Und jährlich grüßt das Murmeltier …

Screenshot 28.1.17 | Quelle: https://www.karlsruhe.de/b3/wetter/luftmesswerte.de

Screenshot 29.12.16 | Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/luftbelastung/aktuelle-luftdaten
Und jährlich grüßt das Murmeltier …

Screenshot 28.1.17 | Quelle: https://www.karlsruhe.de/b3/wetter/luftmesswerte.de

Screenshot 29.12.16 | Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/luftbelastung/aktuelle-luftdaten
Magst Du lieber zum aktuelleren Jahresrückblick 2017? Here you go:
101 Fotos – Menschen, Szenen, Emotionen 2017
Hier nun aber – wie gehabt – mein Jahresrückblick für das Jahr 2016:
Aus einer Vielzahl von Veranstaltungen multipliziert mit einer Vielzahl von Fotos, die ich jeweils geschossen habe, ist es schwer, die schönsten 99 herauszusuchen. Was allerdings weniger schwer sein sollte, so hoffe ich wenigstens, dass in jedem oder so gut wie jedem meiner Bilder meine Leidenschaft für die Fotografie und im Besonderen für die Eventfotografie zu erkennen ist. Zu meiner Bildsprache gehören die Bewegung, Beziehungen zwischen Menschen, das Ausstrahlen von Emotionen, das Natürliche. Ich liebe es, die Szene einfach einzufangen. Manchmal kommt es mir so vor, als ob es ein himmlisches Wesen gäbe, das mir die Szenen zuhauf vor meine Kamera wirft. Ein bisschen so wie Frau Holle, die im Winter für den Schnee sorgt (wenn sie mal wieder Lust dazu hat). Für mich ist es nahezu ein Wunder, dass es immer wieder neue Szenen gibt, vor allem, weil wir Menschen diese gestalten. Im Idealfall in Frieden und Freiheit. Und dann bin ich da, ich habe alle Ressourcen, angefangen beim Foto-Equipment, über den richtigen Blick und eine inzwischen gediegene Erfahrung bis hin zum Glück, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Und Momente und Orte gibt es schier unendlich viele.
Gerne zeige ich Euch einen kleinen Teil der Fotos, die ich in 2016 erstellt habe. Als leidenschaftlicher Eventfotograf, der hauptsächlich in Karlsruhe, Stuttgart und Berlin unterwegs ist, reflektieren diese Bilder ein gutes Stück meiner Arbeit, gleichsam meines Inneren und meiner Persönlichkeit. Man könnte die in den Fotografien zum Ausdruck gebrachte Bildsprache auch als die Sprache meiner Seele bezeichnen. Wer meine Fotos kennt oder zumindest sich mal mit ihnen beschäftigt hat, der kennt einen ganz guten Teil von mir selbst.
Nach allem Rückblicken, Zusammentragen und Philosophieren wünsche ich uns allen für das kommende Jahr 2017 die Erfüllung unserer Träume, neben der Ernsthaftigkeit auch eine gehörige Portion Spaß am Leben, mir und meinen Fotografenkollegen „allzeit gutes Licht“. 🙂 And now enjoy the photos! 🙂 🙂
(Alle Fotos by Michael M. Roth, MicialMedia | Eventfotograf Karlsruhe
Ausnahme: Foto von Sinje und mir beim Independend Days Filmfest: Robert Fuge)
Kaum zu glauben, aber gute 4 Jahre sind schon wieder vergangen, als sich mehr als zwei Dutzend Blogger aus Baden-Württemberg erstmals in der Villa Reitzenstein zum Austausch mit dem Landesmarketing der Landesregierung trafen. Dies geschah nämlich am 21. November 2012, wie Ihr in dem schönen Blogpost von Tilo Hensel
Staatsministerium Baden-Württemberg #BWjetzt im Dialog mit Bloggern
nochmal nachschmökern könnt. Die damalige Veranstaltung kann man wohl als eine Art Auftakt bezeichnen für eine Vielzahl von weiteren Events, die im Zeichen der Intensivierung des Austausches des Landes mit einer sich dynamisch verändernden Auswahl von ambitionierten Bloggern und Social-Media-affinen Bürgern standen. Dazu gehören beispielsweise die Zentralen Feierlichkeiten an den Nationalfeiertagen, die Stallwächterparty der Landesvertretung Baden-Württemberg Berlin, Nobelpreisträger-Schiffsfahrten zur Bodenseeinsel Mainau und Roadtrips durch Baden-Württemberg mit Mercedes-Benz-Fahrzeugen zum Kennenlernen von Stadt, Land, Menschen und Kulturen.
Entsprechend saisonaler Relevanzkriterien lud das Staatsministerium dieses Mal, am 8.12.16, eine Runde von Bloggern zum Weihnachtskaffee in die reizend-reizvolle Villa Reitzenenstein ein. Bei Kaffee und Keksen präsentierten zunächst Andreas Schüle und Thomas Bürger vom Landesmarketing Baden-Württemberg vergangene Social-Media-Aktionen. In der anschließenden Diskussion ging es darum, wie Inhalte noch besser über die sozialen Medien verteilt werden können, welche Rolle hier beispielsweise Hashtags auf Twitter und Facebook spielen, sowie um die Frage der generellen und projektbezogenen Häufigkeit von Posts und das Erreichen von Zielgruppen. Schließlich gab es einen Rundgang durch die Villa Reitzenstein inklusive des noch nicht so häufig publizierten Neubaus. Die folgenden Impressionen zeigen das schöne Innenleben der Villa, angereichert mit ein paar attraktiven Außenansichten und Ausblicken. Wohl nicht zu übersehen, dass wir Blogger auch unseren Spaß dabei hatten. 🙂
Alle Fotos: Michael M. Roth, MicialMedia | Eventfotograf Karlsruhe, Stuttgart, Berlin
60 Jahre Bundesnachrichtendienst. Gründungstag war der 1. April 1956. In Berlin wird das gefeiert. Aber ist dies wirklich ein Grund zum Feiern? Immerhin schaffen es die Medien, in Nebensätzen zu erwähnen, dass der BND der Geheimgruppierung „Organisation Gehlen“ (1946-1956) entsprungen ist. Nomen est omen, der General der faschistischen Wehrmacht, Reinhard Gehlen, der 1941 maßgeblich am „Unternehmen Barbarossa“ beteiligt war, das zum Überfall auf die Sowjetunion führte, spielte in dieser Organisation eine wichtige Rolle. Er blieb nicht die einzige Größe aus den Reihen der Nationalsozialisten. Die Wikipedia schreibt dazu:
„Es gelang Gehlen, auch wenn er selbst dies nachdrücklich abstritt,[1] eine große Anzahl der noch lebenden Mitglieder seiner früheren Dienststelle für den Dienst zu interessieren, weil sie in ihrer neuen Stellung häufig mit einer neuen Identität versehen wurden. Eingestellt wurden zu einem großen Teil Ehemalige der SS, des SD, der Gestapo, der Abwehr und vor allem Offiziere der Wehrmacht.“
1956 wurde der BND gegründet und Gehlen Präsident. Im Kampf gegen den Kommunismus haben die US-Amerikaner schon mal beide Augen zugedrückt, als es darum ging, einen ehemaligen faschistischen General neu zu dekorieren – entgegen vertraglicher Vereinbarungen verhinderten die Amerikaner die Auslieferung von Gehlen an die Sowjetunion – denn dieser besaß ja Insiderinformationen im Kampf an der „Ostfront“. Und auch die ach so demokratische junge Bundesrepublik Deutschland mit ihren demokratischen Organen wie Parlament, Kontrollausschüssen … war offenbar blind in punkto Nazi-Durchsetzung des BND. Gehlen war bis 1968 Chef des Bundesnachrichtendienstes, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ist schwierig, ohne dass einem dabei übel wird.
Nicht bis zum General, aber immerhin bis zum Oberstleutnant der Wehrmacht schaffte es Gerhard Wessel. Hitler machte ihn kurz vor Kriegsende zum neuen Chef der „Fremde Heere Ost“, die zuvor von Gehlen kommandiert wurden. In der Bundesrepublik schafft es Wessel zu hochrangigen Posten. 1955 wurde er als Oberst (ein Grad vor dem General) in die Bundeswehr übernommen, 1956 erhielt er den Posten des Kommandeurs des gerade gegründeten Militärischen Abschirmdienstes (MAD). Schließlich dann, 1968, trat Wessel, wie schon während des 2. Weltkrieges, die Nachfolge von Gehlen an und hatte bis zum Jahre 1978 die Präsidentschaft des BND inne. Das war gleichzeitig das Jahr, in dem Wessel in den Ruhestand ging.
Wenn schon kein Parlament oder eine wirklich unabhängige Instanz, so hat doch der BND selbst es nach Jahrzehnten der Verschleierung geschafft, in 2011 eine „Unabhängige Historikerkomission“ (UHK) ins Leben zu rufen, um die Geschichte des BND und seiner Vorläuferorganisationen von 1945 bis 1968 zu untersuchen. Offenbar ohne eine übersteigerte Empathie mit den Verfolgten und Opfern des Naziregimes zu haben, erklärt der Historiker Prof. Wolfang Krieger, Mitglied der UHK/BND, in einem aktuellen Interview der Tagesschau (28.11.2016):
„Nun, der BND hatte NS-belastetes Personal, aber man muss natürlich fairer Weise sagen, dass das überall anders im deutschen Staatsapparat, in Bund und Ländern, Gemeinden und übrigens auch in der Privatwirtschaft, in den Schulen und Universitäten, in der Richterschaft und Staatsanwaltschaft usw. usw. , überall waren Leute, die NS-belastet waren, und das ist erst so allmählich ans Licht gekommen …“
Es klingt so ein bisschen nach „Normalität“ in den Nachkriegsjahren. Schlimm genug. Dass es „überall so war“, kann allerdings nicht als Rechtfertigung gelten für entsprechende Verfehlungen des BND und Aufsichtsgremien wie das Bundeskanzleramt. Ich finde, 60 Jahre BND sollten uns eher zum Nachdenken anregen und zur Selbstreflexion als zum Feiern.
Quellen:
Zitat Prof. Wolfgang Krieger:
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-235031.html
Historische Daten:
Wikipedia
Die 1862 in Karlsruhe geborene Sophie Maria Viktoria, Prinzessin von Baden und Königin von Schweden, ist die Namensgeberin der Straße, in der sich die POLY Produzentengalerie befindet: Viktoriastraße 9. Seit nunmehr 15 Jahren kennt man in Karlsruhe diese Adresse in Verbindung mit einer künstlerischen Wirkstätte. Ebenso wie bei der erst im Juli 2015 eröffneten Galerie Zett Zwo (Etymologie: Zunftstraße 2) in Karlsruhe-Durlach handelt es sich auch bei der POLY um eine Produzentengalerie, was bedeutet, dass sie von den ausstellenden Künstlern selbst betrieben wird.
Jährlich findet einmal eine Ausstellung der Kunstwerke der Mitglieder der POLY statt. Die Vernissage zu dieser Exposition, die in 2016 den Namen „Vogelnest“ trägt, habe ich mit großer Neugierde besucht und natürlich fotografisch erfasst. Zu den Mitgliedern und damit Ausstellerinnen und Ausstellern gehört die in Luxemburg ansässige und Part-Time-Karlsruherin, Fotografin, Eta Carinae. In all den Jahren, die wir uns kennen, ist sie für mich, über die Fotografen-Kollegin hinaus, zu einer bemerkenswerten Freundin geworden. An ihrer Art der Fotografie beeindruckt mich immer wieder ihr Blick für die schönen, dynamischen und ausbalancierten Dinge, wie sie in der Natur vorkommen. So berührt auch das von ihr bei dieser Ausstellung gezeigte und ästhetisch gerahmte Bild einer die Prager Moldau diagonal überfliegenden Schar von Möwen.
Die Ausstellung wird noch zu sehen sein bis Sonntag, 27.11.16, jeweils ab 20 Uhr. Bei Rückfragen zu (ggf. individuellen) Öffnungszeiten bitte wenden an: Joachim Hirling.
Die POLY Produzentengalerie bietet nicht nur etablierten Künstlern, sondern auch Newcomern der Kunstszene die Möglichkeit, ihre Werke zu veröffentlichen. Bei Interesse schaut Euch bitte den Bewerbungsprozess hierfür an:
Bewerbung für eine Ausstellung oder Veranstaltung bei der POLY in Karlsruhe.
Nun aber viel Spaß mit meinen szenischen Impressionen von der Vernissage!
Alle Fotos von der Vernissage: Michael M. Roth, MicialMedia
Namensliste der Aussteller:
Christian Ulrich
Bettina Yagoubi-Amann (Inas Amarni)
Joachim Hirling
Jean-Mi Dejasmin
Cosima Klischat
Mahmoud Yaboubi
Renate Schweizer
Eta Carinae
und die Gemeinschaftsarbeit mit Tobias Zilly
Am letzten Tag der Lichtwert Fotowoche, die vom 29.10. bis zum 5.11.2016 im Studio des Karlsruher Fotovereins stattfand, besuchte ich die ansehnliche Location in der Burg der Brauerei Hoepfner. Welcher Fotograf würde hier nicht gerne mal fotografieren, welches Model nicht gerne mal seine Schokoladenseiten zur Geltung bringen? Alle zwei Jahre zeigt ein großer Teil der Vereinsmitglieder seine Fotografien, die hier und anderen Ortes entstanden sind. Dieses Mal waren es ca. 40 Fotografen, die in der Summe 100 ihrer Werke präsentierten. Die 2009 in Karlsruhe gegründete Stätte für die Produktion und Diskussion moderner Fotografie erfreut sich wachsender Beliebtheit. Sowohl die Vernissage als auch die Fachvorträge renommierter Fotografen wie Herbert Piel, die während der Lichtwert Fotowoche stattfanden, waren gut besucht. Der letzte Ausstellungstag bot nun noch einmal die Möglichkeit, in einem eher besinnlichen und ruhigen Rahmen, die Werke der Künstler zu studieren und zu genießen. Herzlichen Dank an die Mitglieder des Lichtwert e.V. Jürgen Schurr (TwoSense Photography) und Robert Tschmelak (machtfotos.de), die ein wenig meinen Galerierundgang begleiteten bzw. sich mit ihren Werken präsentierten. Ebenso natürlich an die fleißigen und passionierten ausstellenden Fotografen sowie die freundlichen Besucher am Tage der Finissage, die ich stellvertretend für die Vielzahl von Interessenten der zu Ende gehenden Fotowoche ebenso fotografisch einfangen durfte! 🙂
Weitere Infos zur Lichtwert Fotowoche findet Ihr unter:
http://fotowoche.lichtwert-fotografie.de
Und noch eine kleine Bewegtbildaufnahme (alias Facebook Live) zum Rundgang:
http://bit.ly/lichtwert16fblive
Natürlich, „In 80 Tagen um die Welt“, die Geschichte, die Jules Verne einst den neugierigen Menschen auf der Erde zum Geschenk machte, ist an Spannung kaum zu übertreffen. Doch nun durfte ich einem Welteroberer begegnen, der es in nur 50 Tagen schaffte, Israel zu Fuß und „ohne einen Penny“ zu erkunden und dabei 1000 km zurück legte. Christian Seebauer durchquerte bei seinem Israel Trail das Land von Nord nach Süd. Nicht nur, dass es einem verrückt vorkommen muss, ein bis dato (für Christian) unbekanntes Land ohne finanzielle Reserven auf die ganz eigene Art und Weise erleben und erfahren zu wollen, der unerschrockene Wandersmann negierte zusätzlich noch die zur warmen Jahreszeit bevorzugte Route von Süd nach Nord. Und ebenso verblüffend und faszinierend die Antwort: „Ich wollte Menschen begegnen“. Was für eine spannende Philosophie und was für ein offener Denkansatz, der über sichere (Lebens-)pfade hinaus geht.
Inspiriert durch eine liebe Freundin, Tine Trödel, unten im Bild gemeinsam mit Christian Seebauer zu sehen, nahm ich ganz spontan an dem Veranstaltungsabend in der City Gemeinde Karlsruhe teil, an dem der aufgeweckte Christian Seebauer seine Wandergeschichte durch Israel einer großen Anzahl von wissbegierigen Karlsruherinnen und Karlsruhern erzählte. Manuel Winter gehörte zu den Initiatoren und Organisatoren des lebendig inszenierten und mit Fingerfood verfeinerten Events. Manuel hatte hatte Christian bei der Buchmesse in Leipzig getroffen und schließlich nach Karlsruhe eingeladen. Was für eine tolle Idee!
Angeblich hat ja Christian früher in der Finanzbranche gearbeitet. SMILE. Doch nach dem tollen Abend frage ich mich, ob er nicht doch zwischendurch auch mal in der bzw. für die Filmbranche tätig war. Denn abgesehen vom spannenden Inhalt seiner Geschichten, verstand es der „Aussteiger für 7 Wochen“ diese dramaturgisch sehr wirkungsvoll dem fasziniert lauschenden Publikum zu vergegenwärtigen. Nicht wenige hörte ich in der Pause der Veranstaltung, die 2x 45 min dauerte, sagen: „Ach ja, nach Israel würde ich ja auch ganz gerne mal …“. Ich persönlich fand die Episode sehr beeindruckend, als Christian Seebauer, der auf seiner Wanderung ca. 12 kg verlor, in einem der nobelsten Hotels von Israel um Übernachtung bat. – Wir erinnern uns: Christian war ohne Geld unterwegs. Den Soldaten, die das Hotel bewachten, erzählte Christian, dass er einen Termin mit dem Chef des Hauses hätte. Den bekam er dann sogar auch. Über einen spontanen Arbeitsausgleich (Ihr könnt Euch vorstellen, in einer großen Küche gibt es immer viel zu tun) bekam der eigentlich unangemeldete Wandersmann eine Übernachtung geschenkt. Welche Gefühle der Freude und Genugtuung mussten zu jener Zeit in Christian geherrscht haben?!
Für mich war es auf jeden Fall eine große Freude und Ehre, den fleißigen Weltenbummler und Buchautor Christian Seebauer aus Bayern „live und in Farbe“ kennen zu lernen!
Alle Fotos vom Veranstaltungsabend: Michael M. Roth, MicialMedia
Obwohl die Welt damals bei weitem noch nicht so vernetzt sein konnte wie heute, ist bemerkenswerterweise die Idee vom Weltbürger schon ziemlich alt. Die philosophisch-politische Weltanschauung des Kosmopolitismus (griechisch für „Weltordnung“) bzw. Weltbürgertums geht auf die Antike zurück. Diogenes von Sinope (410-323 v. Chr.) sah sich selbst als einen Weltbürger. Während des Renaissance-Humanismus und der Aufklärung wurden die weltbürgerlichen Ideen u.a. fortgeschrieben durch Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781, „Die Erziehung des Menschengeschlechts“), Johann Gottfried Herder (1744-1803, „Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit“) sowie Immanuel Kant (1724-1804, „Zum Ewigen Frieden“). Für mich erstaunlich: In den Zeiten des aufkommenden Sozialismus und (angedachten) Kommunismus wurde der Kosmopolitismus als eine Machenschaft des Imperialismus verklärt oder zumindest uminterpretiert. Dabei nannten sie ihre eigenen Raumfahrer doch Kosmonauten (vs. Astronauten in weiter westlichen Gefilden)! Und Juri Alexejewitsch Gagarin (1934-1968) gehörte zumindest zu den ersten Welt-All-Bürgern, er war der allererste menschliche Raumfahrer. Im heutigen 21. Jahrhundert ist der meines Erachtens unglaublich beeindruckende deutsche Astronaut und Kosmonaut Alexander Gerst (geb. 1976 in Künzelsau) ein Weltbürger par excellence. Bereits in 2014 verbrachte „Astro-Alex“ 6 Monate auf der ISS und wird 2017 der 1. deutsche Kommandeur auf der ISS werden. Es gibt wohl kaum einen anderen Platz in der Welt, bei dem so gut demonstriert wird, wie (Vertreter) verschiedene(r) Nationen mit unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen zusammen leben und arbeiten können. Chapeau!
Doch muss es weltweit bei Oasen, einzelnen Orten, Ländern oder Ländergemeinschaften bleiben, bei denen man Liebe oder im Mindesten gegenseitigen Respekt vorfindet?

Straßenfotografie in Karlsruhe. Das Motiv steht symbolisch für Liebe und herzliche Begegnung | Foto: MicialMedia
Wenn ich an Weltbürgertum denke, dann assoziiere ich eine Vielzahl von weiteren Begriffen, die diesen Begriff ausmalen oder näher skizzieren. Dazu gehört Offenheit. Offenheit, die nicht an der eigenen Haustür, nicht an der Stadt- Bundesland- oder Landesgrenze endet. In meinen Augen besitzt ein Weltbürger durchaus eine Affinität zu eigenen Traditionen oder zu einer regional geprägten Kultur. Gleichzeitig verfügt er oder sie über weiche Schnittstellen zu anderen Kulturen und Nationalitäten. Der weite Horizont ermöglicht den Austausch mit Menschen, die einer anderen Religion angehören als der eigenen. Gleichwohl besitzt ein Weltbürger Werte, die kleinste gemeinsame Nenner zwischen Angehörigen verschiedener Religionen oder Kulturen zulassen oder diese sogar befördern. Auf diesen Passus im deutschen Grundgesetz bin ich besonders stolz und erfreue mich, dass er hier seinen festen Platz gefunden hat. Vor allem aufgrund der widersprüchlichen und hasserfüllten Geschichte, die Deutschland als Bestandteil seiner „Vita“ einräumen muss. Dieser Passus steht in Artikel 1 des Grundgesetzes und lautet:
Die Würde des Menschen ist unantastbar!
Ich könnte mir keine Religion oder Kultur vorstellen, die diesem Anspruch nicht genügen würde, zumindest freilich in meiner Wunschvorstellung.
Was so felsenfest in der deutschen Verfassung verankert ist und worüber großenteils unter der Weltbevölkerung grundsätzlich Konsens herrschen sollte, kann gleichzeitig als Ausgangspunkt dienen für die Frage „Was bedeutet überhaupt die Würde des Menschen und (ab) wann könnte sie verletzt werden?“.
Nach unserer humanistischen Vorstellung von Recht und Menschenwürde gilt es als absolut menschenunwürdig, krankhaft und fanatisch, einem anderen Menschen die Kehle durchzuschneiden. Was aber ist, wenn die Todesstrafe zum Rechtssystem eines Landes gehört? Was macht man mit einer alten Tradition, bei der die Geschlechter von Kindern oder heranwachsenden Erwachsenen beschnitten werden?
Obwohl die Welt von heute besser vernetzt ist als jemals zuvor in ihrer Geschichte, haben wir weiterhin weltweit Konflikte. Die Vernetzung dient oftmals nicht dem Austausch von Perspektiven, sondern der Verbreitung von Falschnachrichten oder von Propaganda. Wenn wir uns mit den Dingen im Detail befassen, wird uns auffallen, dass mehr Fragen als Antworten oder gar Lösungen im Kontext der weltweiten Konflikte auftauchen. Aber vielleicht ist ja gerade das ein Ansatz, wenn man Konfliktlösungen anstreben will: Fragen zu stellen und Fragen zuzulassen. Fragen, die nicht nur die eigenen Interessen betreffen, sondern auch um die Perspektive und Beweggründe der anderen Seite näher zu erforschen. In all den Diskussionen, die vor allem in den digitalen Netzwerken geführt werden, überwiegen die Antworten und klaren Meinungen. Und ganz oft werden sie von Personen artikuliert, die gar keinen Widerspruch zulassen.
Wie also sollte ein Weltbürger agieren? Gibt einen solchen (abgesehen von Alexander Gerst 😉 ) überhaupt aktuell auf der Welt lebend?
Für mich ist die Weltbürgerschaft eine Symbolik. Mich selbst als Weltbürger zu bezeichnen ist vielleicht eher ein Anspruch, denn eine unbestrittene und offensichtliche Tatsache. Was bleibt uns denn, als die Erfüllung unserer Ziele und die Umsetzung unserer Ideale anzustreben? Eigentlich unabhängig davon, ob sich jemand als Weltbürger bezeichnet oder eher seine europäischen, deutschen oder landesspezifischen Facetten sieht, meiner Meinung nach bleibt für uns alle die Herausforderung, schon im Kleinen mit Respekt und Wertschätzung miteinander umzugehen, die eigene Meinung für wichtig, aber nicht für unumstößlich zu halten und unsere Reden, Kommentare, Posts verletzungsärmer zu gestalten. Denn jener Geist, den wir im Kleinen applizieren, ist die Basis dafür, was wir oder Menschen mit „höheren Aufgaben“ oder in „höheren Positionen“ umsetzen. Egal ob wir Deutsche, Russen, Amerikaner oder Kongolesen sind, wir können zumindest weltbürgerlich handeln und unsere Leben sowie unseren Planeten als eine einmalige Chance betrachten auf ein Leben in Würde bei dem Freude und Glück, das heißt, glückliche und friedliche Momente nicht zu kurz kommen sollten.
Und solange wir daran glauben, gibt es eine Hoffnung. Sowohl für jeden einzelnen als auch für die Menschheit auf der Erde als Ganzes.
[Quelle für die geschichtlichen Daten: Wikipedia]
Als Bestandteil der 15-köpfigen Bürgerdelegation Baden-Württemberg durfte ich vor zwei Jahren, am 3. Oktober 2014, selbst an den zentralen Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag in Hannover teilnehmen. Für mich war das eine großartige und spannende Veranstaltung. Das dort gelebte Motto „Einheit in Vielfalt“ berührte mich auf angenehme Art und Weise. Ich lernte eine Vielzahl von Menschen kennen mit unterschiedlicher Hautfarbe und Religion. In ihnen sah ich keine Bedrohung, im Gegenteil, für mich waren sie eine Bereicherung meines eigenen kulturellen Horizontes und eine Erweiterung meines Freundeskreises. Dazu gehörte u.a. Najoua Benzarti (im Bild links mit Kopftuch), Migrationsbeauftragte aus Karlsruhe und stellvertretende muslimische Vorsitzende des Koordinationsrates des christlich-islamischen Dialogs.
Bei den Zentralen Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag, die nun, 2016, in Dresden stattgefunden haben, gab es einige Unruhen. Auf Facebook hatte Tobias Huch (FDP) in seinem aktuell 6.444 mal geteilten Post um eine Bezeichnung für jene Menschen gebeten, die mit ihren Rufen und Plakaten wie „Merkel muss weg“ das Bild der feierlichen Einheit trübten:
Lasst uns KLARTEXT REDEN! Welches Wort passt?
Pack? Gesindel? Abschaum? Gesocks? Eine Schande? Nazis? Brüllaffen? Dummköpfe?
// TEILEN und als Betreff das passende Wort schreiben //
Aber kann man Hass mit Hass bekämpfen? Als selbst „DDR-Geborener“, der verschiedene Systeme kennen gelernt hat, wollte ich mit folgendem Text eine differenziertere Betrachtung entgegen setzen:
In meinen Augen seid Ihr weder Pack, Gesindel, noch Abschaum. Schändlich ist vor allem die Situation.
Für mich seid Ihr der entgleiste Hilferuf einer desorientierten Gemeinschaft mit einer untergegangenen Religion, die sogar Werte vertrat, die Ihr heute negiert artikuliert, nämlich Solidarität und Menschlichkeit, so wie sie – sogar und vor allem – im Volk – der ehemaligen DDR – gelebt wurden.
Eure Hilfeschreie lassen Euch erscheinen als Pack, Gesindel, Abschaum, weil Ihr die Geduld verloren habt, Eure Erwartungen und Hoffnungen unerfüllt und verloren glaubt. Die Flüchtlinge und Andersfarbigen, die in Eurer Region nur in Spuren vorkommen, sind nicht Euer Problem. Sie werden von Euch genutzt als Metapher für die vor allem in Euren Köpfen noch nicht angekommene Freiheit. Freiheit bedeutet auch Verantwortung. Für das eigene Menschenleben und seinen Platz in der Gesellschaft. Wertschätzung und Respekt für seine Mitmenschen, unabhängig von ihrer Hautfarbe oder Religion.
Es ist beachtlich, *dass* Ihr auf Euch aufmerksam macht. Wie schön wäre es, wenn dies in einem positiven Kontext geschähe. Ich schaue hinter Eure Fassade, Eure grimmige Maske. Ich sehe kreative Menschen, tief im Inneren, nur äußerlich abgestumpft. Habt Ihr keine Lust, den Paradigmenwechsel zu vollziehen, im positiven Sinne von Euch reden zu machen? IHR könntet zu den Weltverbesserern werden. Ihr wart es doch auch, die 1989 für ein ein besseres Leben auf die Straßen Ostdeutschlands gegangen seid. Und wenn Ihr glaubt, „die im Westen“ oder „die da oben in der Regierung“ hören Euch nicht, dann schreit lauter und schreitet mit guten Taten voran. Bildet Euch weiter, gründet Unternehmen, kümmert Euch um Eure Mitmenschen! Macht Euren Lebensraum, egal ob Ihr in Dresden, Stuttgart oder Kiel wohnt, zu einem Flecken Erde, der dazu beiträgt, das Leben auf der ganzen Welt zu verbessern. Selbst wenn Ihr nur ein Mosaiksteinchen seid. Aber genau ohne diese Mosaiksteinchen funktioniert das Leben als Ganzes nicht.
Positive Impulse zu setzen, im eigenen Leben wie inspirierend auf das Leben anderer einzuwirken, kann mindestens genauso befriedigend sein wie „Merkel muss weg“ zu rufen oder zu plakatieren. Vielleicht solltet Ihr einfach mal den Mut aufbringen und diese Zäsur in Eurem eigenen Leben Wahrheit werden lassen. Der persönliche und gesellschaftliche Gewinn könnten größer sein, als Ihr Euch derzeit vorzustellen wagt.
In Karlsruhe gibt es einen Garten der Religionen. Wie wunderbar ist das denn?! Religionen sind für mich nicht von Interesse, weil ich an den oder an einen Gott glaube, sondern weil ich neugierig bin, worauf sich Menschen in ihrem Leben beziehen. Denn eins ist klar: Wir alle brauchen Bezugspunkte. Auf einer einsamen Insel würden wir nicht nur bezüglich der Ernährung, sondern mindestens genauso in Sachen Kommunikation und Austausch mit unseren Mitmenschen (oder eben auch „mit Gott“) einen Überlebenskampf führen.
Leider verpasste ich die Eröffnung des Gartens der Religionen in 2015. Dieses Mal, zur Feier aus Anlass des 1-jährigen Bestehens (22.9.2016), gelang es mir nun endlich, dabei zu sein.
Neben dem umfangreichen Programm der Feier
14:00 Musik für Groß und Klein auf einer Drehorgel
(Jochen Freiberger, Freireligiöse Gemeinde)
15:00 Nordafrikanische Sufi-Trommeln, Gesang und Musik
(Trommel-AG der IIFG mit den Sängerinnen Hajer Daoussi, Chiha u.a.)
15:30 Buddhistische Rezitationen (Zen-Dojo Karlsruhe u.a.)
16:00 Tanz mit Tänzern der Lasya Priya School of Fine Arts
im Hinduismus- Innenkreis des Gartens
16:30 Führung durch den Garten der Religionen mit Vertretern verschiedener Religionen
alternativ: Digitale Schnitzeljagd (Quiz) mit der Actionbound-App zum Garten der Religionen, zusätzlich Quiz auf Papier (ohne Handy)
18:00 Ausklang [Quelle]
war für mich persönlich ein Höhepunkt, dass ich Sina Alavi kennen lernen durfte. Er ist Beauftragter des Geistigen Rates der Karlsruher Bahá’í-Gemeinde. Wie mir Sina Alavi erklärte, gehören ganzheitliches Denken sowie die Einheit der Menschen auf unserem Planeten Erde zu den Glaubensgrundsätzen der Bahá’í, womit ich mich gut identifizieren kann.
Nachfolgend wie immer ein paar Fotos von der Veranstaltung. Gefolgt von akkustischen Impressionen der Gesänge, die ich via Facebook Live im kleinen Video festgehalten habe.
Alle Fotos: Michael M. Roth, MicialMedia | Eventfotograf Karlsruhe
Facebook Live Video
https://www.facebook.com/michaMroth/videos/10208114984891570/
Herzlichen Dank an Mirja Kon-Thederan, die Islamische internationale Frauengemeinschaft e.V. Karlsruhe und Umgebung, die Organisatoren, Mitgestalter und die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedlicher Glaubensrichtungen! Ich freue mich, dass Karlsruhe mit dem Garten der Religionen ein klares Zeichen für Toleranz und das respektvolle Miteinander setzt. Danke!