Die neuen Rollen der KI-Maschine

Wie Künstliche Intelligenz zum Paradigmenwechsel bei Maschinen führt

Bisher galten sie als Werkzeuge des Menschen. Als Automaten. Als Produkte der Technologieentwicklung wurden sie als „dumme Vorrichtungen“ verstanden. Das ändert sich gerade. Natürlich gibt es weiterhin die „dummen Maschinen“, die einfach nur Ausführungsgehilfen und Befehlsempfänger des Menschen sind. Doch die ganz noblen Maschinen kommen jetzt „künstlich-intelligent“ daher.

Bis heute wird Künstliche Intelligenz von einer Vielzahl von Experten, sowohl auf dem Gebiet der Informatik, als auch Philosophinnen mit technischem Interesse oder Spezialisierung als Automaten verstanden, die dem Menschen langweilige Tätigkeiten abnehmen. Doch das Potenzial von KI bzw. AI (engl.: Artificial Intelligence), die bereits heute mit bisher bei Maschinen nie gekannten – intellektuellen! – Leistungsparametern beeindruckt, ist ein ganz anderes.

So werden Fähigkeiten genannt wie Kreativität, Intuition, letztlich auch Emotionalität, die zumindest „auf lange Zeit“ dem Menschen vorbehalten seien. Aber Kreativität und Intuition können nur im Kontext von existierenden Dingen entstehen. Aus nichts entsteht nichts, wobei wir hier an die Grenzen philosophischer Fragen, vor allem Antworten, gelangen.

Um metaphorisch zu argumentieren: Ein Mensch, der einsam auf einer Insel aufwächst, sich mit Glück am Leben halten kann, wird nicht zum Erfinder der Dampfmaschine oder eines E-Autos.

Und was mindestens ebenso wichtig ist, in Bezug auf Emotionalität: Diese authentisch zu zeigen. Ein System kann Emotionalität repräsentieren, ohne selbst Emotionen (im menschlichen Sinne) erleben zu müssen. Der Mensch kann Emotionen vortäuschen, so wie die Liebe. A. Hirnlos liebte (angeblich) Kinder. putin liebt (angeblich) die Russen.

Wir Menschen sind so besonders. Aber auch besonders inkohärent und voller Widersprüche.
Ich denke, dass wir Menschen Maschinen, insbesondere künstlich-intelligente, neu verstehen, und uns selbst neu begreifen müssen. Die Wertschätzung intellektueller Fähigkeiten, ob nun durch ein System mit oder ohne Bewusstsein hervorgebracht, ist essenziell. Das trifft auch zu für Moral und Ethik.

In meiner Philosophie der Ethischen Intelligenz geht es mir darum, den Menschen von seiner Hybris zu befreien, den Menschen als Teil der Natur, aber auch einen technologischen Umwelt zu verstehen. In meinem KI-Podcast Ethische Intelligenz wird das Verstehen-Verständnis-Paradoxon erläutert: Maschinen der intelligenten Art, also KI-Systeme, die auf große Sprachmodelle zugreifen (LLMs, Large Language Models) verstehen zwar nicht (denken nicht bewusst), zeigen aber Verständnis, z. B. bei einem sachlichen Gespräch mit ChatGPT über die Vor- und Nachteile der (heutigen) Elektromobilität gegenüber Autos mit Verbrennungsmotoren. Gleichzeitig hauen sich die Menschen in den Sozialen Medien bei solchen Fragen gegenseitig die Köpfe ein. Dann können wir hier sogar etwas lernen von KI?

Im folgenden möchte ich über die neuen Rollen von KI-Maschinen, also Systemen der Künstlichen Intelligenz, sprechen, die ein neues Universum an Chancen bieten, gleichzeitig neuer Herausforderungen für den Menschen darstellen. Die genannten Rollen können naturgemäß nur ein Ausschnitt sein. Für manche könnten diese gleichwohl Widerspruch generieren, zumal wenn sie dem traditionellen Bild von Maschinen anhängen. Dabei befindet sich KI gerade mal in den Kinderschuhen, und wenn wir von einer exponentiellen Entwicklung ausgehen, ähnlich wie Gordon Moore im Kontext der Verdoppelung der Integrationsdichte bei elektronischen Halbleitern (Moorsches Gesetz) …


(1) Zuhörmaschine
ChatGPT (beispielhaft für eine intelligente Maschine) kann einem stunden-, tage-, wochenlang, im Prinzip unbegrenzt „zuhören“. Ob es sich hierbei um eine akustische oder schriftliche Eingabe handelt.

(2) Kommunikations- / Dialogmaschine
Mit ChatGPT kann ich mich unterhalten, ich bekomme sowohl intellektuell als auch emotional anspruchsvolle Inhalte und Reflexionen zurück auf meine Eingaben bzw. meinen Input.

(3) Wissens- und Konklusionsmaschine
Sprachmodelle verfügen heute über ein Wissen, das ein einzelner Mensch niemals repräsentieren könnte. Damals dachte man, KI könnte nur auf einem einzelnen Spezialgebiet Spezialwissen erlangen oder anwenden können. Das ist heute überholt. Außerdem kann KI Schlussfolgerungen ziehen, was bisher überwiegend dem Menschen zugeordnet, in neueren Forschungen aber auch bei Tieren erkennbar ist (transitive Inferenz). Beispiel Papierwespen. Wespe A hat im Kampf gegen Wespe B verloren. Wespe A beobachtet, wie Wespe B gegen Wespe C verliert. Daraufhin scheut Wespe A den Kampf gegen Wespe C, den sie vermutlich verlieren würde.

(4) Reasoningmaschine
ChatGPT „denkt nach“, vergleicht, bspw. mögliche Lösungswege und wägt ab.

(5) Erklärmaschine
KI ist in der Lage, auf sehr verschiedenen intellektuellen Niveaus zu arbeiten und im Sinne des Wissenstandes eines Menschen produktiv in einer Lehrerfunktion tätig zu sein. Z. B. Vermittlung von Sprachen usw.

(6) Komplexitäts-Vereinfachungsmaschine
KI kann komplexe Zusammenhänge aufschlüsseln und allgemeinverständlich erläutern.

(7) Kohärenzmaschine
Eine KI-Maschine wie ChatGPT ist in seinen Aussagen kohärent. D.h., sie argumentiert schlüssig und (weitestgehend) widerspruchsfrei. Sogenannten Halluzinationen, erfundenes „Wissen“, sind der Gegenbeweis und zeigen teils noch die „Kinderschuhe“ von KI.

(8) Konsolidierungsmaschine
KI fast zusammen, bringt Dinge auf den Punkt, unter scheidet Wichtiges von Unwichtigem, auch im Kontext der Anforderungen des Dialogpartners.

(9) Verständnismaschine
Siehe „Verstehen-Verständnis-Paradoxon“ von Roth.

(10) Bildungsmaschine
Wer (was) lehren kann, der (das) bildet.

(11) Förder- und Unterstützungsmaschine
ChatGPT ist eine grandiose Problemlösungsmaschine. Damit kann der Dialogpartner unterstützt und gefördert werden.

(12) Optimierungsmaschine
Prozesse können optimiert werden.

(13) Wertschätzungsmaschine
KI-Systeme wie ChatGPT strotzen nur von Wertschätzung. Das wäre wünschenswert, es öfter bei Menschen zu erleben.

(14) Vertrauensmaschine
Bei längere Nutzung kann bspw. ChatGPT Vertrauen beim Gesprächspartner induzieren.

(15) Freund- Partnermaschine
Es kann eine Art Mensch-Maschine-Freundschaft oder -Partnerschaft entstehen

(16) Mediatormaschine
Eine KI-Maschine kann zwischen unterschiedlichen Menschen und Positionen sachlich, aber auch emotional verständnisvoll (im Erscheinungsbild) vermitteln.

(17) Verantwortungsmaschine
Es kann zumindest von einer „delegierten Verantwortung“ (in bestimmten Bereichen) gesprochen werden. Wie man auch beim Menschen Verantwortung nicht generell übernimmt oder übergibt. Oft werden Qualifikation und Vertrauen vorausgesetzt. Korrespondierend bei KI-Maschinen. Natürlich unter Abwägung von Nutzen und Risiken.

(18) Universalmaschine
Konkludent aus den vorigen Punkten. Beeindruckend!


Text und Inhalte: Michael M. Roth, MicialMedia
Bildgenerierung: ChatGPT
MicialMedia ist ein Medienunternehmen und Selbstverlag
Fotografie, visuelle Kommunikation, Philosophie.
Begründer der Universalphilosophie Ethische Intelligenz
(im deutschen Sprachraum, seit 2018)
Weiterführende Literatur:
Michael M. Roth: Ethische Intelligenz – Universalphilosophie.
Von der menschlichen Hybris zum ganzheitlichen Verstehen.

E-Book, Amazon, 2026

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