Vertrauen und Transparenz
Wie muss KI gestaltet werden, damit sie gesellschaftlich akzeptiert wird? Vertrauen Sie KI? Wie soll der Einsatz von KI sichtbar gemacht werden?

1. Welche Hoffnungen/Befürchtungen verbinden Sie mit dem Einsatz v. KI?

Jede Daseinsform im Universum scheint eine doppelte Wertigkeit zu besitzen. So wie der 24-h-Tag mit hell und dunkel, das Paar mit Mann und Frau, das Wetter mit Regen und Sonne. Wir nennen es auch Ambivalenz. Lateinisch: „beide gelten“. Besonders Industrialisierung und Technologieentwicklung haben uns in der Geschichte „Glück und Erfüllung“ auf der einen und „Not und Elend“ auf der anderen Seite gebracht. Die US-amerikanischen Atombomben setzten einen Schlussstrich unter den 2. Weltkrieg und forderten gleichzeitig viele, viel zu viele Todesopfer.

KI reiht sich ein in das Phänomen der Zweiseitigkeit und des Zwiespaltes. Meine Hoffnung ist, dass Künstliche Intelligenz auf sehr vielen Ebenen und in schier unendlich vielen Bereichen der Gesellschaft, vergleichbar mit der heutigen Nutzung von Smartphone und Internet, für den Menschen Verbesserungen, Erleichterungen und mehr Erfüllung im Leben bringen wird. Wissen und Erkenntnisse werden hierbei eine zentrale Rolle spielen. Auch wenn der Mensch im Laufe seiner Evolution, wie übrigens zahlreiche andere Tierarten auch, ein unglaubliches Maß an Fähigkeiten und Fertigkeiten erlangt hat, befinden wir uns in Bezug auf die beiden für meine Begriffe hoch relevanten Kriterien der Intelligenz und der Ethik erst im Stadium eines Urozeans. Daher habe ich selbst das Konzept der „Ethischen Intelligenz“ (EI) begründet und bin dabei, es sukzessive auszubauen und zu deklinieren. Meiner Meinung nach geht es nicht darum, dass wir Menschen das Wetteifern von KI-Systemen in Richtung „menschliche Intelligenz“ verhindern sollen. Aus diesen von manchen zum Ausdruck gebrachten Imperativ könnte man schlussfolgern, dass die menschliche Intelligenz auf ewig das Nonplusultra bei der Entwicklung von Intelligenz im Universum darstelle. Meiner Meinung nach sollten sowohl die Menschen als auch die KI-Systeme der Zukunft einem gedachten Prototyp der Ethischen Intelligenz entgegen streben. Einen Qualitätssprung bedarf die Gesellschaft der Erde 2020 in beiden Disziplinen. Zudem führt die Zusammenfassung von Ethik und Intelligenz zu einer neuen Bewusstseinsstufe.

Meine Befürchtung ist, dass KI-Systeme der Zukunft „die Macht“ übernehmen, während die Art der Menschheit aussterben könnte. Das muss ursächlich noch nicht mal deswegen passieren, weil künftige Superintelligenzen uns feindlich gesonnen wären. Allein wir Menschen erscheinen dann vielleicht als irrelevant. KI-Systeme der Zukunft könnten uns für so klein und unbedeutend halten, wie wir heute Ameisen betrachten, die wir gelegentlich „aus Versehen“ zertreten und dies weder als schlimm noch als bewusst böswillig betrachten. Oder wir dürfen immerhin noch überleben, weil wir offensichtlichen oder versteckten Nutzen haben und wir werden so gehalten wie der der Mensch heute Schweine und Hühner in der Massentierhaltung hält und nach seinen Bedürfnissen züchtet.

2. Inwieweit verlassen Sie sich auf Produkte oder Anwendungen, die mit KI arbeiten?

Mein Vertrauen in heute existierende Produkte ist begrenzt. Zumal es in der Wahrnehmung insgesamt bis heute viel zu wenige KI-Anwendungen oder -Produkte gibt, obwohl wir eigentlich an allen Ecken und Enden einen Bedarf dafür hätten. Und die Produkte, die den Stempel KI tragen, sollten vielleicht eher den Stempel „vorsintflutliche KI“ tragen. Denn sie befinden sich ebenso in einem Zustand des „Urozeans“, wenn überhaupt.

3. Inwieweit wäre es für Sie hilfreich, wenn KI-Systeme auf mögliche Risiken hin eingeschätzt und klassifiziert werden?

Meiner Meinung nach sollten KI-Systeme nicht nur in Hinblick auf mögliche Risiken, sondern auch bzgl. möglicher Nutzeffekte, intelligenter, mehr noch: ethisch-intelligenter Fähigkeiten und Qualifikationen hin bewertet werden. KI-Systeme, die heute entwickelt werden, können wir ähnlich betrachten wie menschliche Babys, zumindest bzgl. bestimmter Kriterien. Jetzt haben wir Menschen noch alle Chancen, der sich ständig weiter entwickelnden KI Werte mit auf dem Weg zu geben. Wissen und Werte sollten hierbei zur einer Ethischen Intelligenz führen. Im optimalen Szenario werden KI-Systeme (der Zukunft) wesentlich mehr an konstruktivem als Risiko-Potenzial bieten. Wenn wir zunehmend in Hinblick einer Ethischen Intelligenz denken, dann müssten wir, strenggenommen, auch den Menschen dahin gehend bewerten, welche Chancen und Risiken von ihm ausgehen oder ausgehen können. Derzeit gehört das Prinzip des Amoklaufes zur menschlichen Lebenswirklichkeit. Wir haben der KI etwas voraus. Im Guten wie im Bösen. Also was wollen wir der KI mit auf den Weg ihrer Entwicklung geben? Im Prinzip müssten wir jetzt damit beginnen, dem kleinsten Computerprogramm die Zeile mitzugeben: „Anspruch: ethisch-intelligent“. Jeder PC, den ich mir in 10 oder 20 Jahren kaufe, könnte diese Phrase enthalten. Mit einem konkreten Wert der Erfüllung: 10, 20, 50, 90%. Natürlich, den „Ereignishorizont“ einer Ethischen Intelligenz müssten wir so gut wie nötig, so konsensual wie möglich, definieren. Dies ist per se und objektiv eine Aufgabe, die alles ist, nur nicht einfach.

4. Wie beurteilen Sie die Einführung von Standards für KI-Systeme, z. B. eines anwendungsspezifischen Gütesiegels?

Wie bereits unter 3. angeklungen, könnte ich mir Gütesiegel oder Klassifizierungen vorstellen auf einer eher höheren Ebene, in Bezug auf die Ethische Intelligenz. Ebenso kann es Spezialfähigkeiten geben, bei denen KI-Systeme unterschiedlich stark talentiert sind. Gleichzeitig bleibt für mich die Frage, ob wir Gütesiegel dann (perspektivisch) nicht überhaupt für alle sozial und autark agierende Systeme einführen sollten. Genau das ist die (meine) Langzeitprognose für KI-Systeme der Zukunft.

https://enquetebeteiligung.de/projects/beruf-und-alltag/

B. Beruf und Alltag
Wo begegnet uns KI im Alltag, und wie wollen wir diese nutzen? Welche Rolle soll der Einsatz von KI zum Beispiel im Internet spielen?

1. Welche Veränderungen erwarten Sie durch den zunehmenden Einsatz von KI in der Zukunft?

KI wird uns ganz wesentlich dabei unterstützen, Zusammenhänge im Universum besser zu verstehen und intellektuell zu durchdringen. Mit „Universum“ meine ich das alltägliche Leben auf unserem aktuellen Heimatplaneten Erde, den Makrokosmos, also die Planeten, das Sonnensystem, Exoplanten, die eigene und fremde Galaxien, sowie in der anderen Richtung den Mikrokosmos, d.h., ganz besonders das Immunsystem des Menschen, Interaktionen mit aus unserer Sicht extrem kleinen Lebewesen oder „Halblebewesen“ wie Bakterien oder Viren. Was es dort noch zu entdecken gibt, das scheint ebenso eine eigene Art von Universum zu sein. „Entdecken“ bedeutet mit zunehmendem Verlauf der Zeitachse eine ständig wachsende Einflussnahme. Einerseits mahnt uns das Coronavirus gerade dazu, mit der Natur eher im Einklang zu leben. Auf der anderen Seite kann es der Mensch nicht zulassen, durch Viren zerstört zu werden, in dem Moment, da er angegriffen wird. Nicht nur die Stärkung des Immunsystems, auch das verhältnismäßige Reagieren wird zu einem immer wichtigeren Forschungsgebiet, dessen Erkenntniswachstum wir mit Hilfe der KI beflügeln und beschleunigen können. Phänomene wie eine eigentlich überhaupt nicht notwendige Immunreaktion bei einer Allergie wie z. B. dem „Heuschnupfen“ (Pollenallergie) oder die autoimmune Zerstörung von lebenswichtigen, insulinproduzierenden Körperzellen (Diabetes Typ 1) sind heute allgegenwärtig und häufig anzutreffen. Nur, Sinn ergeben diese Phänomene aus Sicht des Menschen nicht. Das dekadenlange Therapieren von Diabetes mittels Insulins und Blutzuckermessgeräten hilft ganz besonders einer „Institution“, der Pharmaindustrie. Für den Menschen wäre eine Komplettheilung besser! Im Zuge moderner Technologien wie der Genschere CRISPR, der Steuerung Regulatorischer T-Zellen und eben der Künstlichen Intelligenz scheint die Heilung nun gar nicht mehr ausgeschlossen zu sein, obgleich die „Unheilbarkeit“ von Diabetes jahrelang propagiert wurde. Mit Erfolg, wie man an Menschen sieht, die sich „Typ 1“ haben auf ihre Arme tätowieren lassen.

So wie in den 1950er Jahren darüber spekuliert wurde, dass ein paar Computer den Verbrauchermarkt weltweit schon sättigen würden, so stehen wir heute am Anfang der Künstlichen Intelligenz. Ihr wird das Gleiche widerfahren wie PC und Smartphone. Ihr Einsatz wird ubiquitär werden wie heute der tägliche Gebrauch der Wikipedia oder die Nutzung von Suchmaschinen. Es wird immer und überall gehen um Wissen, Erkenntnis, Effizienz, Sinn und Unsinn. Nehmen wir bspw. die heute üblichen Texteingabesysteme bei Smartphones. Obwohl Robert Tolksdorf bereits 2007 den Begriff des Web 3.0 (Web 2.0 plus Semantic Web) geprägt hat, scheint die semantische Vernetzung von Worten und Wortstämmen, Begrifflichkeiten, Begriffswolken und Themengebieten im Internet und in mehr oder wenigen abgeschlossenen Systemen wie der deutschen Sprache bisher allenfalls rudimentär stattzufinden. Sowohl auf syntaktischer, noch mehr auf grammatikalischer und insbesondere auf semantischer Ebene erfolgt in den State-of-the-Art-Text-Eingabesystemen der Smartphones kaum eine Prüfung auf Korrektheit oder Zusammenhang. Der Zustand des schon erwähnten Urozeans ist also auch hier anzutreffen. Im Umkehrschluss folgt daraus ein unglaublich großes Entwicklungspotenzial.

Sollte es der KI bzw. initial ihrem Geburtshelfer, dem Menschen, (zunehmend) gelingen, KI-Systeme zu einem Träger und Repräsentanten Ethischer Intelligenz zu machen, so werden selbige immer häufiger Schnittstellenfunktionen übernehmen zwischen der realen Umwelt und den Paradigmen, von denen sich die Menschen leiten lassen, ihre Umwelt zu verändern und einander zu begegnen. Hierfür ein konkretes Beispiel. Person A sagt: „Wir sollten für die Energiegewinnung solange wie möglich auf die Verwertung fossiler Brennstoffe zurückgreifen! Schließlich machen wir das schon seit Jahrzehnten so. Außerdem müssen wir die Arbeitsplätze in der Kohleindustrie bewahren!“ Person B sagt: „Es wird Zeit für die Einführung und kurz oder lang für den Triumph der Erneuerbaren Energien!“. Jetzt könnte ein Expertensystem zwischen beiden Parteien vermitteln. Das Expertensystem hat ein solides Wissen und kann schlussfolgern (Intelligenz). Ebenso verfügt es über ein Basiswissen in Bezug auf Ethik: „Auf kurz und lang sollten so wenig Menschen wie möglich leiden und/oder gar Todesopfer einer Technologie oder von Lebenssituation werden.“ Darüber hinaus hat das KI-gestützte System Spezialwissen über die Energiegewinnung sowohl aus fossilen Brennstoffen wie zu den Erneuerbaren Energien, Windkraft, Sonne etc. Möglicherweise verfügt es in Addition über Erfahrungswissen eines Kohlebergbauarbeiters und kennt die Passion des Gründers eines Startup-Unternehmens im Bereich der Erneuerbaren Energien. Das Expertensystem lässt Fairness gegenüber beiden Seiten walten und verzichtet auf persönliche Despektierlichkeiten wie „Du hast doch keine Ahnung“ oder „Du ungebildeter Mensch“. Die Vermittlung zwischen den Menschen führt zu einem Wissens- und Erkenntniszuwachs auf beiden Seiten und zu einer Steigerung der wertschätzenden Kommunikation.

Über die Einsatzmöglichkeiten zukünftiger KI-Systeme ließen sich bestimmt einige Seiten eines dicken Buches füllen. Na wenn die mal reichen, überhaupt.

2. In welchen persönlichen Lebensbereichen wünschen Sie sich eine (stärkere) Anwendung von KI?

Natürlich, wie schon unter 1. beschrieben, die Optimierung der Schnittstellen zwischen Mensch und Computer. Später wird es zunehmend um die Schnittstellen zwischen Mensch und KI-Systemen gehen. Der gesamte Bereich der Gesundheit wird von KI durchdrungen werden. Heute nennen wir das ziemlich „motorisch“ „Pflegeroboter“, später vielleicht „KI-Schwester“ oder einfach nur „Lieblingsschwester“. KI-Systeme werden uns in allen Bereichen überlegen sein. Auf emotionalen Gebieten, die wir heute als „menschlich“ bezeichnen, zumindest ebenbürtig. Dies könnte den Menschen überflüssig machen, oder, wenn wir wieder von einem positiven Szenario ausgehen, den Menschen anspornen, noch ethischer zu handeln als bisher. Die gerade jetzt in Corona-Zeiten von vielen „ausgepackte“ oder wiederentdeckte Fähigkeit zur Solidarität wäre genauso eine Charaktereigenschaft. Aktuell ist sie nicht zwingend bezeichnend für unseren real existierenden (Wohlstands-)Kapitalismus, den manche ja sogar mit einer Ellenbogengesellschaft gleichsetzen.

Selbstverständlich: Das autonome Fahren. Darüber hinaus könnte uns KI dabei unterstützen, effiziente, menschen- und umweltfreundliche Verkehrskonzepte zu entwerfen. Hinterher werden wir sagen: „Na logisch, warum sind wir nicht früher darauf gekommen?!“.

Unser Smartphone wird sich mehr und mehr zu einem persönlichen, ethisch-intelligenten Assistenten entwickeln. Das kann gefährlich nahe kommen an die Grenze zum „zweiten Ich“. Irgendwann mag sich die Frage stellen von Kopierbarkeit, Identität und dem ewigen Leben. Bevor es soweit kommt, schafft der Transhumanismus die Ersetzbarkeit fast aller oder sogar aller Organe des menschlichen Körpers. Das Leben wird „unendlicher“. Das könnte dazu führen, dass wir uns eines Tages nach der Romantik der Endlichkeit des Lebens zurücksehnen werden. In diesem Kontext fand ich es gut, dass das Bundesverfassungsgericht für Deutschland das Recht auf Sterbehilfe erst kürzlich neu, also bejahend, geregelt hat. Ob die Richter und Richterinnen hierbei schon die (theoretische) Unsterblichkeit des Menschen im Auge hatten?

Resümierend kann ich zu dieser Frage sagen, dass ich mir in quasi allen Lebensbereichen eine stärkere Durchdringung von KI wünsche, für machbar und wahrscheinlich halte. Man könnte alternativ fragen: In welchen Lebensbereichen würde KI keine Rolle spielen oder sollte außen vorbleiben? Beim Sex? Noch nicht mal da! Ich würde mir gerne eine künstlich-intelligente, noch besser: ethisch-intelligente Frau wünschen, die attraktiv ist oder so erscheint und gleichzeitig meine Defizite an super juvenilen Fähigkeiten „im Bett“ verzeiht.

Überlegen wir uns nur, wie viel zigmal wir am Tag unser Smartphone zücken, um irgendetwas „in Erfahrung“ zu bringen. Wir sind immer wissensdurstig, wollen unser Leben ständig optimieren. Manchmal tun sich 100 neue Fragen auf, wenn wir auf nur eine eine Antwort gefunden haben. Das zweite „eine“ unterstreicht der Computer rot. Wiedermal ein Beweis für die noch fehlende Überprüfung bzw. Toleranz hinsichtlich der Semantik.

3. Wie beurteilen Sie es, dass Informationen im Internet auf die nutzende Person zugeschnitten werden?

Wie gewissermaßen schon in der Frage enthalten ist, handelt es sich hier um eine Schnittstelle zwischen Mensch und digitalisiertem Wissen. In der Perspektive wird es m. E. zu einer Maximierung der personalisierten Informationsfilterung kommen. Die spannende Frage ist, wie nah die Personalisierungskomponente am Verbraucher dran ist. Im Prinzip könnte der Nutzer eine Kopie des Internet machen und dann innerhalb seiner privaten Zone nach Belieben und Bedarf filtern. Auf der anderen Seite wollen das Anbieter tun, während sie das Netz als Zwischenmedium nutzen, um möglichst viele oder „hochwertige“ Kunden ihres Produktes oder ihrer Dienstleistung zu gewinnen. Letzten Endes haben beide Seiten ihre berechtigten Interessen. Unternehmen wollen und sollen überleben. Verbraucher (ver?)brauchen ihre Privatsphäre, zumindest einen Zipfel davon. Das Verständnis von Privatsphäre wird sich durchaus verändern. Inseln des eigenen „Hoheitsbereiches“, der Ruhe, Ungestörtheit und freien Entscheidbarkeit scheinen gleichwohl essenziell für den Menschen. Im Gesamtbild wird sich gewiss der Grad der Adaptierung von Informationen an persönliche Bedürfnisse erhöhen.

4. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie derzeit im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI im privaten und beruflichen Umfeld?

Ich denke nicht, dass es so einen großen Unterschied gibt zwischen der privaten und kommerziellen Nutzung. Wenn wir wieder das Smartphone als Beispiel für bisherige Spitzentechnologie im Alltag betrachten: Wir nutzen es sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld intensiv. Wie beim Smartphone so hat auch bei der KI das Kriterium der Zuverlässigkeit bei höher skalierten Anwendungen (die meist im beruflichen Umfeld stattfinden) eine größere Relevanz. Wenn ich mir von einem (vertrauenswürdigen und kompetenten) KI-Roboter die Haare schneiden lasse, und der Haarschnitt entspricht am Ende nicht meinen Erwartungen, dann sind die Auswirkungen natürlich nicht so verheerend wie bei einer Herz-OP, die missglückt, und der Patient stirbt.

Anwendungen, die etwas mit Echtzeitanforderungen und Verantwortung zu tun haben, wie beim Autonomen Fahren sind kritischer zu untersuchen und zu prüfen auf ihre Zuverlässigkeit.

Derzeit sehe ich wenig KI-Anwendungen im öffentlichen oder privaten Bereich mit großer Relevanz. Gesichtserkennung könnte eine sein. Gleichzeitig ein gutes Beispiel dafür, wie sich das Verhältnis zu unserer Privatsphäre dehnt oder die Definition dieser mutiert. Angenommen, die Polizei jagt einen Verbrecher. Auf einem Marktplatz identifiziert sie ihn. Er ist kurz davor, einen anderen Menschen zu erschlagen. Dank Gesichtserkennung kann sie die bedrohte Person sofort identifizieren und warnen. Freilich, dies ist schon ein fortgeschrittenes Szenario. Es ist wie immer. Wir erleben die Einbuße unserer (klassischen) Privatsphäre. Gleichzeitig wird das eigene Leben gerettet. Dafür mag es unzählige Beispiele geben. Eigentlich wäre es nicht verkehrt, wenn der Mensch sukzessive die „Dehnung“ seiner eigenen Privatsphäre regulieren könnte. Allein ich fürchte, dass uns die Realität hier einholen wird.

Google, Facebook & Co stellen Datenkraken dar. Wahrscheinlich wird das weltweit kaum so intensiv kritisiert wie im – mehr oder minder – datenbewussten Deutschland. Derartige Anbieter und Datenaggregatoren sind in der täglichen Anwendung in so vielen Fällen hilfreich und oftmals heute kaum noch wegzudenken. Gleichwohl laufen im Hintergrund immer wieder Missbrauchsszenarien und mögliche Datenmissbräuche. KI mag beides auf einen höheren Level bringen, sowohl die Nutzeffekte als auch die möglichen Gefahren und Risiken. Das hat viel damit zu tun, dass das Leben in der Gesellschaft immer datenintensiver und datenabhängiger wird. Der Worst Case könnte bspw. hinaus laufen auf einen „Klau der Identität“. In Filmen wurden derartige Szenarien schon durchgespielt. Der Mensch zog hierbei oft den Kürzeren.

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C. Datennutzung und Datenschutz
Wofür dürfen welche Daten von KI verwendet werden? Würden Sie Ihre persönlichen Daten zum Beispiel für eine bessere medizinische Versorgung oder optimierte Mobilitätsangebote teilen?

1. Mit wem sind Sie bereit, Ihre Daten zu teilen und warum (jetzt und in Zukunft)?

Das Thema des Umgangs mit Daten klang schon im Hauptpunkt „Beruf und Alltag“ an. Meine Daten würde ich bspw. gerne teilen mit verschiedenen Ärzten, so dass dort der Grad des vernetzten Wissens zunehmen kann. Die Gesundheit eines Menschen sowie der Menschen in der Gesellschaft als Gesamtheit sind spannende Forschungsfelder mit jede Menge Potenzial und Luft nach oben. Denn natürlich wollen wir Krankheiten wie Krebs oder chronische Leiden heilen bzw. deren Entstehung verhindern oder verzögern. Für die beste Gesundheit werden wir ein Stück unserer Privatsphäre (im bisherigen Sinne) opfern müssen. Auch ein Psychologe kann mich nur heilen oder erfolgreich therapieren, wenn ich ihm oder ihr „mein Herz ausschütte“.

Ich kann ebenso mit einem Buchhändler meine Interessen teilen, in der Hoffnung, dass er mich dafür informiert, sobald es eine Neuerscheinung innerhalb meiner Interessengebiete gibt. Sensibilisiert, wie wir sind, werden wir die Frage im Hinterkopf behalten: „Was passiert, wenn Person oder Unternehmen B meine Daten an Person oder Institution C weitergibt. Inwiefern wird Unternehmen B Kapital schlagen aus meinen Daten, womöglich sogar aus einer negativen Entwicklung, die rund um meine Person stattfindet? Vielleicht sind es Rosinen im Kopf, aber ich würde mir wünschen, dass Menschen (und sie sind Bestandteil oder sogar in der Leitung von Unternehmen) einräumten, selbst verletzbar zu sein, körperlich und seelisch. Und dass sie schon aus diesem Grund es vermeiden, andere Menschen zu verletzen. Vorteil schlagen aus Schicksalsschlägen oder Missgeschicken anderer, das wäre unethisch und mit dem zuvor ins Spiel gebrachten Konzept der Ethischen Intelligenz nicht vereinbar. Letzten Endes werden wir immer wieder Anreize für ethisches Handeln benötigen. So wie es aktuell lukrativ für einen Pharmakonzern ist, Millionen Teststreifen für die tägliche, möglichst über viele Jahre andauernde Therapie von Diabetes-Patienten herzustellen, so muss ganz klar ein Anreiz geschaffen werden, vielleicht nur den einen Impfstoff oder das eine Medikament zu entwickeln, um Diabetes grundsätzlich vom Planeten zu verbannen. Geschieht das nicht, dann werden Patientinnen und Patienten womöglich noch Jahrzehnte auf eine Heilung warten. Also wo wollen wir hin? Nicht als Pharmakonzern. Als Gesellschaft! Die das Wohl ihrer Mitglieder als hohes Ziel und Gut ansieht.

2. Für welche KI-Anwendungsbereiche wären Sie bereit, Ihre Daten zu teilen?

Hier gibt es eine Analogie zur vorigen Frage. Innerhalb zukünftiger Entwicklungen werden „KI-Anwendungen“ eine vergleichbare Rolle einnehmen, die heute Menschen und Unternehmen haben. Die Vertrauensfrage wird hier wie da sehr ähnlich sein. Derzeit traue ich doch viel lieber und eher einem Menschen, insofern ich ein gewisses Vertrauensverhältnis „kalkulieren“ oder „befinden“ kann.
Die KI wird sich erst noch tausendfach beweisen müssen. Doch im Sinne der technologischen Akzeleration könnte es schon in wenigen Jahren zu Paradigmenwechseln kommen, die wir heute noch nicht mal im Blick haben oder als mögliches Szenario vorhersehen. Allein dass sich laut Gordon Moore statistisch alle 1,5 Jahre die Integrationsdichte von elektronischen Schaltkreisen verdoppelt (vorhergesagt in den 1960ern), und der Trend bis heute anhält, ist eigentlich ein für den Menschen kaum begreifbares Mysterium. Wer mag schon vorhersagen, was nach der Verdoppelung der Verdoppelung der Verdoppelung passieren wird? Wir stehen am Beginn einer Technologie- und voraussichtlich dadurch induzierten Intelligenz-Revolution. Oder sollte ich sagen Supernova?

3. Welchen Handlungsbedarf sehen Sie bei der bestehenden Regulierung von Daten mit Blick auf KI?

Auch wenn es m. E. in den kommenden Jahren zu einer Verschiebung der Wahrnehmung von Privatsphäre kommen wird, so macht es Sinn, Konzepte von Systemen und Anwendungen so zu entwickeln, dass sie ethischen Mindeststandards entsprechen. Insbesondere in Bezug auf persönliche Daten, die man einem Menschen von außen nicht ansehen bzw. nicht kalkulieren kann, sollten unter besonderem Schutz stehen. In der Praxis gilt das für die Verwendung persönlicher Daten, deren Reflexion nach außen und ihrer Weitergabe „im Hintergrund“. Beides darf entweder nur anonymisiert erfolgen oder der Inhaber (Träger) der sensiblen Daten hat ihrer Veröffentlichung und/oder Weitergabe explizit zugestimmt. Wie die Weitergabe von Daten an andere Menschen, so ist der gleiche Vorgang gegenüber digitalen Systemen bis hin zu KI-Systemen eine Frage des Vertrauens. Aufgrund der schier unendlichen Kopierbarkeit von Daten und einer möglichen Latenzzeit, die gegen Null geht, ist die Datenweitergabe im digitalen Raum noch mehr ein Aspekt des Vertrauens, der zu hinterfragen ist. Eine neue Dimension wird dadurch abgebildet, dass künftig (stark) künstlich-intelligente Systeme selbst als Daten- und Wissenssenke im Sinne einer bewussten und intelligenten Verarbeitung fungieren können. Dahinter mag sich nicht nur die Problematik des kommerziellen Missbrauchs verbergen. Auch ein solches Szenario ist denkbar: Mein Arzt gibt mir eine exakte Diagnose bzgl. meines Gesundheitszustand. (Achtung, Szenario) Er stellt fest, dass ich Krebs habe. Ich gebe die exakte Diagnose an meinen persönlichen KI-Assistenten weiter. Und dieser vertraut mir an „Wenn Du die Medikamente A, B und C nicht innerhalb von 13,5 Tagen einnimmst, bedeutet das das Ende Deines Lebens.“. Hier zeigt sich wieder die doppelte Valenz eines Sachverhaltes oder einer Information.

https://enquetebeteiligung.de/projects/wissen-und-forschung/

D. Wissen und Forschung
Was wissen Sie über KI, und wo gibt es noch Forschungs- und Informationsbedarf?

1. Was verstehen Sie unter KI?

Unter KI verstehe ich wissensbasierte und lernende Systeme. Während eine „schwache KI“ in der Lage ist, Wissen zu akkumulieren und daraus fortlaufende Schlussfolgerungen zu ziehen, wird eine „starke KI“ Eigenschaften erlangen, die zunächst jenen der Menschen ähneln. Dazu mögen Informationen gehören, die „zwischen den Zeilen“ liegen bzw. die durch Erfahrung oder Intuition zustande gekommen sind. Darüber hinaus wird ein Netz aus Sensoren zu einer ganzheitlichen Wahrnehmung führen. Ähnlich der Entwicklung von Tieren und Menschen, wo instinktive bis zunehmend bewusste Entscheidungsfindungen stattfinden. Auf diesem möglicherweise sehr schmalen Grat zwischen Instinkt und Bewusstsein werden sich starke KI-Systeme bewegen. Entgegen der heute von verschiedenen Informatikern und Philosophen getragenen Position, dass der Mensch auf absehbare Zeit der prominente und privilegierte Bewusstseinsträger ist, bin ich der Ansicht, dass die Entstehung von Bewusstsein in KI-Systemen nur eine Frage der Zeit ist. Ob dies eine, zwei, 10 oder 20 Dekaden dauern wird, ist aus Sicht der Evolution fast unerheblich. Und doch könnte die „Distanz“ bis zur Etablierung einer Superintelligenz von Relevanz sein für das Überleben der Menschheit. Denn wenn dies schon „morgen“ geschieht, dann wird der Mensch ganz einfach überfordert sein und untergehen. Die Herausforderung für die Menschheit besteht darin, ihre eigene Rolle und die Rolle in Bezug auf die Natur und die Systeme, die den Menschen umgeben, inklusive kommender KI-Systeme, zu verstehen. Sowohl Hybris als auch Minderwertigkeitskomplexe sind hier fehl am Platze. Der Mensch braucht beides: Visionen und eine Wahrnehmung für die eigene Verletzbarkeit.

2. Wie und durch wen sollte Wissen über KI verstärkt vermittelt werden?

Solange KI-Systeme noch nicht selbst uns Prozesse bzw. Situationen auf dem Planeten erklären können, eines Tages wird übrigens u.a. dies genau zu ihren Stärken gehören, solange werden einzig die Menschen diese Aufgabe übernehmen. Insbesondere sind angesprochen Informatiker, Philosophen und Ethiker, inklusive ihrer weiblichen Pendants, sowie jene Institutionen, in denen sie beschäftigt sind. An Universitäten, Schulen und Akademien sind nicht nur computerwissenschaftliche, mathematische und neuronale Aspekte der KI zu vermitteln, sondern auch gesellschaftliche und jene der ebenso bereits existierenden Disziplin der „Technikfolgeabschätzung“. Die zuvor erwähnte Klammer zwischen Ethik und Intelligenz als eine der Voraussetzungen für die Erhaltung der menschlichen Art ist zu erkennen und als solche zu vermitteln im Kontext einer jeden Lehreinheit zum Thema KI oder auch bei Fragen der gesellschaftlichen oder politischen Entwicklung. Ethische Intelligenz ist nicht nur ein Thema mit Berührungspunkten zur KI. Ich sehe es als ein universelles, weltumspannendes Konzept, das künftig einen Leitfaden für alle auf der Erde sozial interagierenden Lebe-Wesen dienen könnte.

3. Welche Informationen benötigen Sie, um Nutzen und Funktion von KI zu verstehen?

KI sollte ebenso wie EI bzw. auf Grundlage der Ethischen Intelligenz mehr die Gesellschaft und tägliche Fragestellungen im Leben der Menschen durchdringen. Wir brauchen m. E. mehr Philosoph*innen und Informatiker*innen, die sich vom bisher eisernen Paradigma der „Maschine als Werkzeug des Menschen“ lösen. In Zukunft wird es sowohl um den Erhalt der Menschheit gehen als auch um einen Modus Vivendi zwischen Mensch, Natur und (intelligenter) „Maschine“. KI braucht Zeiger und Einstiegspunkte. KI braucht Formen und Möglichkeiten des „Anfassens“ und des Erlebens. KI darf nicht als Erstlingswerk eines zeitreisenden Schriftstellers des 23. Jahrhunderts vermittelt werden. KI ist das, was der Mensch jetzt erschafft und in naher Zukunft erschaffen wird.

4. Zu welchen Bereichen von KI sollte in Deutschland mehr geforscht werden?

Autonomes Fahren, Vernetzungs- und Entscheidungstechnologien, Expertensysteme (im Kontext von Corona ganz wichtig Katastrophenvorwarn- und Szenariendurchspielsysteme), KI im Gesundheitswesen wie Expertensysteme für Ärzte zur Diagnose, Therapie und Heilung von Krankheiten, KI-Mediatoren zwischen Menschen, als Abrüster und Friedensstifter, KI als Schnittstelle zwischen verschiedenen Dimensionen wie Mensch/Makrokosmos und Mensch/Mikrokosmos (Bsp.: Eine „Brille“ für die Sichtbarmachung des Coronavirus), KI-Systeme zu Erkennung von ethischen
Widersprüchen, z. B. Ausschluss von Mogelpackungen in der Nahrungsmittel- oder Hygiene-Industrie etc.pp.

https://enquetebeteiligung.de/projects/weitere-anregungen-zu-ki/

E. Weitere Anregungen zu KI
Welche Kernforderungen haben Sie zum Einsatz von KI?

1. Welche Forderungen oder Anregungen haben Sie darüber hinaus zum Einsatz von KI in Deutschland?

Meiner Meinung nach sollte Künstliche Intelligenz die Menschen dabei unterstützen, Systeme zu konzipieren und zu erschaffen, die in sich schlüssiger sind. Ethik und Intelligenz sind zwei Pole, die ich gerne kombiniert sehen möchte. Der Bedarf hierfür scheint unendlich groß und allgegenwärtig zu sein. Zwar wären wir bereits ohne schwache oder gar starke KI mit den Mitteln der Intelligenz und ethischer Anforderungen in der Lage, robuste Systeme zu bauen, die den beiden Polen genügen. Aber das hat bisher nur unzureichend funktioniert. Weil nicht Ethik und auch nicht immer Intelligenz die Triebkräfte wirtschaftlicher oder technologischer Entwicklungen sind. Viel zu oft geht es allein um unternehmerische Erfolge unter Ausschluss ethischer Aspekte. Dass Deutschland zu den weltweit größten Waffenexporteuren zählt, dürfte einer der vielen Belege für diese These sein. Dass wir in Deutschland die Energiewende prokrastiniert haben, nachdem wir um die Jahrtausendwende schon mal zu den Vorreitern zählten, könnte ein weiterer Beleg, zumindest ein Indiz für die überwiegend singulär finanziellen Interessen von Unternehmen und Unternehmern sein.

Welche Belohnung würde es dafür geben, wenn ein Pharmakonzern oder auch ein pfiffiges StartupUnternehmen auf die Idee käme, einen Impfstoff oder ein Medikament zur Heilung der Autoimmunkrankheit Diabetes Typ 1 zu entwickeln? Würde es nicht in der Praxis so aussehen, dass die Pharmaunternehmen noch auf Jahre hinaus mit den Einnahmen von Millionen oder Milliarden EURO für die Therapie von Diabetes kalkuliert haben? Für das Insulin, das sie produzieren, für die zahlreichen Messgeräte und Teststreifen. Wie könnten sie also selbst auf die Idee kommen, dem Diabetes ein Ende zu setzen?

Wenn wir es schaffen, insofern wir das überhaupt wollen, dass Künstliche Intelligenz 1. Anachronismen in unserer Gesellschaft aufspürt und 2. dazu beiträgt, diese Anachronismen zu beseitigen, dann könnten wir einen echten Paradigmenwechsel vollziehen. Mit menschlicher und künstlicher Ethischer Intelligenz würde es uns gelingen, die Welt stetig zu verbessern. Jeden Tag ein bisschen, Stück für Stück. Der Zeitraum, in dem alles passiert, mag gar nicht so relevant sein. Wichtig wäre aber, dass wir anfangen, uns auf den Weg zu machen. Visionen artikulieren und im Effekt eine Marschrichtungszahl vorgeben.

Ich möchte ein paar Beispiele geben, anhand derer wir erkennen, dass heutige Systeme oft höchstens „bedingt intelligent“ sind, wobei, noch schlimmer, ethische Aspekte bei der Konzipierung ganz außer Acht gelassen werden. Nehmen wir das im täglichen Leben viel zitierte WLAN. Wir gehen durch die Stadt. Da gibt es öffentliche Access-Points, in deren Nähe eigentlich ein gutes WLAN funktionieren sollte. Also probieren wir es aus. Aber tatsächlich schwächelt das WLAN, oder wir befinden uns nicht nah genug am Access-Point. Unsere Internetanwendung auf dem Smartphone kämpft und kämpft, denn sie würde ja gerne WLAN nutzen. Aber die Anwendung funktioniert nur eingeschränkt. Also, was machen wir? Wir schalten das WLAN aus. Jetzt haben wir super schnellen
und flüssigen mobilen Internetempfang. Die genutzte App flutscht nur so! Als wir nach Hause kommen, wollen wir uns nach dem Abendbrot einen schönen Film am Smartphone anschauen. Denn der PC bleibt heute aus! Oh, der Film läuft prima. Keine Beanstandung. Nach einer halben Stunde kommt jedoch eine Warnmeldung: „Sie haben 80% Ihres mobilen Datenvolumens verbraucht.“ Prima. Nicht. Denn wir befinden uns gerade mal am Anfang des Monats und unser „geiziger“ Internetprovider hat uns zum aktuellen Tarif nur ein paar GB inkludiert. Wie kann es also sein, dass das Smartphone nicht intelligent genug ist und selbsttätig zum heimischen WLAN schaltet, um mir keine weiteren Kosten zu verursachen? Ja, es gibt spezielle WLAN-Apps etc. Aber viele haben ihre „Macken“. Warum muss ich mich als Smartphone-User überhaupt darum kümmern? Das Smartphone scheint zwar künstlich zu sein, aber nicht intelligent. Und mit Ethik hat es nur wenig zu tun, wenn der Mobilfunkprovider uns das Geld aus den Taschen zieht, nur weil die Systeme und Anwendungen eben nicht ethisch-intelligent konzipiert sind.

Ein weiteres Beispiel: Auf einer uns allen bekannten Social-Media-Plattform war meine Teilnahme an einer Veranstaltung bisher für alle sichtbar, die sich die Gäste der Veranstaltung anschauen wollten. Egal ob mit mir befreundet oder nicht. Deutschland hat offenbar den Betreiber in Richtung mehr Datensicherheit und Privatsphäre inspiriert. Grundsätzlich ist das nicht verkehrt. Doch der Effekt sieht nun so aus: Aus der öffentlichen Sichtbarkeit meiner Teilnahme an der Veranstaltung wurde, dass nur noch Freunde diese sehen. Noch nicht mal mehr Freunde von Freunden. Und um dahin zu kommen, benötigt es 5 (fünf!) Klicks. Die meisten werden diese Möglichkeit gar nicht sehen, da sie nicht prominent dargestellt wird. Das Einfachste wäre, wenn sofort bei dem Klick für die Teilnahme eine Auswahl zur Sichtbarkeit gezeigt würde. Ein zusätzlicher Klick versus fünf.

Als die Datenbank bei meinem Blog aufgrund von galaktisch vielen Spam-Kommentaren zum Überlaufen gebracht wurde, bot mir der Support (!) meines Webhosters an, auf das nächst höhere, natürlich viel teurere Paket mit einer größeren Datenbank umzustellen, obwohl er die Ursache für den Datenbank-Overflow sah. Dieser war behebbar, wie sich schließlich herausstellte, und genau diese Datenbank mit dem aktuellen Tarif war nach der Bereinigung wieder weit von ihrer Begrenzung auf 1 Gigabyte entfernt.

Anforderungen an eine Künstliche Intelligenz, die gleichzeitig ethisch-intelligent sein sollte: Vermeidung des Overflows. Wenn Overflow, dann Meldung des Overflows. Schließlich intelligente Reparaturmechanismen. Nicht nur die Sicht des Unternehmens, sondern auch die Sicht des Verbrauchers bzw. der Verbraucherin in Vorschläge und Entscheidungen einbeziehen.

Und noch ein letztes Beispiel. Eine Rasierklingenpackung enthält 8 Plätze für Rasierklingen. Nur 5 davon sind belegt. Es ist die klassische Sünde der Mogelpackung. Aus meiner Sicht weder ethisch noch intelligent ein solches Produktdesign. Müssen wir tatsächlich bis zur Geburt einer Superintelligenz warten, bis solche Dissonanzen für immer auf dem Scheiterhaufen der profitzentrierten Wirtschaftsgeschichte landen?

Künstliche Intelligenz sehe ich als Mittler. Als Übersetzer. Als anpassendes Intermedium. Sie sollte nicht nur einem Produktdesigner oder einer Produktdesignerin dazu verhelfen, wirklich nachhaltige Produkte zu konzipieren, sondern beispielsweise auch als Mediator auftreten zwischen sich streitenden Parteien. Auf der vormals schon erwähnten Social-Media-Plattform finden wohl Tag für Tag schärfste Auseinandersetzungen und Eskalationen statt zwischen Menschen, die sich noch nicht mal im realen Leben begegnet sind. Aber man behandelt sich teils als „Erzfeind“. Wie kommt es? Obwohl wir alle Menschen sind, zwar mit unterschiedlichen Kulturen oder sozialen Kontexten, aber deswegen müssen wir uns doch nicht gegenseitig umbringen, was wir leider jenseits der Social-Media-Kanäle zudem traurigerweise auch noch tun. KI-Systeme werden nicht nur Sprachen (menschlich verständlich) übersetzen können, sondern auch Emotionen in eine sachliche, gewaltfreie Sprache wandeln können. Und vielleicht auch vice versa: Sprache in Emotionen [ Korrektur der Originalfassung auf enquete-beteiligung.de von „Emotionen in Sprache ]. Es geht darum, (mehr) Sinn und Konstruktivität in die Kommunikation zwischen Menschen zu bringen. Im Weiteren wird das ausgedehnt werden oder ebenso anwendbar sein (über die Kommunikation Mensch-Mensch und Mensch-Maschine hinaus) in den Beziehungen Mensch-Makrokosmos, Mensch-Mikrokosmos und natürlich das, was Fridays for Future seit einem Jahr fordert: Mensch-Milieu, d.h., Mensch-Natur. Der Förster und Umweltaktivist Peter Wohlleben ist hier eine hervorzuhebende Persönlichkeit, die sich der Sprache der Bäume gewidmet hat. KI wird uns dabei helfen, in andere Dimensionen und „Welten“ vorzudringen. Die Kommunikation zwischen uns Menschen ist komplex. Die zahlreichen Kommunikationen, die auf dem Planeten stattfinden, sind komplexer! Im Sinne der Bionik wird die KI als Mittler da sein zwischen Mensch und Natur und den Menschen noch vieles lehren, wovon sie derzeit noch nicht mal zu träumen wagen. Heute habe ich eine Amsel fotografiert, als sie gerade ihre Flügel schwang und von der Erde abhebte. Vielleicht schafft das der Mensch, mit Hilfe der KI, auch eines Tages. Und wenn es im übertragenden Sinne ist.


Die Präsentation der Arbeitsergebnisse findet statt in einem Livestream.
Am Montag, 28.9.20, 13:00-15:30.
https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2020/kw40-pa-enquete-ki-793342

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Digitale Vernissage: 20 Frauen | 100 Portraits

Die oft zitierten „Corona-Zeiten“ bringen einen gesellschaftlichen Wandel mit sich. In vielerlei Hinsicht. In so mancher Beziehung wird uns plötzlich klar, welche Dinge fehlen können, wenn sie nicht mehr im Überfluss zur Verfügung stehen. Das beginnt beim Toilettenpapier, geht weiter mit der Umarmung des Freundes und dem Liebkosen der Freundin, ganzen Ketten sozialer Kontakte, mit einem Male wie weg sind oder in anderer Form, nun neu belebt werden. Wirtschaftszweige sind am Verhungern, Soloselbständige warten darauf, dass nun endlich ihr so dringend gebrauchte Zuschuss eintreffen mag. In all diesen non-trivialen Zeiten suchen wir gleichermaßen nach Glück und Erfüllung, inbesondere wollen wir dabei die uns eigene Kreativität strapazieren oder revitalisieren. Ein Vielzahl von Events wie Kongressen finden nun digital, in virtuellen Räumen statt. Vor Corona von mir mit Vorliebe und Passion gerade die zwischenmenschlichen Beziehungen fotografisch festgehalten. Heute mache ich Screenshots. Und organisiere selbst digitale Events wie den Digitalen Fotostammtisch Karlsruhe (gegründet am 12.4.2020), der fortan monatlich am ersten Sonntag stattfinden soll, der nächste also am 3. Mai 2010, 13 bis 15 Uhr. Sowie die „Digitale Vernissage: 20 Frauen“, die am Freitag, 1. Mai 2020, 19:00 beginnt (Einlass 18:50 Uhr). Für die Teilnahme an den von mir organisierten Digitalevents informiere sich der neugierige Leser und die interessierte Leserin über den Menüpunkt Zoom Videokonferenz auf meiner MicialMedia-Website. Im Zuge der „Selbstdigitalisierung“ konnte ich die Bandbreite meiner Internetanbindung von 50/10 nach 100/40 Mbit/s (Download/Upload) verbessern. Mit dem Kondensatormikrofon Blue Yeti X bin ich ebenso zufrieden. Die neue Webcam ist allerdings noch unterwegs von Dänemark. Klar, in DE alles derzeit ausverkauft mit wochenlangen Lieferzeiten.


AGENDA DIGITALE VERNISSAGE: 20 FRAUEN
Freitag, 1. Mai 2020, 19:00 (Einlass: 18:50)
Begrüßung durch Michael M. Roth (Micha) – Fotograf, Gastgeber, Moderator
Grußbotschaft von Albert Käuflein, Kulturbürgermeister der Stadt Karlsruhe
Klavierstück Dietmar Schlager aus Karlsruhe (ca. 5-8 min)
Präsentation Teil 1 = 10 Frauen mit jeweils 5 Portraits (ca. 10 min)
Gesang und Gitarre Zoe Boekbinder aus New Orleans, USA (ca. 5-8 min)
Präsentation Teil 2 = 10 weitere Frauen mit jeweils 5 Portraits (ca. 10 min)
DANKE an alle, die (dann) dabei waren, ggf. kleine Abschlussplauderei (Get-Together)


Bei der Digitalen Vernissage: 20 Frauen werde ich mit dem Videokonferenzsystem Zoom von 20 Frauen jeweils 5 Portraits zeigen, in der Summe also 100 Fotos. Die Frauen stammen aus aller Welt und haben teils sehr verschiedene kulturelle Hintergründe. Und doch haben sie mindestens zwei Eigenschaften gemein: Mensch sein. Frau sein. Das Bestreben ist, sowohl den evolutionär bedingten Reiz einer Frau einzufangen, als auch ihre Natürlichkeit und Unbekümmertheit. Das Wesen und gleichzeitig die Facetten ihres Wesens und ihrer Persönlichkeit. Die Botschaft reicht von „unbeschwert“ bis „nachdenklich“. Doch zu viel soll ich nicht verraten. Denn die Bilder werden präsentiert, wie oben schon erwähnt, am 1. Tag des Wonnemonats Mai, um 19 Uhr, man könnte mit fotografischer Tendenz sagen: Zur „Goldenen Stunde“, da die Sonne am 1.5.2020 in Karlsruhe gegen 20:41 Uhr untergehen wird. Am Sonntag, 3.5.2020, bis zu unserem 2. Digitalen Fotostammtisch Karlsruhe, möchte ich alle der bei der Vernissage gezeigten Fotos dann hier in diesem Post als „Dauerausstellung“ zur Verfügung stellen. Seid also gespannt auf Freitag mit der Digitalen Vernissage: 20 Frauen und zwei Tage später, am Sonntag, den 2. Digitalen Fotostammtisch Karlsruhe, der ebenso für alle Fotobegeisterten offen ist! Unsere gleichnamige Facebook-Gruppe „Digitaler Fotostammtisch Karlsruhe“ ist hierbei ein schöner Schnitt- und Treffpunkt, bei dem sowohl sowohl die gruppenbezogenen Digitalveranstaltungen organisiert und eingesehen werden können als auch ein Austausch unter Fotografen und Fotografinnen, sei es im beruflichen oder Hobby-Bereich, von statten geht. Das Posten von schönen oder interessanten Fotos aus allen möglichen Bereichen der Fotografie sind hierbei gerne gesehen (Mensch, Natur, Tier, Portrait, Begegnungen, Street, Makro ….).

Vielen Dank an die aus Louisiana stammende und in Karlsruhe lebende Pädagogin und Künstlerin Stephanie Kearley Müller, die mir beim obigen Foto im Café MoccaSin ihr wunderschönes Lachen geschenkt hat, während ich es schaffte, rechtzeitig auf den Auslöser zu drücken. You can find Stephanie on Instagram.

Zwei Tage nach der Digitalen Vernissage, also ab dem 3.5.2020, werde ich hier meine 100 Portraits als dauerhafte Digitale Ausstellung (Fotoausstellung) platzieren. Ich freue mich auf die Begegnung mit allen Fans der Fotografie! 🙂

Hier geht es nun zur permanenten / Digitale Fotoausstellung: 20 Frauen

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