Stefan Keuchel zur Publizierung von Sonnenallee auf YouTube

Heute Morgen hatte ich noch darüber gewitzelt, dass ich nicht reich beschenkt wurde, weil ich „vergaß“, meine Stiefel vor die Tür zu stellen. Und dann twitterte Stefan Keuchel, der Pressesprecher von Google Deutschland die (für mich!) schönste Nachricht des Tages: Die „Sonnenallee“ ist mit sofortiger Wirkung bis wenigstens Jahresende 2011 auf YouTube (seit 2006 zu Google gehörend) in voller Länge verfügbar. In Kooperation mit Google wird der  in 2000 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Kultfilm Sonnenallee auf dem Delphi Filmverleih YouTube-Kanal präsentiert.

Bereits am 2. Dezember 2011 hatte Pascal Herbert vom GoogleWatchBlog die Veröffentlichung von Sonnenallee auf YouTube angekündigt.

Für die Ostgeborenen, zu denen auch meine Wenigkeit zählt, ist die Sonnenallee ein Augen- und Ohrenschmaus. Im Film, der das Leben der Jugend in den 70er Jahren in der DDR mit all ihren Ängsten, Hoffnungen, Lieben und Liebeleien zeichnet, gibt es eine ganze Reihe von Symbolen, Metaphern und Produkten, die an die eigene Kindheit und Jugend erinnern, wie der im-Nu-Kaffee, die Club Cola, der erste, sehr hoch geschätzte Telefonapparat und natürlich der typische DDR-Kamm mit der geschwungenen Coolness-Linie. Letzterer wird etliche Male im Film gezeigt. Erinnerungen wird er wohl nur bei jenen auslösen, die ihn anno dazumal in der eigenen Stoff-Hosen-Po-Tasche trugen. Manch Westgeborener wird zumindest bei einem Teil der Witze und Persiflagen auf das damalige System mit lachen können und vielleicht auch erkennen, dass die DDR nicht nur aus einer unterdrückten und leidenden Bevölkerung bestand, sondern auch aus Menschen mit eigenen Idealen und Ansprüchen an das Leben; inklusive der Irrungen und Wirrungen, die sich systemunabhängig aus dem Menschsein ergeben.

MicialMedia, neugierig wie immer, hat Googles PR-Sprecher Stefan Keuchel nach den Beweggründen für die kostenlose Bereitstellung von Sonnenallee auf YouTube befragt.

MicialMedia:

Lieber Stefan, woher stammt der Einfall, überhaupt einen deutschen Kinofilm in voller Länge weltweit und „ohne Eintritt“ im Internet verfügbar zu machen?

Stefan:

Die Idee, einen kompletten Kinofilm auf YouTube zu zeigen, ist nicht neu. Es gab sogar bereits einige tolle Kinofilme auf YouTube zu sehen, beispielsweise den sehr beeindruckenden Film „Home“ von Yann Arthus-Bertrand, dem ich jedem nur ans Herz legen kann. Neu ist aber, dass ein deutscher Kinofilm in voller Länge auf YouTube zu sehen ist. Das ist ein „Experiment“, welches wir nur durchführen können, weil Delphi Filmverleih sich sehr offen für die Idee gezeigt hat und Lust hatte, diesen genialen Filmklassiker auf unserer Plattform einem Millionenpublikum zu zeigen.

MicialMedia:

Und welches Wunderkind, man verzeihe mir mein herkunftsbedingtes Pathos, hatte die hypergeniale Idee, gerade Sonnenallee zu diesem ersten freien deutschen Kinofilm auf YouTube zu küren?

Stefan:

Wie gesagt: Das ist eine gemeinsame Idee von Delphi Filmverleih und YouTube.

MicialMedia:

Wie Presseberichten zu entnehmen war, könne sich Google vorstellen, bei hinreichend großem Interesse eine Filmveröffentlichung in dieser Art zu wiederholen. Aktuell (am Nikolaustag) nähert sich die Zahl der Aufrufe von Sonnenallee der 10.000-Marke. Welche Größenordnung sollte denn (nach einer evtl. definierten Zeit) eintreten, damit sich die Aktion für Google wie ein Erfolg anfühlt, den man gerne repetieren würde?

Stefan:

Wir freuen uns natürlich ungemein, dass das Interesse der YouTube Nutzer so groß ist. Der Film wird bis mindestens Ende des Jahres auf YouTube zu sehen sein. Dann werden wir uns gemeinsam mit Delphi die endgültigen Zahlen und das Feedback der Nutzer anschauen. Wir sind auf jeden Fall offen dafür, eine solche tolle Aktion zu wiederholen.

MicialMedia:

Da Google quasi vom Crowdsourcing lebt, d.h., dass die vielen Räder der Google-Dienste-Maschinerie still stünden, wenn sie nicht von den Anwendern weltweit so intensiv genutzt würden, wäre es da nicht denkbar, dass man sich bei der nächsten Publizierung eines Kinofilmes ein Voting der Internet-User zu Nutze macht?

Stefan:

Wer uns ein bisschen kennt, weiß, dass wir extrem großen Wert auf die Meinung und Vorschläge unserer Nutzer legen. Vorstellbar ist so einiges. Beispielsweise, dass die Nutzer eine Auswahl von 3 bis 5 Filmen bekommen und dann darüber abstimmen, welcher Film gezeigt wird. Aber das ist alles wilde Spekulation. Lass uns doch Anfang 2012 nochmal darüber sprechen … 🙂

MicialMedia:

Im Jahre 2010 wurde von dem Unternehmen, für das Du sprichst, Google TV eingeführt. Der Ansatz zu Sonnenallee ist „vice versa“: Man nehme einen Fernseher und verbinde diesen mit dem Internet. Es wird ja von TV-Geräten gesprochen, die in naher Zukunft auf den Markt kommen und ohne eine extra Set-Top-Box Internet-Funktionalitäten integrieren sollen. Wie weit ist das Projekt Google TV gediegen? Welchen Beitrag kann die Veröffentlichung von Sonnenallee und ggf. weiterer Kinofilme auf YouTube für die Entwicklung von Google TV oder die Verschmelzung von TV und Internet überhaupt leisten?

Stefan:

Google TV ist ein spannendes Projekt, das derzeit allerdings nur in den USA erhältlich ist. Infos: http://www.google.com/tv/ . Es kombiniert TV, das Web und Apps und die Möglichkeit, alles suchbar zu machen. Ich kann zu dem jetzigen Zeitpunkt leider nicht über die Verfügbarkeit von Google TV außerhalb der USA sprechen. Aber es bleibt spannend 🙂

MicialMedia:

Ich bedanke mich ganz herzlich für Deine super schnelle Unterstützung zur Befriedigung meiner Neugierde 😉

 

Mit einem kleinen Abspann möchte ich meinen Blogpost schließen. Dazu gehören ein Zitat aus der Sonnenallee, das die Spitzfindigkeit dieses eindrucksvollen Filmerlebnisses symbolisiert, sowie eine Nennung von Schauspielern und Rollen, die die Sonnenallee besonders sehenswert gemacht haben.

„Für Mario begann die schönste Zeit seines Lebens. Zusammen mit Sabrina erfuhr er, was Freiheit ist. Sie lebten on the Road pur. Das Land kam ihnen riesig vor – Das kann aber auch daran gelegen haben, dass ihr Moped so langsam war.

Und nun die Schauspieler. In den Klammern jeweils ihre Filmrolle.

und viele andere mehr …

 

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8 Kommentare zu Stefan Keuchel zur Publizierung von Sonnenallee auf YouTube

  1. Marcus D. sagt:

    Bei mir ist das Video von der GEMA gesperrt, weil es Musik von „SME“ enthält! Welch ein Treppenwitz! #fail

  2. Offizielles Statement von Google-Sprecher Stefan Keuchel:

    “Wir können bestätigen, dass der Kinofilm “Sonnenallee”, der derzeit in
    voller Länge und kostenfrei auf YouTube abrufbar ist, heute morgen für
    kurze Zeit nicht abgerufen werden konnte. Das Problem wurde innerhalb von
    45 Minuten gelöst, so dass Filmfreunde diesen Klassiker nun wieder auf
    YouTube geniessen können.”

  3. Eine Frage fehlt mir noch im Interview: Wieso wurde der Film laut Timestamp bereits am 4. November hochgeladen, aber erst jetzt freigeschaltet?

  4. Pingback: Fastvoice-Blog » Blog Archive » “Sonnenallee” auf YouTube - das Sperrungs-Märchen

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